Erziehungsarbeit endlich anerkennen

„Wahlfreiheit für Eltern“; Leserbriefe 12. April, Monika Reuter: „Falsche Anreize“; Kommentar 3. April

Es ist Wahlkampf, auch schon in Richtung 2013, und die Heißluft und Nebel produzierende Wahlkampfmaschinerie läuft auf Hochtouren. Man sollte sich also über eines im Klaren sein: Es geht überhaupt nicht darum, wo Kinder in den ersten drei Lebensjahren besser aufgehoben sind, denn dann gäbe es die ganze aufgeregte Debatte gar nicht. Es ist nämlich keine Frage, dass das in der beschützenden, liebevollen Umgebung einer Familie ist, wie immer die zusammengesetzt sein mag. Es geht auch nicht darum, dass unser Staat bereits Kleinstkindern „optimale Bildung“ angedeihen lassen will. Es geht einzig und allein darum, dass die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung es sich durch die „Rentenreform“ von 2004, mit der das Rentenniveau auf unter 50 % des Einkommens gedrückt wurde, gar nicht mehr leisten kann, auf ein möglichst viele Beitragsjahre umfassendes eigenes Einkommen zu verzichten. Es ist somit im Interesse des Staates, dass beide Eltern möglichst ununterbrochen arbeiten, sonst muss er das, was er seither „einspart“, bzw. anderweitig ausgibt, später wieder drauflegen. Ein wirklich sinnvolles Konzept wäre, wenn von unserem immer noch so reichen Land für den Elternteil, der in den ersten drei Lebensjahren zu Hause bleibt oder wenn beide sich diese Zeit teilen, der Rentenbeitrag übernommen bzw. die Erziehungszeit in voller Höhe angerechnet würde, so dass keine Beitragslücke entsteht. Damit würde Erziehungsarbeit – und wer Kinder erzogen hat, weiß, dass das Arbeit ist – endlich anerkannt und nicht durch so dümmliche populistische Begriffe wie „Herdprämie“ abqualifiziert. Das wäre eine sichere Investition in die Zukunft – was bei den vielen hunderten von Milliarden, die vor allem von Deutschland so bereitwillig und schnell in „Euro-Rettungsschirmen“ versenkt werden, absolut nicht sicher ist . . .

Rotraud Oechsler

Miesbach

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