Wo Kinder am besten aufgehoben sind

Es ist erwiesen, dass Kinder in den ersten drei Jahren essenziell die Liebe, Nähe und Zeit ihrer Eltern benötigen, dass Versäumnisse in den ersten drei Lebensjahren später kaum wiedergutzumachen sind und dass bei fast jeder Umfrage ein Großteil der Kinder sich über zu wenig Zeit der Eltern beschwert.

Daher ist es gut und wichtig, wenn der Staat Mütter und Väter bei ihrem Erziehungsengagement durch das Betreuungsgeld finanziell unterstützt und so diese große Leistung wenigstens etwas würdigt. Ist eine „moderne“ Gesellschaft, wo Karriere und Vergnügen im Mittelpunkt stehen, während Kinder in Kinderkrippen und Ältere in Pflegeheimen versorgt/betreut werden, wirklich erstrebenswert? Letztlich ist das Argument des Missbrauchs Unsinn: Erstens gibt es bei jeder Unterstützung eine (kleine) Missbrauchsquote, zweitens schadet, ja zerstört Alkoholmissbrauch wesentlich mehr Familien und niemand käme auf die Idee, Alkohol deshalb zu verbieten!

Peter Rein München

Ich bin Mutter von drei Kindern und erziehe und fördere meine Kinder zuhause bis sie in den Kindergarten kommen. Ich finde es erschreckend, dass ich als Frau mich rechtfertigen muss, wieso ich zuhause bleibe und die Erziehung der Kinder übernehmen möchte. Sollte es nicht meine freie Entscheidung sein, ob ich zuhause bleiben will und kann oder ob ich in die Arbeit gehe? Ich denke schon! Denn für was/wen bekomme ich ein Kind, wenn ich es dann nach einigen Wochen gleich wieder in die Obhut Fremder gebe. Ein Kind sollte kein Prestigeobjekt sein. Wir haben unsere Kinder bekommen, weil wir sie wollten, und nicht für den Staat, damit ich meine Bürgerpflicht erfülle! Man sollte auch nicht so ins Ausland schauen denn nicht alles ist Gold was glänzt. Die Politik sollte die Rahmenbedingungen schaffen, dass es jeder Frau gestattet ist, sich zu entscheiden, was für sie und das Kind am besten ist.

Angelika Bielmeier Egmating

Nicht das Betreuungsgeld ist eine Subvention, sondern die Krippenbetreuung, bei der die Krippengebühren die tatsächlichen Kosten bei Weitem nicht decken. Und warum hier der Seitenhieb gegen gut verdienende Akademikerinnen? Erhält die weniger verdienende Verkäuferin im Einzelhandel denn nicht das gleiche Betreuungsgeld (im Gegensatz zum Elterngeld, wo dem Staat Kinder von reichen Eltern mehr wert sind)? Ist die elterliche Betreuungsleistung etwa keine 150 Euro im Monat wert? In Wahrheit doch wohl deutlich mehr, wie dies zum Beispiel die ÖDP mit ihrem Konzept des Erziehungsgehalts vertritt. Denn genau dadurch, dass die Betreuungsleistung nicht honoriert wird, kommt es ja dazu, dass Eltern, die eigentlich möglichst viel Zeit mit ihren kleinen Kindern verbringen wollen, diese in eine staatlich subventionierte Krippe bringen, da sie sich einen Einkommensausfall einfach nicht leisten können. Der Verweis auf das Berliner Hartz-IV- und Migrantenbiotop ist populistisch und im Zusammenhang mit dem geplanten Betreuungsgeld zudem unzutreffend. So handelt es sich bei dem Betreuungsgeld um eine Leistung, die nach den jetzigen Plänen der Koalition voll auf das ALG-II anzurechnen ist. Integrationsprobleme von Migranten mögen vielerlei Ursachen haben. Das Betreuungsgeld wird mit Sicherheit keine davon sein.

Frank Senftleben Kirchseeon

Was da in letzter Zeit gesagt und geschrieben wird, läuft auf eine Entmündigung der Eltern hinaus. In einem demokratischen Staat, in dem wir ja Gott sei Dank leben, kann man es wohl noch den Eltern überlassen zu entscheiden, was unter den jeweiligen Gegebenheiten das Beste für ihr Kind ist. Kinderkrippen sind notwendig, weil vielen Eltern gar keine andere Wahl bleibt. Die Eltern aber, die sich bewusst dafür entscheiden, keinen Krippenplatz in Anspruch zu nehmen und ihre Kinder nicht bereits im zarten Alter von 3 oder 4 Monaten in fremde Obhut zu geben, sondern selber zu betreuen (auch unter Mithilfe der Großeltern) dürfen nicht als rückständig oder geldgierig bezeichnet werden. Auch nicht alle jungen Akademikerinnen und ihre Familien schwimmen so im Geld, als dass sie das Betreuungsgeld von 100 oder später 150 Euro nicht gebrauchen könnten. Auch finde ich es ein starkes Stück, alle Hartz-IV-Empfänger und Muslime unter Generalverdacht zu stellen, dass sie unfähig sind, für ihre Kinder die richtige Entscheidung zu treffen und Integration nur wegen des Erziehungsgeldes verhindert wird. Auch die große Mehrheit der Muslime und Hartz-IV-Empfänger weiß sicher, was die richtige Entscheidung für ihr Kind ist.

Mit dem Argument, dass das Erziehungsgeld missbraucht werden könnte, was in Einzelfällen auch sicher passiert, könnte man ja gleich alle Sozialleistungen abschaffen. Oder sind wir schon bald soweit, dass man den Eltern ihre Kleinkinder zwangsweise wegnimmt, damit man sie einheitlich nach einem bestimmten System erziehen kann – hoffentlich nicht, sonst gibt es bei uns bald wirklich keinen Nachwuchs mehr. Eltern gehören unterstützt, aber ob mit einem Krippenplatz oder mit Betreuungsgeld, dies bitteschön den Eltern überlassen! Die Mütter oder auch Väter die zu Gunsten ihrer Kinder auf die ganz große Karriere verzichten, sind nicht von gestern und müssen auch unterstützt werden. Der CSU kann ich nur wünschen, hart zu bleiben.

 Peter Meyer Neuried

Warum dürfen Eltern nicht entscheiden, ob sie ihr Kind die ersten 3 Jahre selber betreuen; egal ob Mutter oder Vater daheim bleiben wollen? Wir hätten genügend Geld zur Verfügung, wenn wir nicht die ganze Welt retten müssten, um Betreuungsgeld zu zahlen (zum Beispiel 500 Euro monatlich). Ein Kita-Platz muss mit 1000 Euro subventioniert werden und die Kindergärtnerinnen verdienen immer noch zu wenig. Drei Jahre werden auch auf die Rente angerechnet. Die Karriere kann nach der Unterbrechung weitergehen. Müssen Eltern, deren Kinder liebevoll von ihnen betreut werden, sich mit schlechten Hartz IV-Empfängern (auch hier gibt es Gute!) und solchen aus dem Migrantenbiotop vergleichen lassen? Hier könnten regelmäßige Kontrollen durch die Jugendämter sinnvoll sein. Ab dem 3. Lebensjahr müssten dann alle Kinder verpflichtend in den Kindergarten gehen. Gut verdienende Akademikerinnen haben genauso ein Recht auf Selbstbestimmung; sie verlieren mehr als der Geringverdiener, den es so überhaupt nicht geben dürfte (Mindestlohn auch zu niedrig).

Maria Müller Unterhaching

Nun ist sich auch Herr Anastasiadis nicht zu schade, mit ätzender Polemik gegen das „Betreuungsgeld“ zu agitieren (Betreuungsgeld = „Barprämie im Berliner Hartz-IV- und Migrantenbiotop“, für das Sozialministerin Haderthauer nun Zeter und Mordio schreit. Er beschreibt die Versorgung der Kleinstkinder, das heißt Kinder unter 3 Jahren (nur um diese geht es hier), durch die Mütter (anstelle von deren Berufstätigkeit) als Mitursache für deren drohende Renten-Unterversorgung im Alter. Mit letzterer Behauptung hat er wohl Recht: Wenn Eltern ihren Kleinstkindern heutzutage das geben wollen, was ihnen eigentlich zusteht, nämlich die liebevolle elterliche Rundumversorgung, so droht diesen Eltern Altersarmut. Anstatt diesen Missstand anzuprangern, polemisiert Herr Anastasiadis gegen den, zugegeben noch zu schwachen Versuch unserer Staatsführung, Kinder und Eltern zu unterstützen. Nach den wirtschafts- und nicht kindorientierten Vorstellungen vieler Politiker und entsprechend dem medialen „Mainstream“, aber im Gegensatz zu den entwicklungsbiologischen Erkenntnissen sollen Eltern ihre Kinder frühzeitig nach der Geburt möglichst ganztags der Obhut einer Krippe übergeben und selbst einer Berufstätigkeit nachgehen. Dass Fremdbetreuung gerade Kleinstkindern nicht gut tut, zeigen inzwischen auch wissenschaftliche Untersuchungen, die eigentlich initiiert worden waren, das Gegenteil zu beweisen, wie die berühmte US-amerikanische „NICHD“-Studie.

Dr. med. Hartmut Michels Garmisch-Partenkirchen

Man muss sich stets vor Augen führen, beim Thema Betreuungsgeld geht es nicht um Kindergartenkinder, sondern um Kleinkinder im ersten, zweiten und dritten Lebensjahr. In der FAZ erschien am 4.4.2012 dazu ein hervorragender ganzseitiger Beitrag von Dr. Rainer Böhm, u.a. Kinderarzt, über die Risiken und Nebenwirkungen einer (zu) frühen außerhäuslichen Betreuung. Der mit einer Krippenbetreuung verbundene Stress für die Kleinkinder führt danach nicht selten zu Krankheiten und seelischen Fehlentwicklungen, die negative Folgen für das ganze Leben mit sich bringen können. Diese fachlich äußerst fundierte, auf umfangreiche aktuelle Studien beruhende Analyse, die die Erkenntnisse vieler Fachleute untermauert, lässt nur den Schluss zu, man setzt sich nicht an der falschen, sondern an einer richtigen, äußerst wichtigen Stelle ein, wenn man versucht, Eltern zu ermöglichen, in den ersten Lebensjahren ihre Kinder selbst zu erziehen, um das so bedeutsame Urvertrauen aufbauen zu können. Leider ist in weiten Teilen unserer Wirtschaft nur noch das kurzfristige, am schnellen Profit orientierte Denken verbreitet und man hat die Mittel, Medien, Kommentatoren, Umfraginstitute usw. zu beeinflussen, um zu erreichen, dass die bei der Berufstätigkeit der Eltern störenden Kinder möglichst früh abgeschoben werden. Auf dieses Weise haben sie zwar gegenwärtig mehr Arbeitskräfte zur Auswahl, sie übersehen aber, dass das zu negativen Folgen für die Zukunft führt, die sie und die ganze Gesellschaft später erheblich belasten – ganz abgesehen vom damit verursachten menschlichen Leid.

Christian Kennerknecht Bad Kohlgrub

Es liegt mir eigentlich fern, eine Maßnahme der CSU zu verteidigen, doch die Diskussion um das geplante Betreuungsgeld bedarf einiger Klarstellungen. In vielen Debattenbeiträgen und selbst im Münchner Merkur wird im Zusammenhang mit dem Betreuungsgeld, das die Erziehungsleistung von Eltern honorieren und die finanzielle Situation für junge Familie erträglicher machen soll, von einem falschen Frauenbild, von „Bildungsangeboten“ in Krippen und von Fehlanreizen gesprochen. Doch wer diesen Argumenten folgt, orientiert sich ausschließlich an den Interessen der Wirtschaft, der daran gelegen ist, Mütter und Väter so schnell wie möglich wieder in das Berufsleben zu integrieren. Dies mag aus Sicht der Industrie verständlich sein, reduziert Eltern und Kinder aber rein auf die Ökonomie und auf kurzfristigen Profit. Erziehung von Kindern bedeutet aber wesentlich mehr und lässt sich nicht in Wirtschaftswachstum oder Bruttosozialprodukt messen - vermutlich wäre sonst längst ein gigantischer Rettungsschirm für Familien aufgespannt worden. Im Vordergrund aller familienpolitischen Maßnahmen müssen die Interessen der Kinder stehen. Deshalb geht es auch nicht darum, Mütter (oder Väter, denn auch diese sind durchaus zur Erziehung fähig) an den Herd zurückzudrängen, sondern es geht um das bestmögliche Umfeld für die nachfolgende Generation. Kinder brauchen in den ersten drei Lebensjahren Sicherheit und Geborgenheit, brauchen die herzliche Wärme einer festen Bezugsperson. In keiner Krippe kann soviel Liebe und Bildung vermittelt werden, wie durch eine Mutter oder einen Vater, die bzw. der sich unbelastet und ohne finanzielle Probleme seinem Kind widmen kann Von einem Fehlanreiz zu sprechen, wenn Eltern sich dafür entscheiden, finanzielle, berufliche und gesellschaftliche Nachteile in Kauf zu nehmen, um ihr Kind zu erziehen und dadurch der Gesellschaft einen Dienst zu erweisen, halte ich für eine unverschämte Beleidigung. Ein stabiles familiäres Umfeld spart später Kosten für individuelle Lernförderung, Gesundheits- und Suchtprävention, Ernährungserziehung, Familien- und Erziehungsberatung, und und und. In der Diskussion um das Betreuungsgeld wird ausschließlich von Familien gesprochen, bei denen die Gefahr besteht, die Leistung auszunutzen. Dies ist aber - wie bei jeder staatlichen Leistung - eine absolute Minderheit. Die Mehrheit der Mütter und Väter übt großen persönlichen Verzicht, ordnet die eigenen Interessen dem Wohl der Kinder unter und leistet eine unbezahlte Arbeit, die der Gesellschaft insgesamt zu Gute kommt. Denn ohne gut ausgebildete Kinder, denen Werte und Normen vermittelt wurden, lassen sich unsere sozialen Sicherungssysteme und die Pflege der Alten nicht finanzieren. Insofern kann die Einführung des Betreuungsgeldes nur ein Anfang sein, um Familien endlich zu ermöglichen, selbstbestimmt über die Art der Betreuung ihrer Kinder zu entscheiden und Familienleistung zu honorieren.

 Stefan Grabrucker Erding

Bei Überlegungen zur Tagesfremdbetreuung von Kleinstkindern sollten Ergebnisse wissenschaftlicher Studien unbedingt Beachtung finden! Besonders für diejenige des amerikan. „National Institute of Child Health and Development“ mit über 1300 Kindern aus weißen Mittelschichtfamilien, die nach frühkindlicher Fremdbetreuung über 15 Jahre hinweg untersucht wurden, liegen viele Auswertungen vor. Am meisten Besorgnis erregend ist dabei der Befund, dass sich Krippenbetreuung negativ auf die sozio-emotionale Kompetenz der Kinder auszuwirken scheint. Je mehr Zeit Kinder in einer Krippe verbrachten, desto stärker war, unabhängig von der Qualität der dortigen Betreuung, ihr späteres dissoziales Verhalten. Von größter Bedeutung, da hierfür evtl. ursächlich, sind auch Messergebnisse verschiedener Studien zum Auftreten des Stresshormons Cortisol im Tagesverlauf bei Kindern in ganztägiger Fremdbetreuung. Selbst in qualitativ hochwertigen Einrichtungen standen die Kinder in hohem Prozentsatz unter abnormem Stress. Dessen Dauereinwirkung als Folge einer emotionalen Überforderung der Kinder durch eine zu frühe und zu lange Trennung von der von Anfang an bekannten Bezugsperson sowie durch die Gruppensituation wirkt sich nicht nur auf das Immunsystem negativ aus, sondern vermutlich auch auf die Entwicklung bestimmter Hirnareale in den ersten beiden Lebensjahren. Diese seelischen und körperlichen Risiken werden bisher leider nahezu völlig ignoriert.

 Dr. Michael Wohlfahrt Miesbach

 

„76 % gegen Betreuungsgeld“; Titelseite, Georg Anastasiadis: „Einsatz an der falschen Stelle“; Kommentar, Christian Deutschländer: „Terror im Regierungsbündnis“; Politik 7./8./9. April

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