Buchstabenreligion ist Vergangenheit

Ingo-Michael Feth: Kommunion-Streit erreicht den Vatikan; Politik 4. Mai

Katholische Eucharistie und evangelisches Abendmahl: Der Dissens innerhalb der deutschen Bischofskonferenz über die Teilnahme der evangelischen Ehepartner an der Eucharistie hat historisch tiefe und brisante Wurzeln. Es geht in der Substanz des Kommunionverständnisses um die Begriffsinhalte der Realität oder Symbolik der Opfergaben von Brot und Wein sowie um den Begriff der Transsubstantiation der sakramentalen Darstellungsmittel für Fleisch und Blut Christi und dessen Verbindung mit dem Opfertod des historischen Jesus und der gnadenhaften Lebenshilfe für die Gläubigen durch den bei Gottvater fortlebenden Gottessohn Christus. Dieser Streit war innerkatholisch bereits im 11. Jahrhundert in der Auseinandersetzung mit Bischof Berengar von Tours und im 16. Jahrhundert in der Abwehr der Lehren Martin Luthers mit dessen rein Augustinischer Deutung des Altarssakraments statt der katholischen Thomistischen Auffassung anzutreffen. Die konservative Gruppe der deutschen Bischöfe zieht nun das Problem interkonfessioneller Annäherung zwischen Katholiken und Protestanten auf die komplizierte theologisch-dogmatische Ebene hinüber und meint, dass eine Erlaubnis für den Eucharistieempfang des evangelischen Ehepartners dem katholischen größeren Definitionsbereich nicht gerecht werde. Diese innerkatholische Auseinandersetzung zeigt, wie weit weg das streng traditionelle Lager vom Erfordernis einer doch sehr kleinschrittigen, aber erwünschten und sogar in den Sonntagsmessen erbeteten Einheit der christlichen Konfessionen ist. Zudem offenbart sich ein dürres Verständnis von Toleranz. Das Gestatten gemeinsamen Kommunionempfangs innerhalb gemischtkonfessioneller Ehen ist doch ein Ausdruck für „amoris laetitia“, also einer frohen Liebesbegegnung im religiös-feierlichen Rahmen. Sie ist metaphysich beidseitig durchwirkt und gibt der gnadenhaften Verbindung zwischen zwei Menschen im spirituellen Fühlen und Denken Ausdruck. Die Sakramentalität des katholischen Eheverständnisses spielt sogar mit hinein, nichts wird verflacht. Diese singulären Vorkommnisse stellen situativ berechtigte Verhaltensweisen dar, welche die erhoffte menschliche und übernatürliche Verbindung festigen. Schlimm, wenn heute noch zwischen Eheleuten Hürden aufgebaut bleiben, wo sich Chancen für Bindungsstärke für Diesseits und Jenseits entdecken lassen. Eine viel weitergehende Toleranz ist jetzt sogar zwischen Religionen nötig: Anerkennen des Anderen (sofern selbst tolerant) bei gleichzeitiger Beibehaltung und Vertiefung des vertrauten Eigenen! 

Dr. Friedrich Wambsganz Uffing

Als gläubiger evangelischer Christ würde ich mir von den katholischen Bischöfen die Teilnahme an der Kommunion nicht verbieten lassen. Ich würde selbst entscheiden, ob ich daran teilnehme. Dazu brauche ich als mündiger Christ nicht die Genehmigung der katholischen Bischöfe. Liebe katholische und evangelische Mitchristen, lasst euer christliches Gewissen entscheiden und überlasst die Entscheidung nicht Fundamentalisten! Handelt einfach! Katholiken und Evangelische beten doch zum gleichen Gott. Wie würde Jesus den Streit entscheiden? Er würde den katholischen Würdenträgern wahrscheinlich gehörig die Leviten lesen. Ich selbst bin Katholik und habe bei vielen Besuchen evangelischer Gottesdienste (weil evangelische Pfarrer und Pfarrerinnen ganz einfach besser predigen können und ich deshalb für den Alltag mehr mitnehme) auch am Abendmahl teilgenommen. Haben den Protestbrief die sieben katholischen Bischöfe geschrieben oder wurde er ihnen vom abgesetzten obersten Glaubenswächter Kardinal Ludwig Müller diktiert? 

Alex Bachmaier Dorfen 

Deutsche Bischöfe und Kardinäle streiten sich – für mich – um Nebensächliches. Sie wollen nicht wahrhaben, dass die Gläubigen längst ihren eigenen Weg gehen und ihr Gewissen, die oberste Instanz, entscheiden lassen. Buchstabenreligion ist Vergangenheit. Und noch eine Frage: Wo wären die hohen Würdenträger hergekommen, wenn Gott keine Frau erschaffen hätte? Maria ist die liebliche Blume, an der sich Gottvater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist erfreuen. Die Gegenwart ist das Fundament der Zukunft. 

Ilse Sixt Oberpframmern

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