Mit der Pistole auf der Brust

Alexander Weber: „Taumeln durch die Tragödie“; Kommentar 17. Juli

Ihrer Ausgabe vom 17. Juli habe ich entnommen, dass seit Beitritt zur Eurozone die Strukturhilfen und Rettungskredite für Griechenland die magische Grenze von 500 Milliarden, Tendenz steigend, erreicht haben. Diejenigen, die dafür verantwortlich sind, sollten sich schämen, denn diese dem normalen Bürger kaum vorstellbare Summe, hätte gereicht, um mehr als ganz Afrika mit wertvollem Trinkwasser nachhaltig zu versorgen. Um wie viel reicher wäre dadurch die Menschheit, und ein Großteil der Bewohner eines ganzen Kontinents, im Vergleich mit dem desaströsen Ergebnis in Griechenland.

Erich Lechner Langenpreising

Ich verstehe nicht, wie das mit den Schulden, den einzelnen Finanzierungssystemen funktioniert, ob Grexit sinnvoll ist oder nicht, möchte aber etwas zu Herrn Schäuble sagen, den man selbstverständlich nicht mit Hitler vergleichen kann. So ist er für mich nicht der hässliche Deutsche, aber der hämische Deutsche, der unglaublich wenig Empathie zeigt gerade für die alten Griechen, die Kinder des Krieges, die jetzt die letzten Lebensjahre in Angst verleben müssen. Sichtlich betroffen war die Europaabgeordnete Harms, die der zusammengebrochene alte Grieche nicht kalt ließ. Fassunglos saß er vor dem Bankautomat, der kein Geld mehr ausspuckt für die Krebsbehandlung seiner Frau. Dass die Alten noch mehr leiden werden, das kann man befürchten. In einem Fernsehbericht beklagte eine Sozialarbeiterin, dass sie wohl damit rechnen muss, dass es viele Entlassungen geben wird im sozialen und medizinischen Bereich. Jetzt außer Betracht lassend, was vom Finanziellen her sinnvoll ist für Europa, das zusammenbleiben will und soll, ist für mich Herr Schäuble ein Dorn im Auge. Auch ich habe nicht vergessen, dass er - nicht dementiell verändert - vergessen hatte, dass er von dem Waffenlobbyisten Schreiber 100 000 Euro bekommen hatte. Er beschuldigte dann, nachdem man ihm nachgewiesen hatte, dass er nicht die Wahrheit gesagte hatte, seine Mitarbeiterin Frau Baummeister. Frau Baumeisters Karriere - sie war sichtlich betroffen - war daraufhin vorbei, die des Herrn Schäuble - Freund der „Schwarzen Null“- begann. Europa wird weniger am Geld scheitern, denn daran, dass wir keine Werte haben, die nicht Geldwerte sind. Und so schiebt man sich dann die Flüchtlinge gegenseitig zu. Keiner will sie so recht. Freiwillige Solidarität. Dann leider keine. Adenauer und De Gaulle würden sich im Grabe umdrehen. Was für Enkel!

Martina Lenzen München

Hier geht’s nur ums Geld. Um es kurz zu machen, solange die Kuh Milch gibt, muss man sie melken! Und Ochsen (oxi) tragen ihr Joch. Genau weiß man es bei uns noch nicht, bei uns gibt es noch keine Umfrage, bei den Griechen gibt es 61 %. Also, Kali nichta!

Werner Rümke Poing

Griechenland – Krisenland: Was man Euro-weit täglich über die derzeitige Lage in Griechenland und die dort herrschenden Missstände erfahren muss, lässt uns gleichermaßen missbilligend und ungläubig den Kopf schütteln, beeinträchtigt. Der historische Drachmen-Stich zu Füßen der Akropolis vor einigen Jahren hat Vieles im Unklaren gelassen und neue Verunsicherung erzeugt. Die Ursachen sind schon zu früheren Zeiten so auch heutzutage wegen unsachgemäßem Regierungsstil meist hausgemacht, und doch richtet man die dringende Bitte um finanzielle Hilfe auf höchstem Niveau an die westliche Welt. Verhandlungsgeschick einerseits und Verzögerungstaktik anderseits erschweren ein Fortkommen der Gespräche über den Abbau eines immensen Schuldenbergs. Für die Beseitigung der Mängel sind übergeordnete Kräfte notwendig, wie sie aus der griechischen Mythologie bekannt sind und als Vorbilder hätten dienen können. Da hat Herkules (Herakles) auftragsgemäß den Augias-Stall ausgemistet, in dem sich der Mist von dreitausend Rindern angehäuft hatte. Herkules schaffte diese Arbeit in einem Tag. Die Geschichte lehrt, dass auch heutzutage jeglicher anfallende Mist zu entfernen sei, sobald er die Geschicke eines Volkes beeinträchtigt. Eulen nach Athen zu tragen, wäre in der heutigen Zeit müßig; es gibt dort noch genügend Exemplare für den Eigenbedarf. Vielmehr leben zahlreiche Griechen deshalb weiter in der Befürchtung, dass der nimmermüde Zahn der Zeit an ihren säulengestützten Denkmäler antiken Ursprungs sein zerstörerisches Werk vollenden und sie zum Einsturz bringen könnte.

Fred Hufnagel Seefeld

Unserer Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel und unserem Finanzminister Dr. Schäuble möchte ich auch im Hamen vieler meiner bayerischen Landsleute unseren ganz großen Dank für ihren unermüdlichen Einsatz in der Griechen-Affäre aussprechen. Sie haben sich besonders bei dem 17-Stunden-Marathon-Verhandlungen vom 12. auf den 13. Juli in Brüssel bis an die Grenze ihrer physischen und psychischen Belastungen begeben. Die Gegenopposition Europa wollte vor allem von Deutschland Geld und nochmals Geld. Unsere Politiker wollten gemäß ihrem Eid, Schaden, vom deutschen Volk abwenden.

Joseph Westermayr Dießen am Ammersee

Griechischen Wein schenkt Tsipras kräftig ein und die Verantwortlichen Institutionen, die Länder-Chefs, die Finanzminister der EU sind davon schon ganz benebelt. Ja merkt denn niemand, dass das Ping-Pong-Spielchen nur einen Schläger hat. Hellas haut den übrigen EU-Staaten den Ball nur so um die Ohren. Hie und da mal wieder ein paar Reförmchen, damit man im Gespräch bleibt. Das langt schon, damit ein paar Ministerpräsidenten daran glauben. Solang sich nicht alle 100 % einig sind, wird diese unendliche Geschichte weitergehen. Mit solchen jahrelangen Kasperltheater wird weiterhin viel Geld verbraten. Kostspielige Verhandlungen, keine Einigkeit. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt man völlig ungeniert. Und so wird ein Fass gestopft, das keinen Boden hat. Diesen blöden Spruch in TV und Medien „dann ist Griechenland pleite“ kann man nicht mehr hören und lesen. Eher geht es uns an den Kragen. Diese Milliarden sind versengt, bis zum St.-Nimmerleinstag. Politiker müssten alle für ein Jahr ihr Salär abliefern. Dann wäre diesen Trauma bald erledigt.

Wolfgang Stengl Moosburg

Die beiden Finanzdiktatoren Frau Merkel und Herr Schäuble, der schwäbische Sparfuchs, setzten Tsipras das Messer an die Kehle und die Pistole auf die Brust. Unter diesen Umständen und nach 16 Stunden Verhandlungsmarathon gab es für den griechischen Regierungschef, der so in die Zange genommen wurde, nur die einzige Möglichkeit, den deutschen Reformforderungen zu zustimmen. Es gab eine zirka 90 Milliarden Euro Kreditzusage unter der Bedingung, dass... Es stellt eine Demütigung des griechischen Volkes dar, das unter dem Damoklesschwert wenig Chancen haben wird, sich selbst zu befreien. Die große Tragödie hat jetzt erst begonnen.

Wolfgang Luksch Schliersee

Jetzt hat der Grexit erst richtig begonnen. Durch die Erpressung der europäischen Währungshüter eines hilfsbedürftigen Mitgliedslandes wurde die rote Linie des sozialen Miteinanders überschritten. Die Folgen werden für Europas Verantwortliche bald bitter sein. Ihr Name wird einmal für alle Ewigkeit verteufelt, aber ganz sicher nicht nach dem Neuaufbau Europas gelobt werden. Ironie der Geschichte: Ende der 20er und zu Beginn der 30er Jahre im letzten Jahrhundert waren in den Bürgerkriegszuständen die deutschen Finanz- und Industriekonzerne in der Bredouille. Entweder alles an das Volk zu verlieren oder das Volk einbinden zum ganz großen Schlag gegen die Mitkonkurrenten in den Nachbarländern. Für Zweiteres musste ein Mann der Ordnung her: Adolf Hitler; und er schaffte ja zumindest ein gutes Jahrzehnt seine Arbeit recht gut. Deutsche Industriekonzerne boomten wie nie zuvor – und die unteren Bevölkerungsschichten wurden vom revolutionären Gedanken umgeleitet in „Mein Kampf“. Es gab dabei zwar zig Millionen Tote, aber die deutschen Industrie- und Finanzkonzerne waren schnell moralisch wieder obenauf. Sogar bald soweit oben, dass sie in dem geschaffenen vereinten Europa die Hosen anhatten und schalten und walten konnten, wie sie wollten. Ob dies bei Wiedergutmachungen für die Nazi-Gräueltaten im Weltkrieg war, die einfach zumeist ersatzlos gestrichen wurden, oder bei der europäischen Gesetzgebung, zu der man sich als Chefgestalter berufen fühlte; schließlich hat man schon einmal ein ganzes Volk für eine unmenschliche Idee hinter sich gebracht. Kein Wunder also, dass in Zeiten, wo die europäischen Finanz- und Industrie mächtigen wegen aufmüpfiger – weil mit dem Rücken an der Wand stehend – Vasallen um ihre Pfründe fürchten müssen, ein deutscher Hardliner herhalten muss. Anders aber als im Dritten Reich braucht er nicht das Volk hinter sich bringen, weil genug Nachkommen der treudeutschen Ideologie aus der Nazizeit an der Entscheidungfront nachgewachsen sind. Und dieser Hardliner wurde in Schäuble gefunden, der damit seinen ganz persönlichen Privatkrieg gegen die Menschheit führen kann. Nichtsahnend, dass er damit endgültig selbst seinen Namen in den Dreck zieht. Den Griechen sei dafür der Dank.

Egil Reeg Bergen

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