EU, Griechenland und der Nobelpreis

„Schulden-Rückkauf hat offenbar funktioniert“; Politik 10. Dezember, „Europa verspricht sich die Treue“; Titel 11. Dezember

Seit sich 1821 die Griechen gegen die Türkenherrschaft erhoben hatten, ging eine Woge des Philhellenismus (Freundschaft zum Griechentum, Anm. Redaktion) durch die Länder Europas. Die Griechenfrage schlug ganz Europa in Bann. Hauptstütze des deutschen Philhellenismus war das Land mit dem damaligen Namen Baiern. Als Griechenland 1830 für das neue Königreich einen Regenten suchte, wurde die Aufmerksamkeit der europäischen Großmächte auf Baiern gelenkt. Die europäischen Großmächte verpflichteten sich, den nachgeborenen Sohn des baierischen Königs Ludwig I, den Prinzen Otto, als König von Griechenland anzuerkennen. Im Februar 1833 zog der junge, kaum 17-jährige Prinz in Griechenland ein. Die Regierung sollte bis zu seiner Volljährigkeit von einer bairischen Regentschaft geführt werden. Soweit mir bekannt ist, wurde damals aufgrund der Verbundenheit Baierns mit Griechenland das in der griechischen Sprache gebrauchte Ypsilon (Y) statt eines „I“ eingeführt. Das war gut so, denn damit war meines Erachtens eine sprachliche Aufwertung der Bezeichnung unseres Freistaates verbunden. Dies tut aber der Schönheit der bairischen Sprache keinen Abbruch. Und so ist es dem Gang der Geschichte zu verdanken, dass wir nun mit Stolz von einem Freistaat Bayern (also mit Y) und u. a. auch von einem FC Bayern sprechen können. Wie der Presse zu entnehmen war, hat der bayerische Ministerpräsident Seehofer bei dem kürzlichen Besuch des Ministerpräsidenten von Griechenland, Atonis Samaras, mit Einverständnis der Bundeskanzlerin Griechenland die Unterstützung Bayerns bei seinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zugesagt.
Dr. Jur. Georg Krafft
Au i. d. Hallertau

Ich bin überzeugt, dass Alfred Nobel aufgrund seiner genialen Kenntnisse auf den Gebieten Chemie und Physik todunglücklich war, das damals hochgefährliche Dynamit erfunden zu haben. Die nach ihm benannte Stiftung hat er deswegen keinesfalls aus Vorwurfsgründen in die Welt gerufen. Vielmehr beabsichtigte er, dass Komponenten, welche dieses explosive Produkt zu schaffen vermögen, keinesfalls zu schädlichen Zwecken verwendet werden dürfen. Es soll dahingestellt bleiben, ob die jährliche Verleihung des Nobelpreises bislang jedesmal mit seiner Zweckgebundenheit lückenlos in das wohldurchdachte Kalkül ging. Fachliche Kenntnisse im Bereich der Wissenschaften Chemie und Physik ermöglichen die Schaffung von Produkten, welche brutale Auseinandersetzungen, im schlimmsten Fall sogar Kriege in die Welt setzen können. Egal, ob Friedensverhandlungen zumindest Kompromisse in die Wege leiten können; ein Stachel im Fleisch der sich (vormals?) hassenden Völker bleibt in den meisten Fällen stecken. Zweifelsohne bezweckte Nobels Testament, dass dies alles nie zur Realität heranwachsen würde. Genügt anlässlich der Entgegennahme des Friedennobelpreises 2012 der EU die Betonung, gegenseitige Solidarität auszuüben und das Versprechen, in Treue die europäische Verbrüderung voranzutreiben? (Eine Hoffnung ist noch lange keine Tatsache). Wo bleibt effektiv der von Nobel geforderte „größte erdenkliche Nutzen“, die der Menschlichkeit gegenüber geleistet wurde? Die großzügig erscheinenden Gewährungen von einem oder mehreren finanziellen „Regenschirmen“ zugunsten von bankrotten EU-Partnern dürften darunter wohl nicht zu verstehen sein, weil hinter den Kulissen sehr wohl das alte Sprichwort „Geld stinkt nicht“ auf die finanzielle Selbstreinigung des insgeheim schlechten Gewissens verweist. Auch mit Ländern, die größtenteils mit ihren Nachbarn in brutalen, diktatorischen Nachbarkriegen stehen, scheitern oftmals geführte Friedensverhandlungen, solange die EU in diese eigene Truppen zur Unterstützung schickt. Oft ist die Hilfe zur „Selbstverteidigung“ gespickt mit dem Export von technisch hochentwickelten Kampfmaschinen. Sind damit die Wünsche und Vorstellungen, festgelegt in Nobels Testament, wirklich erfüllt? Jetzt mal ehrlich, liebe Europäische Union, konntest Du den Friedensnobelpreis 2012 mit ruhigem Gewissen entgegennehmen?
Peter Koll
Weilheim-Deutenhausen

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