Naive Deutschtiroler

Julius Müller-Meiningen: Finstere Aussichten; Kommentar 6. November

Die Verfassungsreform in Italien ist gescheitert. Gott sei Dank! Am meisten bin ich von den deutschen Südtiroler enttäuscht. Als einzige Provinz mit Sonderstatuts hat Süd-Tirol mit 67 % ! „Ja“ zur Verfassungsreform gesagt. Das Aostatal, Friaul-Julisch Venetien, Sardinien, Sizilien, sogar Welschtirol: hier hat, mit teilweise deutlicher Mehrheit, dass „Nein“ überwiegt. Glauben diese „Ja“ Sager wirklich, sie hätten von Renzi Sonderprivilegien bekommen? Waren diese „Deutschtiroler“ zu naiv, zu dumm oder haben sie nicht gewußt, um was es da ging. Kennen diese „Ja“ Sager die Geschichte nicht? Italien ist der größte Vertragsbrecher die die deutsche Minderheit seit 100 Jahren nur betrogen und bestohlen hat. Alleine die Autonomie brauchte fast 20 Jahre bis sie umgesetzt wurde, und da mußten noch Heimatbewusste Tiroler in den 60 er Jahren nachhelfen, einige mit den Leben bezahlen, diesen „Vertrag“ durchzusetzen. Die Verfassungsreform hätte den Regionen mit Sonderstatus Einbußen beschert, weil sie dann eine normale italienische Provinz mit Namen „Alto Adige“ ( = übersetzt Südtirol ) geworden wäre. Unverständlich war und bleibt die Position von Landeshauptmann Kompatscher und seinen Adlatus SVP Obmann Achhammer, beide italophil, und seiner SVP gegenüber Rom. Die wären doch gegenüber Südtirol verpflichtet nicht Rom. Gerade Südtirol, insbesondere deren (ethnisch-territoriale und fiskalische) Autonomie wäre durch die Verfassungsreform entschieden geschwächt, bzw. de facto getilgt worden! Verwunderlich ist ja, dass die Altmandatare der SVP, an der Spitze Altlandeshauptmann Luis Durnwalder die ja mit einen „Nein“ geworben haben, und jahrzehntelange Erfahrung mit der italienischen Südtirol Politik mit sich bringen, nicht gehört wurden. Über die vielgepriesene „Schutzklausel“ auf die sich die SVP aufhängt, um die Autonomie zu sichern ist nur eine Übergangsbestimmung, nicht international abgesichert und kann von Italien jederzeit zurückgenommen werden. Die Südtiroler liefern sich dem römischen Parlament aus und in letzter Konsequenz entscheidet der Verfassungsgerichtshof, der bereits die föderalistische Reform von 2001 zentralistisch ausgelegt hat. Die Südtiroler müssen endlich beginnen, ihren blinden Kadavergehorsam gegenüber der SVP abzulegen. Bei Angriffen auf das Autonomiestatut Hilfe aus Österreich ? Das ist Wunschdenken: der neue Bundespräsident, der linksgrüne abgehalfterte Senior und Atheist van der Bellen wird sich nicht darum scheren, was da geschieht. Er ist überzeugter Europäer, aber wenn das so weiter geht wird er samt seinem Europa den Bach runter schwimmen. Auch hat ein Herr Helmut Tichy Botschafter im Außenministerium aus Wien die Selbstbestimmung schon zerlegt und sie mit der Autonomie gleichgestellt. Die Italiener, die „nichtgeliebten“ Bürger Südtirols haben mit den „Nein“ die löchrige Autonomie für Südtirol vorübergehend sichergestellt. Zu den Südtiroler „Ja“ Sager kann ich nur sagen: Die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber“. 

Hermann Unterkircher Garmisch-Partenkirchen

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