Leserbrief

Zu viel Ludwig Thoma gelesen

Kathrin Braun:„Wir spucken uns nicht in die Suppe“, Interview mit Hubert Aiwanger Bayerns Wirtschaftsminister;Politik 19./20. Oktober

Aiwanger und das Tragen von Messern: Hubert Aiwanger, stellvertretender Ministerpräsident in Bayern ist überzeugt: Wenn jede anständige Frau und jeder anständige Mann ein Messer mit sich führen würde, so wäre Bayern sicherer. Ich bin mir sicher, er hat wohl zu viel Ludwig Thoma gelesen. Der schrieb nämlich 1897 in der Satire „Agricola“: „Waffen hat dieses Volk vielerlei; doch wird auch hierin mehr auf Tauglichkeit als auf Schönheit gesehen. Sehr verbreitet ist die kurze Stoßwaffe, welche jeder Mannbare in einer Falte der Kleidung trägt; ihr Gebrauch ist aber nicht freigegeben, vielmehr sucht die herrschende Obrigkeit in den Besitz derselben zu gelangen. In diesem Falle ersetzt sie der Volksgenosse stets durch eine neue.“

Aiwanger hat nie kapiert, dass Thoma zwei Gesichter hat. Hinter seinen echt witzigen Stücken verbirgt er seinen Hang zur Gewalt. Nachzulesen im Miesbacher Anzeiger, wo er als furchtbarer Kriegstreibern und Antisemit wirkte. Aiwanger ähnelt aber auch Donald Trump, der jedem eine Schusswaffe wünscht, denn dann wären die USA seiner Meinung nach sicherer. Tja, wo sind wir hingeraten, wenn solche Ansichten von der Mehrheit der Wähler unterstützt werden? Ich muss derzeit hilfesuchend einen der großen Dichter Friedrich Schiller zitieren: „Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergeblich.“

Klaus Zieglmeier

Fürstenfeldbruck

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