Kniefall vor der Gymnasiallobby

Til Huber: Lang und qualvoll; Kommentar, Christoph Trost und Dominik Göttler: G8 oder G9: Seehofer will freie Wahl; Bayern 9. Januar

Dass im Vorfeld bevor stehender Wahlen ein politischer Kniefall vor der Gymnasiallobby kommen wird, war zu erwarten. Obwohl ein Volksbegehren für die Wiedereinführung eines G 9 deutlich gescheitert ist, scheinen privilegierte Gruppen nun doch zu erreichen, dass es Wahlrecht zwischen ein acht- und neunjähriges Gymnasium geben wird. In keiner anderen Schulart gibt es solche kostspielige Sonderrechte. Will man so noch mehr junge Leute, auch wenn es oft nur um ein Prestigegehabe geht, zu solchen Schulen locken, die inzwischen aufgrund ihres Sonderstatus in die Rubrik Sonderschulen gehören müßten. Nach den aufwendigen Sonderangeboten einer Mittelstufe plus, die doch nicht so zufriedenstellend funktionierten, scheint man wohl dem hintergründigen Drängen des einflureichen Gymnasiallehrerverbandes nachzugeben. Wenn immer wieder von Zeitdruck geredet wird, muss man sich fragen, warum auch beim G8 die Abiturprüfungen schom immer Ende April beginnen und man es immer noch nicht fertig bringt,den Unterricht von einer meist unnötigen Stofflastigkeit zu befreien. Wenn so viel von Stoff die Rede ist, ist man geneigt, eher an Dealer- als an Bildungsanstalten zu denken. Erfolgreiche Bildungsländer haben bei kürzeren Zeiten bessere Ergebnisse. In Finnland als Beispiel beginnen Gymnasien erst nach einer 8 jährigen Gemeinschaftsschule, wo es durch weniger Ausgrenzung und Sonderrechte beste Ergebnisse gibt. Reformen in diese Richtung wären viel weniger kostenintensiv, stressig und krankmachend. Es grenzt an Verbrechen, wenn schon nach der 4. Grundschulklasse aufgrund bestimmter Notenschnitte, die sich einseitig auf kopflastige Fächer beschränken, aus- und abgegrenzt wird. Angesichts des Fachkräftemangels sollten Politiker einen prestigeträchtigen Run auf Gymnasien nicht noch zusätzlich unterstützen und sich die Frage stellen, wofür wir als inzwischen kinderarmes Land immer noch unnötige Gelder in diese privilegierte Schulart stecken. Will man vieleicht auch deswegen wieder ein G9 einführen, weil wir bald zu viele Gymnasien und zu viele gymnasiale Lehrkräfte haben werden? Ärgerlich, wenn so Steuergelder verschwendet werden, die in praktisch orientierten Schulen und Berufen fehlen, wo offensichtlich tatsächliche Notstände bestehen. 

Simon Kirschner Gaimersheim

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