Debatte um Seehofers Nachfolge

Mike Schier: „Die Debatte schadet der Partei“, Interview mit Barbara Stamm; Politik, Unerträgliches Polit-Kasperltheater; Leserforum 7. November, Söder lobt Attacke auf Seehofer; Titelseite, Dies ist definitiv der dümmste Zeitpunkt von allen; Leserforum 6. November

Ich bin zwar selbst kein CSU-Wähler aber allen Söder-Jüngern, die sich Herrn Söder als Nachfolger für Ministerpräsident Seehofer wünschen, sei als Lektüre das empfohlen, was das Internet zum Verkauf der GBW an Patrizia hergibt. Herr Söder hat im Jahr 2013 30 000 (Sozial-)Wohnungen an die wohl äußerst problematisch handelnde Immobilienfirma Patrizia verkauft. Damit wurden nicht nur die Mieter zum Freiwild für Mieterhöhungen (natürlich nur nach entsprechender Renovierung – alles rechtens!), sondern möglicherweise auch noch einige Millionen Steuern am Fiskus vorbeigeschleust (natürlich auch alles rechtens). Ein Finanzminister, der solche Deals verantwortet wird bestimmt ein guter Ministerpräsident im Sinne der christlichen und sozialen Werte, die seine Partei im Namen trägt.

 Horst Nordmann Starnberg

Bis vor Kurzem habe ich mir immer gedacht, wie kann der Ministerpräsident nur so mit seinem Finanz- und Heimatminister umgehen. ich habe es auch für falsch gehalten, dass er ihn nicht zu den Jamaika-Verhandlungen mitgenommen und ihn auch sonst links liegen gelassen hat. Ich muss jetzt abbitte leisten, Herr Seehofer hat doch die bessere Menschenkenntnis. So wie sich Söder falsch und wie sagt man in Bayern hinterfotzig bei der JU und auch bei der Tölzer Leonhardifahrt benommen hat ist eine Schande. Wenn der und andere CSU-Größen z.B. dieser Herr Schmidt in München, der sich ja auch nur durch einen Handstreich zum Landtagskandidaten gekürt und den jetzigen Abgeordneten ohne jegliche Absprache überrumpelt hat. Der JU-Vorsitzende Reichhard, der in der Landtagsfraktion für stillhalten in Sachen Personaldebatte gestimmt hat und dann seinen Verband nach vorheriger Absprache mit Söder, denn die vorgedruckten Söder- Plakate konnte man nicht so schnell drucken, gegen den Ministerpräsidenten abstimmen ließ. Dieser Kleingeist, der in freier Rede keinen klaren Satz formulieren kann, sollte erst mal an sich arbeiten bevor er über Menschen urteilt in ihrem Leben schon so viel geleistet haben wie Herr Seehofer. Da kann er 100 Jahre alt werden dann wir er das nicht schaffen. Die CSU sollte froh sein, dass sie solche Frauen hat wie Frau Aigner oder Stamm haben, die würden Bayern nach innen und außen sehr gut vertreten, um mit den Worten der JU zu sprechen, im Team aber erst nach anständig und würdevoll durchgeführten Übergang einen Nachfolger/eine Nachfolgerin. Wenn die Söders, Reichhards und Schmids so weiter machen und sich die Parteibasis nicht bald erhebt und dagegen hält, dann wird die Partei über kurz oder lang den Weg der SPD gehen und gerade mal 20 % bei Wahlen erreichen. Franz Josef Strauss wenn das wüste der würde sich im Grabe umdrehen. Der konnte auch Intrigen schmieden, aber es hat fast niemand gemerkt. 

Michael Isemann München

Die beiden Leser Frau Ursula Sabathil und Herr Gerhard Bletschacher haben uneingeschränkt Recht. Ich kann Ihnen nur zustimmen, insbesondere über den dadurch zwar nicht gewollten, aber de facto trotzdem eintretenden- Zulauf bei der AfD. Was diese unverantwortlichen Springginkerl der Jungen Union zum gegenwärtigen Zeitpunkt abziehen, ist reine Profilierung und weder politisch-seriös bzw. noch politisch gut durchdacht. Es ist einfach nur eine primitive „Kopf durch die Wand“-Trotz-Reaktion, wie bei pubertierenden Kindern. Die klaren Folgen solch unverständlichen Verhaltens liegen doch auf der Hand (offenbar aber ist die JU derzeit blind dafür), nämlich ein kapitales Schwächen der CSU-Führung und ein damit einhergehendes Scheitern der Jamaika-Gespräche sowie der schon erwähnte Zulauf bei der AfD. Deshalb ist es umso mehr verwunderlich, dass sich Herr Söder, den ich noch bis gestern für einen sehr fähigen politischen Kopf gehalten habe, vor den unreifen Karren diese Jung-Egomanen spannen lässt. Leider beeinflusst er sie nicht dahingehend, zumindest noch die von Seehofer schon länger geforderte Frist (für die dringend anstehende Personaldiskussion, deren Gründe Seehofer ja nicht verkennt) einzuhalten. Dieses Verhalten wird übrigens auch von Frau Barbara Stamm und Herrn Joachim Herrmann so befürwortet und unterstützt. Wir können – in unser aller Interesse – nur hoffen, dass die JU baldmöglichst wieder klar sieht. 

Reinfried Beer Berg

Man kann es drehen und wenden wie man will, Horst Seehofer ist unverkennbar ein Auslaufmodell, das sich einfach nicht mehr verkauft. Da er es selber noch nicht wahrhaben will und an seinem Posten als Parteivorsitzender der einst in Bayern so überlegenen CSU wie seltsam festgetackert wirkt, müssen andere wie die Junge Union und halt die Alternative Markus Söder notgedrungen umso deutlicher werden, damit Pattex-Horst endlich wahrnimmt, dass seine Ära nun endgültig zu Ende ist. 

Thomas Prohn Erding 

Dass Söder ausgerechnet die JU-Landesversammlung missbrauchte, um wieder einmal Seehofer zu attackieren, ist unverschämt. Langsam kommt er aus der Deckung, wo er sich lange hinterfotzig versteckt hat. Ausgerechnet die Jugend, die eigentlich die Zukunft der Partei sein sollte, vor seinen machtpolitischen Karren zu spannen, entbehrt jeglicher Polit-Kultur. Dass Seehofer längst angezählt ist und seinen Posten als Ministerpräsident und Parteivorsitzender zu räumen hat, wird ihm wohl selbst langsam dämmern. Aber nicht auf so billige Art und Weise, wie es Söder betreibt. Bravo, Herr Söder, wieder ein Grund mehr, die CSU nicht mehr zu wählen! 

Josef Bodmeier Aßling

„Die Debatte um die Nachfolge Horst Seehofers schadet der Partei“, sagt Barbara Stamm. Unsinn, sie schadet nur Horst Seehofer. Und wer ihn plötzlich alles vom Spielfeld haben will. Die Junge Union, Markus Söder, ganz zu schweigen von Erwin Huber dem Intimfeind und ein paar weiteren Maulhelden in der CSU, die vorher gerne Speichel geleckt haben und nun plötzlich zu spucken beginnen. Horst Seehofer war sicherlich nicht der geschickteste Ministerpräsident, viele seiner Aussprüche, über Charaktereigenschaften seiner Parte–Freunde, lagen eindeutig unter der Gürtellinie. Aber ihn deswegen vom Thron zu fegen, das geht schon deswegen nicht, weil der Nachfolger keinen Deut besser ist. Im Gegenteil, die offensichtliche Charakterschwäche, auf den eh schon arg gebeutelten Ministerpräsidenten mit einer geradezu hämischen Lust einzusticheln, ist mehr als schäbig. Es gibt im Moment außer der von Söder zur Softie gekneteten Aigner, sowie dem ständig um gute Worte ringenden, möglichst nicht aneckenden Joachim Herrmann, keinen, der das Amt des Ministerpräsidenten ausfüllen könnte. Die Partei–Freunde wären gut beraten mit dem goscheln aufzuhören und einem Horst Seehofer eine zweite Chance einzuräumen. 

Richard Birk Freising

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