Gutmensch und guter Mensch

„Gutmensch“ – Unwort des Jahres 2015! Der Mensch, der sich um Verwundete, Verletzte (Istanbul) oder um Menschen auf der Flucht kümmert, wird als naiv, weltfremd und dumm bezeichnet. Ist ein guter Mensch wirklich ein dummer Mensch? Ist er weltfremd? Wenn Jesus in der Bibel vom Weltgericht spricht, betont er: „Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich beherbergt.“ Der gute Mensch erfährt von Jesus höchste Wertschätzung. Zum christlichen Glauben gehört der Mut, die Wunden und Verwundeten unserer Schöpfung wahrzunehmen und sie mit dem Glauben zu berühren. Denn wir begegnen Gott überall dort, wo die Menschen leiden, durch Attentate ihr Leben verlieren oder, um ihr Leben zu retten, flüchten müssen. Und wenn jemand Christus nicht im traditionellen kirchlichen Umfeld finden kann, ist für ihn doch immer die Möglichkeit gegeben, ihm in den offenen Wunden unserer Zeit zu begegnen. In Istanbul sterben Menschen, viel sind verwundet; der Terror zeigt erneut sein brutales Gesicht. Ich bewundere die guten Menschen, wahrscheinlich keine Christen, die vor Ort alles einsetzen, um Menschenleben zu retten, zu stärken und zu trösten. Nein, der gute Mensch ist nicht weltfremd und naiv, er ist mutig und vorbildlich. Die guten helfenden Menschen in der Türkei sind im Glauben von uns getrennt, aber nicht in der Liebe! Jede Trennung ist auch eine Verbindung!

Pater Dr. Peter Boekholt SDB, Benediktbeuern

Was einen „Gutmenschen“ ausmacht und ob diese Wahl berechtigt ist, erläutern uns die Feuilletons in mehr oder weniger Weitschweifigkeit. In die Schar derer, die in langen Abhandlungen die Deutungshoheit für sich beanspruchen, möchte ich mich nicht einreihen, denn es lässt sich in aller Kürze so ausdrücken: Es besteht ein deutlicher Unterschied zwischen einem „Gutmenschen“ und einem „guten Menschen“.

Marlen Zimniok Ebersberg

Der Unterschied zwischen einem „guten Mensch“ und dem „Gutmensch“: Der gute Mensch tut gute Werke auf eigene Rechnung. Der Gutmensch beruhigt sein Gewissen, indem er anderen die guten Werke aufzwingt, momentan vornehmlich dem deutschen Steuerzahler, auch wenn dieser zum „Pack“ zählen sollte. In Extension versucht dies der gutmenschliche deutsche Politiker, indem er auch andere europäische Völker mit „Menschen beschenken“ (Göring-Eckardt) möchte. Schließlich hat der Gutmensch die Moral für sich gepachtet und kann daher bestimmen, was für andere richtig ist und was gut und böse. Weit vorausschauende Verantwortung für die nachfolgenden Generationen des eigenen Volks ist nicht seine Priorität, bei manchen zeigt sich sogar Hass auf das eigene Volk. Aus erhabener Höhe herab kann dieser Moralapostel daher den Nepotismus jener Dunkeldeutschen verurteilen, die Nächstenliebe statt Fernstenliebe für völlig natürlich halten. Mein Favorit für das Unwort des Jahres ist dagegen „Flüchtlinge“. Es handelt sich um die größte Nebelkerze, die wie auf Knopfdruck die Medien gemeinsam gezündet haben. Nach Jahrzehnten waren alle „Asylbewerber“ 2015 plötzlich „Flüchtlinge“. Der Begriff sollte a priori fixieren, dass alle Immigranten Verfolgte wären, die Anspruch auf ein Bleiberecht in Deutschland hätten. Dies in die Köpfe der Leute einsickern zu lassen ist gelungen, denn selbst asylkritische Gesprächspartner verwenden den Begriff. Dass alle zahlreiche sichere Drittstaaten durchquert hatten, wurde bewusst ausgeblendet. Da die empathisierende Wirkung nachlässt, geht die Tendenz zum „Schutzsuchenden“.

Dr. Max Breitschaft München

Kein Platz mehr für einen „Gutmenschen“ in der heutigen Gesellschaft? Armes von christlichen Werten geprägtes und getragenes Abendland! Wenn heute in der einst so gepriesenen und als Vorbild für fast die übrige Welt geltenden abendländischen Kulturwelt - weil menschliche Werte noch hochgehalten wurden und etwas galten! - Bereits Halbgebildete (weil zweite Hälfte der Persönlichkeitsbildung, sprich: Herzensbildung zum ganzen Menschenbild fehlt!), bestimmen, was an „menschlichen“ Werten der heutigen Gesellschaft zu Gesichte steht und gewissermaßen aufoktroyiert werden soll, durch so sinnlose und zeitverschwendende (bestimmt auch Geld) Umfragen, so ist das einfach nur ein Armutszeugnis für uns alle! Für diese auf halber Stufe der Menschlichkeitsbildung stehengebliebenen, ja gewissermaßen rettungslos Verlorenen (was eine vollwertige Bildung anbelangt), kann man nur Mitgefühl haben und Mitleid zeigen! Für sie findet das ABC der Menschlichkeits- und Herzensbildung vorwiegend in der zweiten Hälfte statt, als da wäre: M wie Materialismus; R wie Rücksichtslosigkeit, Respektlosigkeit, Rache etc. Dass es auch eine mit vorwiegend positiv, sprich menschlichen Werten besetzte erste Hälfte dieses Grundwerte-Alphabets gibt, dass kennen sie nicht mehr, haben es bedauerlicherweise vielleicht auch nie kennengelernt von Kind auf - oder haben es einfach beiseitegeschoben auf der Jagd und dem Tanz um das sogenannte Goldene Kalb – sprich: materielle Vorteile im Leben. Es bleibt ihnen vorbehalten, so etwas zu tun und daran ihre Grundwerte für ihr Leben festzumachen. Aber bitte nicht die Dreistheit besitzen, der Gesellschaft mit ihrer Halbbildung einzureden oder klar zu machen, dass diese naiv oder gar dumm ist, wenn sie - zum größten Teil selbstlos handelt, ehrenhalber und umsonst (also ohne Ausnützung des heute scheinbar in großen Teilen der Gesellschaft nur noch zahlenden materiellen Vorteils, sprich: Geld!) - die Menschen an Rande der Gesellschaft, wie Notleidende, Behinderte, Kriegs-Flüchtlinge, Armuts-Flüchtlinge, unheilbar Kranke usw., auch noch mitkommen lässt, als die Gesellschaft erst vollständig machende Gruppe von Menschen! Von dem allseits gültigen geflügelten Wort: „Auch das schwächste Glied gehört zur Kette“ macht es erst vollständig, haben diese ja so sich im modernen Werte-Kodex sicher und überlegen fühlenden Halbgebildeten noch nie etwas gehört – sonst würden sie sich über unverzichtbare Werte des Menschen und dessen Taten in der Gesellschaft, in der sie leben und aufopferungsvoll Gutes tun, wo Hilfe benötigt wird, nicht so abfällig und abwertend äußern.

Max Westermair Weichs bei Dachau

Dirk Walter: „Eines von vielen Unwörtern“; Kommentar „,Gutmensch‘ ist Unwort des Jahres“; Weltspiegel 13. Januar 

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