Unnötig angezettelte Islam-Diskussion

Merkel im Verteidigungsmodus; Politik 22. März

Die von Herrn Seehofer völlig unnötig angezettelte Diskussion, ob der Islam zu Deutschland gehöre oder nicht, wird durch Wiederholung durch Herrn Dobrindt nicht besser. Das Grundgesetz dürfte für alle Menschen, die in Deutschland leben, verbindlich sein. Der persönliche Glaube oder Unglaube spielt dabei keine Rolle. Wer damit Probleme hat, der muss unser Land verlassen. Manche werden auch kriminell. Vor diesem Hintergrund ist die Aussage von Herrn Seehofer nicht nur überflüssig, sondern in höchstem Maße polemisch und irreführend. Gott behüte uns vor weiterem Schmarrn dieser Art. 

Helge Ellerbrock Murnau

Einen Islam ohne das islamische Gesellschaftssystem, in dem keine Volksvertretung, sondern nur Allah der höchste Gesetzgeber ist, gibt es nicht. Einen Islam ohne das islamische Rechtssystem, die Scharia, gibt es genauso wenig. Beide bilden mit der Religion eine untrennbare Einheit, ganz unabhängig von den unterschiedlichen Erscheinungsformen dieser Weltreligion. Wenn nun unsere Kanzlerin glaubt, in ihrer Regierungserklärung erneut darauf hinweisen zu müssen, dass der Islam inzwischen ein Teil Deutschlands geworden ist, so kann das nicht als eine Tatsachenbehauptung, sondern nur als ein Gefühlsappell zur Förderung der Integration gemeint sein. Ob dies in der Diskussion hilft, ist höchst zweifelhaft. Anstatt sich den wirklich schwer lösbaren Fragen über Rolle und Aufgaben dieses Islam in unserer Gesellschaft ernsthaft zu widmen, hat sie erneut versucht, mit einer Basta-Lösung die Probleme vom Tisch zu wischen. Sie hat, anstatt Wogen zu glätten, einmal mehr Öl ins Feuer gegossen. Das war nicht nur unnötig, sondern auch pflichtwidrig. 

Germut Bielitz Grainau

Die Bundeskanzlerin wiederholt ihre Aussage, dass „der Islam inzwischen ein Teil Deutschlands geworden ist“. Die moslemische Bevölkerung ist inzwischen ein Teil Deutschlands geworden, aber doch wohl nicht deren Glauben (mit allen Facetten) und Ideologie. Deutschland und Europa sind immer noch christlich-abendländisch geprägt. Der Hinduismus ist die drittgrößte Religion der Welt. Allein in Deutschland leben über 100 000 Hindus, in ganz Deutschland sind deren Tempel verteilt. Die Hindus sind ein Teil Deutschlands, aber sicherlich nicht der Hinduismus! Würde das ernsthaft jemand bestreiten und behaupten, der Hinduismus wäre ein Teil Deutschlands und Europas? Toleranz ja, freie Ausübung einer friedlichen Religion ja, aber auch mehr selbstbewusstes Eintreten unserer christlichen Kirchen für unsere Werte, wäre mehr als wünschenswert und angebracht. 

Hannelore Hartmann Starnberg

Als ein durchaus aktives – bzw. noch aktives – Mitglied der CSU stellt sich mir die offene Frage, was unter anderem unseren Bundesinnenminister dazu bewegt, eine Islamdebatte zu entfachen, die wenig Mehrwert bringend pauschalisiert und polarisiert. Ist es die Fortführung dieser unsäglich nervenden Diskussion seit dem Parteitag 2015? Befindet er sich bereits im Wahlkampfmodus im Hinblick auf die anstehenden Landtagswahlen? Dann hat er sich einen schlechten Wahlkampfstrategen auserkoren. Entspricht es überhaupt der Etikette eines Bundesinnenministers, sich in diesem Stil nach einer erst vor wenigen Tagen eingegangen Koalition zu äußern? Von der Sache her mag er vielleicht sogar Recht behalten: Das Christentum hat weite Teile Europas über viele Jahrhunderte hinweg tatsächlich geprägt. Doch war dieses Christentum selbst in Deutschland und Bayern tatsächlich so human und fromm, wie es von ihm suggeriert wird? Zog man nicht aus, um die Werte des Christentums mitunter in fragwürdiger wie blutigster Weise in die Welt zu exportieren? Wird Gleiches damit aktuell nicht indirekt und immer wieder den Anhängern des Islam unreflektiert wie verallgemeinernd unterstellt? Werden damit nicht Muslime, die ihren Glauben aufrichtig leben wollen, mit gewaltbereiten, demagogischen Salafisten oder unkalkulierbaren islamistischen Gefährdern auf eine Ebene gehievt? Gelebtes Christentum bedeutet für mich, den anderen zu respektieren und die zehn Gebote im täglichen Leben nach besten Wissen und Gewissen zu beachten. Hierzu braucht es weder den sonntäglichen Messbesuch noch den Osterhasen als ein christlich kulturelles Erbe, wenn im gleichen Augenblick Mitmenschen mit einem anderen „außereuropäischen“ Glauben implizit als weniger wert dargestellt werden. Gleichzeitig dürfen aber zig Millionen Muslime fernab der deutschen Heimat ausgenützt werden, wenn die Vorzüge der Globalisierung unter menschenunwürdigsten Bedingungen für uns produziert werden. Laptop und Lederhose schließen sich einander nicht aus – korrekt. Hierfür braucht es aber ein gewisses liberales Gedankengut. Das scheint aber in manchen Bereichen zur Conservative Society Union mutierenden Partei derzeit mehr und mehr abhandenzukommen. Frei nach dem Motto: Rechenschieber und Lederhose stehen in steter Eintracht. Ist dies dauerhaft das gelebte Selbstverständnis meiner CSU, in der ich vor über 25 Jahren eingetreten bin? 

Wolfgang Mulzer Lenggries

Entscheidend ist doch nicht, ob der Islam mit ca 5 Millionen Anhängern - wie zurecht unsere Kanzlerin bemerkt - inzwischen ein Teil Deutschlands ist oder ob sich die ca. 75 Millionen "Ungläubige" Gedanken machen, ob der Islam zu Deutschland gehört. Was wirklich unser Problem ist, dass sich unsere Regierung um eine längst überfällige, aber unbequeme Entscheidung drückt: Hierzulande werden beide christliche Religionen vom Staat, also mit Steuern, die ja jeder berappen muss, beachtlich unterstützt. Warum also wird der Islam davon ausgenommen? Wäre es nicht längst überfällig, den Islamunterricht (auch in deutscher Sprache) etc. entsprechend zu bezuschussen um ihn damit auf die Basis unseres Grundgesetzes zu stellen auf dass wir so endlich Erdogans entsandte Hassprediger los werden. So könnte doch Integration gelingen. Was darf sich unter dem Deckmantel Religionsfreiheit zum Nachteil unserer Bevölkerung noch alles breit machen? Die derzeitige unsinnige Diskussion fördert doch nur Wasser auf die Mühlen der AfD!

Max Wagner Sonnleiten2 83661 Lenggries

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