Wieder im Vordergrund

Claudia Möllers: Franziskus hat geliefert; Kommentar 9./10. April

Es ist zu begrüßen, dass der Papst persönliche Gewissensentscheidungen bei moraltheologischen Fragen wieder in den Vordergrund rückt und damit bei denen, die stur an kirchenrechtlichen Bestimmungen festhalten, Ärgernisse bereitet. Es gibt schon zu denken, warum eine klerikal besetzte Amtskirche gerade den Geschiedenen immer wieder Lasten auferlegt, die sie selber nicht tragen muss. Hier werden aus einem Zielgebot plötzlich Bibelstellen wie „Was Gott Verbunden hat, soll der Mensch nicht trennen“ aus dem Zusammenhang gerissen und verabsolutiert. Hier verlangt eine klerikal dominante Kirche gleichsam absolut richtige Lebensentscheidungen. Was Jesus hingegen zum Töten, Schwören, Umgang mit Feind, Gesetz, Gewalt und Macht sagt, scheint bei abgehobenen Würdenträgern noch kaum angekommen sein. Ärgerlich ist es, wenn diese Männer in Schwarz und Rot auch noch beanspruchen genau zu wissen, wie und bei wem Jesus in der Kommunion wirken darf. Selbst Jesus hat einen Judas bei seinem Abschiedsmahl, das Grundlage für unsere Kommunionfeiern ist, nicht ausgeschlossen. Offensichtlich gibt es auch einen Zusammenhang zwischen Zölibat und einer römisch- katholischen Morallehre, die vorrangig auf das 6. Gebot (Ehe/Sexualität) fixiert ist. Es ist nachvollziehbar, dass sich bei nicht wenigen Klerikern, die sich einer gesunden Sexualität enthalten müssen oder frauenfeindlich erzogen wurden, ein gewisser Sexualneid entwickelt hat, so dass aus Angst vor zu viel Lust auch die Last stehen muss. Es ist schon merkwürdig , dass weit wichtigere Themen, wie ein gewaltsames Töten in Kriegen oder ein massenhaftes Verhungern von Kindern oder ein achtloser, ja unkeuscher Umgang mit Mutter Erde, vergleichsweise kaum auf der moraltheologischen Tagesordnung romtreuer Bischöfe stehen.

Simon Kirschner Bad Endorf

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