Gewaltfreie Kritik muss erlaubt sein

Lorenz von Stackelberg: „Gebetsmühlenhaft“; Kommentar 16. Januar

In der Tat: Die gebetsmühlenhafte Antwort der Muslime, die Terrorakte hätten mit dem Islam nichts zu tun, reicht nicht aus. Allerdings: Für gläubige Muslime ist die Aufgabe, die ihnen Frau Merkel gestellt hat (erklärt, warum radikale islamistische Terroristen ihre Untaten stets mit ihrem Glauben verbinden), schier unlösbar. Zwar liegt der wichtige Beitrag des Islam zum Terrorismus auf der Hand: Im Koran, in den Hadithen, in der Mohammedbiographie gibt es reichlich Material, das radikale Prediger verwenden können, wenn sie aggressive junge Leute, die mit großen persönlichen Problemen belastet sind, zum Dschihad verführen wollen. Aber diesen Zusammenhang des Islams mit dem Terrorismus können und dürfen gläubige Muslime nicht herstellen, denn sie geraten dann in eine furchtbare Zwickmühle. Sie müssten nämlich bestimmte Koranstellen als zeitbedingt, als Ethik des 7. Jahrhunderts relativieren, wo sie doch fest an den Koran als ein für alle Zeiten gültiges, unveränderliches Gotteswort glauben. Sie müssten bestimmte Taten Mohammeds (auch er war ein Kind seiner Zeit, besaß die Mentalität seiner Zeit) als moralisch nicht vertretbar verurteilen, wo es doch zum innersten Kern ihres Glaubens gehört, dass Mohammed in jeder Hinsicht der vollkommenste und beste aller Menschen ist. Und so bleibt ihnen eigentlich nichts anderes übrig, als das zu sagen, was sie bisher gesagt haben: Der Terrorismus hat mit dem Islam nichts zu tun.

Wolfgang Illauer Neusäß-Westheim

Endlich, endlich, Herr von Stackelberg, ‚wagen’ Sie es als Vertreter der freien Presse, die Situation beim Namen zu benennen. In der Ihnen eigenen besonnen und feinen Ausdrucksweise (anders als die grobschlächtigen Pegida-Menschen), aber in der Sache klar und unmissverständlich. Was wohl hat bei Ihnen diese neue Betrachtungsweise veranlasst? Der sich nähernde islamisch geprägte Terror, ‚Muttis’ gestrige salbungsvolle Wort, die Meinungsfreigabe in der Redaktion oder doch die Erkenntnis, dass das gemeine Volk, sprich das deutsche und nicht muslimische Bürgertum mit seine Bedenken bezüglich des Islams Recht haben könnte? Und dass die abgehobenen Gutmenschen mit ihren hohlen Phrasen vielleicht doch etwas daneben liegen? Sind Sie deswegen jetzt ‚Islamhasser’ oder ‚Rechtspopulist’, so wie auch Ihre Redaktion diese Bürger bisher abgestempelt hat? Natürlich nicht - Sie zeichnen lediglich (in der Kürze eines Kommentars) die historische und tatsächliche Wahrheit auf. Und die ist eben sehr ernüchternd. Kennen Sie einen heutigen islamisch geprägten Staat, der auch nur halbwegs unserer humanistisch-demokratischen Gesellschaftsordnung entspricht? Tunesien, Marokko, Indonesien - und der große Rest? Und noch ein ergänzender Gedanke aus meinem persönlichen Erleben: Nicht wir grenzen die rechtschaffenen Muslime aus, ein großer Teil davon – sehr stark abhängig von ihrer nationalen Abstammung – grenzt sich selber aus. Diese leben offenbar sehr bewusst in der Öffentlichkeit ihr Anderssein geradezu aus: Kleidung (Kopftuch, schwarze Verhüllung), Sprache (wenn überhaupt, fragmentarisch deutsch), Verhaltensweisen (männliche Überheblichkeit, weibliche Unterdrückung) passen eben genau nicht zu uns. Die anderen sind nicht ausgegrenzt, meist weiß man gar nicht, dass sie Muslime sind. Und wo und durch wen wird das propagiert - womöglich durch Koranlehre und -auslegung, auch in Deutschland?

 Jürgen Rath Emmering

Es geht um die Frage, „warum sich eine Weltreligion, wenn ihr denn Gewalt und Terror nicht immanent sind, offensichtlich massenhaft pervertieren lässt“. Es geht um die Frage, wer in Bezug auf unterschiedliche Lebensauffassungen ein Urteil fällen darf. Nur eine bestmöglich unabhängige Justiz in einem gewaltengeteilten Rechtsstaat, welcher unterschiedslos gläubige und nicht-gläubige, freie Weltanschauungen respektiert, sollte über Grundrechtsverletzungen entscheiden dürfen. Es geht um den freien Geist, Vernunft und Humanismus mit dem ständigen Streben nach Wahrheit und Aufklärung. Dies funktioniert nur im kritischen, gewaltfreien Dialog innerhalb der, mit und zwischen den Religionen, welchem immer noch folgendes Hauptproblem im Wege steht: Durch die Postulierung unsichtbarer, wissenschaftlich nicht feststellbarer Wirkungen, Mysterien, Wunder und der Inanspruchnahme von Superlativen (allwissend, allmächtig, allgegenwärtig usw.; Unfehlbarkeit, Alleingültigkeitsanspruch) grenzen sich die Religionen von der natürlichen Welt ab, und sind somit bisher systematisch immun gegen kritische Analysen der Vernunft bzw. der Wissenschaften. Um Fortschritte für den Weltfrieden zu erreichen, müssen sich auch die Religionen weiterentwickeln und sich einer kritischen Analyse bewusst stellen. Laut der Glaubensschriften hat Gott Kontakt mit den Menschen aufgenommen und will damit menschliches Verhalten, Handeln, Denken und Fühlen prägen und Wertvorstellungen normativ beeinflussen. Somit müssen auch die Inhalte dieser Glaubensschriften der menschlichen Vernunft zugänglich sein dürfen. Die Unvernunft hat schon oft die Intoleranz nach sich gezogen. Solange Machtsysteme für sich einen Anspruch auf Alleingültigkeit und Unfehlbarkeit erheben, muss jede gewaltfreie Kritik erlaubt sein.

Dr. med. Max Hailmann Egling

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