Wie ist Griechenland zu retten?

„,Muss Griechenland im Euro bleiben?‘“ – Einspruch von Edmund Stoiber, Gastkommentar 10. Juli, „Griechenland vor der Katastrophe“; Leserbriefe 8. Juli

Ich gebe Herrn Stoiber völlig Recht – eine geordnete Rückführung Griechenlands zur Drachme wäre die beste Lösung. Denn die Drachme kann man abwerten, um anschließend wieder wettbewerbsfähig zu sein. Derzeit sind die Lohnkosten in Griechenland so hoch, dass es sogar günstiger ist, Tomaten zu importieren als sie vor Ort selber anzubauen. Man lebt – wie Herr Stoiber richtig sagt – auf einem zu hohen Lebensstandard, den man nur durch die immer neuen Kredite der EU halten kann. Dieses System führt aber zu immer weniger Produktivität und Eigenverantwortung, besonders da mittlerweile jedem klar sein dürfte, dass diese Kredite so gut wie nie zurückbezahlt werden. Und nun zu guter Letzt kam noch dieses Referendum, das mit 61 % (!) Nein-Stimmen zu weiteren Reformen endete. Damit ist der Traum Griechenlands von einer Transfer-EU – also Geld ohne Reformen – klar ausgesprochen. Wenn nun ausgerechnet Tsipras, der sich so über die 61 % Nein-Stimmen gefreut hat, einige Tage später eine Reformliste vorlegt, um an weiteres Geld zu kommen, dürfte die tatsächliche Reformwilligkeit sehr zweifelhaft sein. Man unterschreibt vielmehr irgendetwas, um sich wieder einige Monate weiterhangeln zu können, und dann sind die Schulden noch schlimmer, und ein Austritt wäre noch teurer. . .
Klaus Birkl
Weilheim

Der Kommentar von Edmund Stoiber war das absolut „Beste“, was in jüngster Zeit über Griechenland und Grexit geschrieben wurde. Warum lassen wir uns von einem Herrn Tsipras, der sein Volk zum Nein anstiftet und auch noch mit 61 % unterstützt wird, so an der Nase herumführen? „Die stolzen Griechen haben sich für Nein entschieden“ – war der Kommentar in den Zeitungen und wir, die „dämlichen Europäer“ zahlen dafür und betteln noch darum, dass sie ja unser Geld annehmen. Die letzte Frist – die allerletzte Gelegenheit. . . und nun aber ist das die allerletzte Frist, dass ihr bitte unsere Euros annehmt. Und die so stolzen Griechen, an der Spitze Herr Tsipras, haben tatsächlich unsere Hilferufe erhört und werden tatsächlich unsere so verschmähten Euros annehmen. Gott sei’s gedankt! Beleidigungen, persönliche Angriffe aus Griechenland – spielt alles keine Rolle, mit der Annahme unserer Euros ist den Griechen und besonders Herrn Tsipras alles vergeben – ist ja gar nichts passiert. Gute Nacht, Europa.
Peter Portner sen.
Hebertshausen

Man stelle sich vor, unsere Rettungsassistenten und Notärzte würden in Notfällen auch so inkompetent reagieren und handeln wie unsere hochbezahlten EU-Politiker und -Beamten im Notfall Griechenland. Es wäre wohl ein Fall für den Staatsanwalt. Aus diesem Grund wird man sich überlegen müssen, wie man auch in der Politik genauso wie in anderen Bereichen wie beispielsweise bei Arzneimitteln oder in der Fahrzeugtechnik das Instrument der „Qualitätskontrolle“ einführen kann. Nach unseren aktuellen Erfahrungen wäre für die Politik analog zum Pflege-Qualitätssicherungsgesetz im Pflegebereich ein Politik-Qualitätsgesetz notwendig. Dr. Walter Gränzer
Attenkirchen

Ebenso wie seinerzeit Gaius J. Cäsar hat Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras seine Chance erkannt, nämlich: „Die Lage meiner Gläubiger ist hoffnungslos!“ Es geht hier nicht um Humanität, Hilfe für Griechenland oder Schuldenbegleichung sondern lediglich darum, europaweit die Gläubiger zu retten. Mir scheint es, als ob die Gläubiger die Griechen geradezu beknien, nochmals Geld versenken zu dürfen.
Renate Mayer
Lenggries

Ich finde es sehr bedauerlich, dass jetzt von allen Seiten auf Griechenland „herumgehackt“ wird. Das haben die Griechen, ein sehr schönes Land, sehr freundliche und hilfsbereite Menschen, nicht verdient. Voll und ganz stimme ich auch dem Leserbriefschreiber Michael Maier zu, der anscheinend mehr Verstand hat als alle Politiker und Finanzjongleure. Man kann doch von einer neuen Regierung nicht erwarten, dass sie in fünf Monaten ausbügelt, was die anderen Regierungen verbockt haben und das mit Unterstützung der EU! Die Vorgänger-Regierung musste auf Druck der EU sogar einen Vertrag mit den USA unterzeichnen für die Beschaffung von Militärausrüstung. Die EU hat panische Angst vor Linksregierungen, denn dann müsste ja vielleicht auch einmal das „dumme“ Volk befragt werden. Griechenland aus der EU zu entfernen, fände ich eine Schande für Europa, da möchte ich auch kein Europäer mehr sein. Warum hat es die EU in den vergangenen fünf Jahren nicht geschafft, an die griechischen Milliardäre zu kommen? Warum bezahlen sie ihre Steuern nicht? Diese Milliarden wurden natürlich schon vor langer Zeit nach England oder in die Schweiz geschafft. Armes Griechenland!
Etelka Krämer
Unterföhring

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