Eine Watschn für alle Betroffenen

Christian Deutschländer: „Keine Hektik bei der Startbahn“, Interview mit Horst Seehofer; Politik 17. JuliWolfgang Hauskrecht: Geht doch!; Kommentar, Klaus Vick: Seehofer unterstützt Garten-Tram; München 15./16. Juli

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Arroganz Herr Finanzminister Söder eine vernünftige Lösung für eine Trambahn im Englischen Garten ablehnt. Zuerst antwortet er nicht auf einen Brief des Oberbürgermeisters und gibt, darauf angesprochen, eine flapsige Antwort (warum ruft er nicht an) und lehnt schließlich alle von Fachleuten erarbeiteten Vorschläge ab, teils mit der Begründung, dass ein kombinierter Verkehr (Tram, Radfahrer, Fußgänger) zu gefährlich sei. Dieser kombinierte Verkehr wird an dutzenden Stellen in München unfallfrei praktiziert. Statt dessen fahren stinkende Busse durch den Englischen Garten. Aber auch andere Unions-Politiker aus Landtag und Stadtrat lehnen die Tram ab. Jede vernünftige Verbesserung zur Entlastung des ohnehin chronisch überlasteten Münchner öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ist begrüßenswert. Offensichtlich ist dies diesem Personenkreis nicht bekannt oder aber man agiert aus parteipolitischen Gründen. Eine Watschn für alle Betroffenen! Zum Glück spricht der Ministerpräsident jetzt ein Machtwort. Unter dieser Voraussetzung kann man nur hoffen, dass Herr Söder in absehbarer Zeit nicht bayrischer Ministerpräsident wird. 

Norbert Wassermann Lohhof

Wir wohnen nun über zweieinhalb Jahre im schönen München. Wir dachten immer, in total unsinnigen Geldausgaben ist Nordrhein-Westfalen die Messlatte. Aber wie hier teilweise das Geld aus dem Fenster geworfen wird, übertrifft wohl alles vorstellbar. Erst die überflüssige Zusammenführung des Süd- und Nordteils des Englischen Gartens und jetzt muss statt Bus eine Trambahnlinie her. Kann es sein, dass die Politiker (außer Söder) überhaupt nicht mehr wissen, was den Bürgern auch in München fehlt und was an der Basis für Probleme gerade im finanziellen Bereich vorhanden sind? Senioren wissen nicht, wie sie den Monat finanziell bestreiten sollen, geschweige ihre Miete zählen können. Ich bin fassungslos über Reiter, Seehofer und & Co. Mit gutem Grund traut sich keiner an eine Bürgerbefragung. Es interessiert sich keiner mehr für Bürgermeinungen. 

Herbert Mainka München

Nun geht also das Heck-Meck um die Garten-Tram i n die nächste Runde, als ob es nicht wichtigere Verkehrsprobleme gibt. Jede Verbesserung des ÖPNV ist zu begrüßen. Aber wenn eine Tangente zwischen Bogenhausen und Schwabing/Neuhausen so wichtig ist, hätte man schon längst den Bus 54 von der Giselastraße durch die Franz-Joseph-Straße zum Elisabethplatz/Hohenzollernplatz fahren lassen können. Vor Kurzem wurde die Buslinie 150 eingerichtet, in eine Anbindung der Büros und Universitäts-Institute am Tucherpark zum Hauptbahnhof zu schaffen und damit die Umsteigesituation in der Innenstadt zu entlasten. Davon ist jetzt keine Rede mehr – man darf leider an der Giselastraße und am Odeons- oder Marienplatz umsteigen. Ähnlich ist die Situation beim 145er – die direkte Verbindung Bogenhausen – Universität – Maxvorstadt entfällt. Wieder darf in der ohnehin überlasteten U-Bahnstation Giselastraße (nur eine Rolltreppe) umgestiegen werden. Entlastung? Entzerrung? Das Bild von der Tram im Englischen Garten täuscht. Da fahren die Radler auf ihrem schmalen Streifen brav hintereinander. Bin gespannt, wann es den ersten Unfall zwischen Tram und einem Radfahrer gibt, der auf die Tram-Trasse ausweicht. Und ohne Straße kommt man auch nicht aus: für Park-Bewirtschaftung, Polizei und Rettungsdienste. 

Dr. Christoph Peters München

Wer den politischen Werdegang des Herrn Seehofer verfolgt hat ist über seine Aussagen nicht überrascht. Seine konfusen, selbstherrlichen und nur selten nachvollziehbaren Erklärungen scheinen offensichtlich nur einen Sinn zu haben, den ihm augenscheinlich intellektuell hoch überlegenen Minister Dr. Söder und Dr. Spaenle zu düpieren. So war es bei seiner Meinung zu 3. Startbahn MUC und nun zur Tram durch den Englischen Garten. Es ist für mich unverständlich, wie sich diese Art und Weise der politischen Führung über eine längere Zeit in einer demokratisch gewählten Regierung behaupten kann. So erklärt er im Bezug auf die Tram durch den Englischen Garten im Interview : Bislang konnte mir niemand etwas sagen, was entscheidend entgegenstünde. Dies ist wieder ein Indiz dafür, dass man ihm alles sagen muß und er scheinbar nicht in der Lage eine längere Diskussion über das Für und Wider zu verfolgen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Es gibt unzählige Gründe die, für aber auch gegen eine Tramtrasse durch den Englischen Garten sprechen. Selbst wenn sie ausgewogen erscheinen, gibt es noch offene Fragen zur Sicherheit des Verkehrsweges. Der Bau einer Tram durch eine Gartenanlage mit den vielen Möglichkeiten des Querens der Trasse durch Fußgänger, Radfahrer, Reiter, Hunde etc. wird eine Herausforderung bleiben. Unklar sind vor allem die Sicherheitsauflagen die beim Bau eines schienengebundenen Systems erfüllt werden müssen. Durch das hohe Gewicht der Tram und damit längere Bremswege werden einige sicherheitsrelevante Absicherungen notwendig werden. Gesicherte Übergänge, eingezäunte Gleiskörper etc.? Will man das wirklich? 

Walter Rößeler München

Eine direkte Verbindung der nordwestlichen Stadtteile Münchens mit den nordöstlichen hätte sicher Sinn. Aber der Preis ist doch hoch, höher als der Durchschnittsbürger meint. Es geht nicht nur um eine Oberleitung, die mit den Baumkronen in Konflikt käme, sondern vor allem um den Gleiskörper, also um Erdbaumaßnahmen, Außerdem müssen zumindest die Bäume in der scharfen Kurve im Nordwesten der Passage gefällt werden. Ob die Trasse der alten Mac-Adam-Fahrbahn für die Tram breit genug ist? Zumindest bei den Tiefbauarbeiten für das Gleisbett sind Schädigungen der begleitenden Bäume vor allem im Wurzelbereich zu erwarten. Die leichte Schlangenkurve der Trasse führt bei Schienenfahrzeugen zu erhöhter Geräuscherzeugung. Ein wesentlicher Unterschied zwischen Tram und Bus besteht in bodenmechanischer Hinsicht. Im Gegensatz zum Bus fährt ein Schienenfahrzeug Stahl auf Stahl und überträgt so alle Schwingungen, nicht nur Geräusche, auf die Schwellen und in den Boden. Hartgummipolster dämpfen nicht alles. Und es gibt Lebewesen, die auf Erschütterungen deutlich empfindlicher reagieren als Menschen. Das vorgeschlagene Rasengleis dürfte daran scheitern, dass Polizei und Notdienste auf diese kurze, kaum störungsanfällige Stadtteilverbindung kaum verzichten wollen (und können). Ganz abgesehen davon, dass die Auffüllung zwar die oberirdischen Geräusche dämmt, die Schwingungen im Erdreich aber wohl eher verstärkt. Das ist keine elektronische Spielzeugeisenbahn. Hinsichtlich eines Akku-Betriebs gibt es auch Vorbehalte: Zum einen wird mehr Strom benötigt und die Stromerzeugung nur verlagert. Zum andern werden zur Akku-Erzeugung wertvolle Ressourcen ausgebeutet – einschließlich Energie. Und Akkus sind kurzlebig.

 Franz Leicher Taufkirchen

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