Suspendierte Priester rehabilitieren

Claudia Möllers: Gemeinsam zur Einheit; Kommentar 13. März

Ich frage mich, was ist der Unterschied zwischen „viri probati“ und verheirateten, suspendierten Priestern? Die einen sind schon verheiratet und „dürfen“ dann Priester werden, die anderen sind schon Priester, aber verheiratet, also „viri non probati“. Man misst hier also mit zweierlei Maßstäben, da man mit aller Energie am selbst auferlegten Zölibat festhält, koste es, was es wolle. Laut einer Auskunft eines Insiders gibt es in der Diözese München circa 500 suspendierte Priester. Würde man sie rehabilitieren, hätte man sofort eine schnelle Lösung des Priestermangels. Aber man bleibt stur und denkt lieber nach, bis es zu spät ist und der Priestermangel das Problem auf natürliche Weise gelöst hat: Es gibt dann keine Pfarreien mehr, sondern nur noch Tischgemeinschaften wie in der Urkirche. 

Theodor Kreis Germering

Die deutsche Bischofskonferenz hat auf ihrer Frühjahrstagung u. a. über den Zölibat beraten. Herausgekommen ist: nichts. Nichts. Der Vorsitzende soll sinngemäß gesagt haben, eine Änderung müsse, wenn schon, dann für die ganze Weltkirche gelten, eine Willensbildung sei jedoch nicht erkennbar. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Warum versteckt sich eine nicht unbedeutende Bischofskonferenz (wieder einmal) hinter der Weltkirche? Und die Willensbildung? Müsste sie nicht endlich von den Bischöfen selbst ausgehen? Der Zölibat ist weder heilig (wie von Ratzinger insinuiert), er ist auch nicht von Gott oder von Jesus gewollt (Petrus war verheiratet), auch gilt er nicht seit 2000 Jahren, sondern (auf dem Papier) allenfalls seit 1000 Jahren. In der Papstkirche. Der streitbare Hans Küng hat sich einmal sehr kritisch zu den von Wojtyla und Ratzinger ernannten Bischöfen geäußert. Die Konsequenz werden die vielen Katholiken noch über lange Jahre zu ertragen haben. Diese Bischöfe werden keine Änderung anstoßen. Was fehlt, ist eine nüchterne Bestandsaufnahme: Was denken die Priester über den Zölibat? Wie viele Priester leben weltweit in eheähnlichen Bindungen? Wie geht es den betroffenen Frauen? Wie viele Priesterkinder sind aus diesen Beziehungen hervorgegangen? Wie geht es ihnen, die sie ihren leiblichen Vater vor der Öffentlichkeit verstecken müssen? 

Dr. Anton Prestele Penzberg

„Die Christen bekommt man nicht mehr auseinander.“ Der Einsatz des EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm und des Münchner Kardinals Reinhard Marx für dieses Ziel der Einheit ist natürlich sehr lobenswert! Leider vermisse ich in den Reden und Verlautbarungen der beiden Kirchenführer etwas Wesentliches: Christen gibt es ja nicht nur in Deutschland, wo sie in Frieden und Sicherheit leben, sondern auch in islamischen und kommunistischen Ländern, wo sie Bürger zweiter Klasse sind, gedemütigt, schikaniert, verfolgt, vertrieben und sogar getötet werden. Wie wäre es, wenn Marx und Bedford-Strohm (sie hätten viele Gelegenheiten dazu, z.B. bei ökumenischen Veranstaltungen wie dem „Versöhnungsgottesdienst“) auch an diese bedauernswerten christlichen Brüder und Schwestern erinnerten? Wollen sie nicht „die christlichen Werte offensiv vertreten“? Wo bleibt das „Offensive“? Einhalt und Zusammenhalt der Christen? Sollte diese Maxime nicht weltweit gelten? Wie wäre es, wenn unsere deutschen „Protagonisten“ an die religiösen und politischen Führungspersönlichkeiten vor allem in den islamischen Ländern mutig und leidenschaftlich den flammenden Appell richteten, man möge doch bitte den Christen gegenüber ein freundlicheres Gesicht zeigen? Wie wäre es, wenn sie die deutschen Muslime darum bäten, sich dafür einzusetzen, dass die Christen in den islamischen Ländern genauso gut behandelt werden wie die Muslime in Deutschland und dass sie Kirchen bauen dürfen? Der syrisch-katholische Geistliche Jaques Mourad sagte einmal (das erzählt der wahrhaft edle Muslim Navid Kermani in seiner berühmten Friedenspreisrede) traurig und resigniert den folgenden Satz über die christliche Welt: „Wie bedeuten ihnen nichts.“ Ich habe in den Medien noch nicht erfahren, dass Marx und Bedford-Strohm diesen Satz, soweit es in ihrer Macht liegt, rhetorisch brillant und glaubwürdig widerlegen.

 Wolfgang Illauer Neusäß-Westheim

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