Die Kirche ist kein Verein

„Gründe für einen Kirchenaustritt“; Leserbriefe 21. Juli, Claudia Möllers: „Schwere Kontakt-Störung“; Kommentar 18./19. Juli

Vermeintliche Gründe aus der Kirche auszutreten gibt es viele: Dem einen ist die Kirche zu streng, dem anderen zu lau, da gefällt der Pfarrer nicht, dort sind zu viele Ehrenamtliche am Werk, die Kirchensteuer mindert das Einkommen, Missbrauchsskandale etc. Aber es gibt für einen getauften Christen keinen einzigen Grund, aus der Kirche auszutreten: Die Kirche ist der einzige feierliche Ort, an dem aus der Bibel vorgelesen wird, an dem von den Verheißungen Gottes für uns Menschen geredet wird, an dem wir in Gemeinschaft mit anderen beten können, an dem die Sakramente empfangen werden können. Die säkulare menschliche Gesellschaft bricht zusammen, wenn ein schweres Unglück (Flugzeugabsturz, Naturkatastrophe) über sie kommt - und dann werden Gottesdienste gefeiert, dann soll Gott helfen. Warum denn nicht überhaupt und vorher bei Gott und in der Kirche bleiben? Beter können viel erreichen.

 Heide Anderka Unterhaching

Die Ursachen der Austritte liegen eigentlich viel, viel tiefer, ohne dass dies den Betreffenden oftmals bewusst ist. Man verwechselt die Kirche mit einem Verein, der nach humanistischen, demokratischen Kriterien unseres Zeitgeistes zu funktionieren hat und verliert dabei den eigentlichen Auftrag aus dem Blickfeld, den uns der Gründer Jesus Christus erteilt hat. Wer den Urknall unreflektiert gegen einen Schöpfergott eintauscht, wer nicht an ein (anderes) Leben nach dem Tode glaubt, wer die Jungfernschaft Mariens (Glaubenssatz auch der evangelischen Kirchen) nicht anerkennt, wer nicht damit rechnet, dass er früher oder später sein Leben vor Jesus Christus (nicht vor Zeus oder Odin) verantworten muss, wer die heilige Kommunion für ein ganzjähriges Weihnachtsplätzchen hält, wer alles was im apostolischen Glaubensbekenntnis verkündet wird, für mittelalterlichen Unfug hält, für den ist es fürwahr kein Problem der katholische Kirche den Rücken zuzukehren. Nur sechzehn Prozent aller deutschen Katholiken glauben nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung an einen persönlichen Gott. Hierin liegt der tiefere Grund für die Kirchenaustritte (neben der Kirchensteuer). Eine Frage sei noch erlaubt. Warum treten die Austrittswilligen nicht in Scharen in die evangelische Kirche ein, in der all dies, was sie von der katholischen einfordern, verwirklich ist. Der deutschen Öffentlichkeit entgeht zugleich die Tatsache, dass die Kirche trotz der Mängel, Fehler und Unzulänglichkeit der Gläubigen, angefangen bei Papst, Bischöfen und Priestern bis hin zu Lieschen Müller und Heiner Schulze, seit Jahren weltweit beständig wächst. Mutter Teresa antwortete anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises einem Journalisten, der fragte was sich an der Kirche ändern müsse lapidar: Sie und ich. In unseren Landen meint man aber wieder einmal: Am deutschen Wesen soll die Welt und Kirche genesen.

Hans Dondl Icking

Sicher gab es in ihr immer wieder Zeiten, in denen die Gläubigen bis in die höchste Hierarchie alles andere als nach den Lehren des Evangeliums lebten. Die Kirche ist kein Verein, keine Partei, keine NGO. Ich trete in sie nicht ein oder aus wegen eines Papstes, eines Bischofs oder sonst einer Person, sondern weil Gott sie begründet hat, weil sie der Ort ist, wo ich Christus begegnen kann und er uns seine Gnadengaben vermittelt. Dabei bedient sich Gott der Menschen, die keineswegs alle Heilige sind. Daher die Runzeln und Entstellungen im Antlitz der Kirche. Doch deren Wesen und Bestand garantiert nicht das „Bodenpersonal“ noch werden die Kräfte der Unterwelt sie zerstören. Denn Garant ist Gott selber.

Dr. Gottfried Noske Wolfratshausen

Ich stimme Ihnen zu, Herr Reichle. Und so allmählich sieht die Welt auch das Altenleid. Pflegebusse, die die Kirchen als Mahnung durch Bayern schicken, als wären sie nicht ein großer Pflegeanbieter, der Missstände nicht gerne öffentlich macht, fördern nicht das Vertrauen in eine Kirche, die sich ja gerade denen verbunden fühlen müsste, die nie, noch nicht und nicht mehr auf sich zeigen können.

Martina Lenzen München

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