Konsequenzen aus dem Attentat

Michael Schleicher: „Die Freiheit zu lachen“; Kultur, „Frankreich kämpft gegen den Terror“; Titelseite, „Verbrecher missbrauchen Religion“; Leserbriefe und Philipp Vetter: „Die Gefahr der bärtigen Rückkehrer“; Politik 9. Januar

Wenn ich mein Lachen und meine Stimme verliere, weil mundtot ich bin und blutrot meine Satire, dann ist auch Euch die Freiheit im Blutbad zerronnen, Terror hat über Kultur und Grundrecht gewonnen. Erhebt Euch und steht auf gegen Satire-Phobie! Kämpft für Meinungsfreiheit auf der Seite von „Charlie“!
Hans-Peter Grünebach
Polling

Der Artikel 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland lautet: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Eine umgekippte Buddha-Statue auf dem Viktualienmarkt ist meines Erachtens eine Verletzung der Würde aller Menschen buddhistischen Glaubens. Eine Nackt-Darstellung des Propheten Mohammed in einem Satire-Magazin ist meines Erachtens eine Verletzung der Würde aller Muslime. Ich möchte alle Menschen, insbesondere aber alle Karikaturisten, Satiriker, Juristen und Politiker darum bitten, in Ruhe über den Artikel 1 unseres Grundgesetzes nachzudenken und sich dementsprechend zu verhalten. Wir könnten uns damit eine Menge Probleme und unnötiges Geschwätz ersparen.
Josef Staltmeir
München

Entsetzlich! Doch sollten wir bei aller Empörung vernünftig bleiben. Die Gefahr besteht ja, dass die Rechtsextremen den öffentlichen Zorn auf ihre Mühlen lenken und nun noch mehr gegen Einwanderer im Allgemeinen und Moslems im Besonderen agitieren. Die so Angefeindeten sind dann umso anfälliger für die antiwestliche Propaganda radikaler Islamisten. Absolute Sicherheit gibt es zudem nicht, nicht einmal in der Diktatur, umso weniger in einer offenen Demokratie, wo die Freiheit des Einzelnen im Mittelpunkt steht. Natürlich ist zu diskutieren, wie die Polizeibehörden (inter-)national besser zusammenarbeiten können, inwieweit Geheimdienste einbezogen werden können. Jedenfalls dürfen wir uns das Recht der freien, kritischen Rede von nichts und niemandem rauben lassen. Christian Fuchs
Gutenstetten

Ich kann nur davor warnen, in der Gemengelage mit Pegida und dem Mordanschlag auf Charlie Hebdo zu reagieren wie die Amerikaner nach 9/11: durch Aufhebung demokratischer Regeln. Wir in Europa haben das nicht nötig. Unsere Demokratien sind wehrhaft, unsere Rechtsstaaten gefestigt. Wir fangen die Mörder mit Polizeiarbeit und erhöhter Wachsamkeit aller Bürger und zeigen ihnen die Härte des Gesetzes für Menschen, die aus niederen Beweggründen morden. Denn der Missbrauch des Islams durch diese Hirnkranken ist niederer als Habsucht oder jede sonstige Gier. Diese Mörder sind Abschaum. Punkt. Trotzdem sind es Menschen, die wir, außer dass wir ihre Speisen im Gefängnis mit Weihwasser kochen (ein Tribut an meine Satirikerfreunde), nicht foltern oder ohne Urteil einsperren, oder, oder. Nochmal: Wir haben es nicht nötig, uns auf deren Niveau zu begeben. Auch wenn es Pegida und wohl auch AfD mit Angstschüren oder die CSU mit der alten Forderung nach Datenspeicherung tun. Diese populistischen Blödiane stehen wir, wie auch alle anderen Fanatiker, locker aus.
Michael Maresch
München

Was in Paris passiert ist, ist grausam, menschenverachtend wie jedes Attentat, jeder Mord. Aber ich frage mich auch: Wer kauft und ergötzt sich an solchen hässlichen, beleidigenden, religionskritischen Karikaturen? Ingeburg Bönisch
München

Um es gleich vorweg zu sagen: 1.) Das Attentat in Paris, ein grausames und grauenhaftes Verbrechen, ist durch nichts zu entschuldigen. 2.) Ich liebäugele weder mit der AfD noch Pegida. Allerdings: Was würden wir als Christen sagen, wenn Jesus und unser Glaube so verspottet würden wie es in dem Satire-Magazin mit Mohammed und dem Islam geschah? Würden wir sagen: „Macht nichts. Ist nur Satire. Gehört zu unserem Freiheitsbegriff.“? Die Täter von Paris sind Verbrecher! Nur wundern wir uns doch bitte nicht: „Wer Wind sät, wird Sturm ernten“, sagt ein altes Sprichwort.
Dekan i.R. Hans Heller
Wessobrunn

„Provoziere ich aber den anderen, muss ich mich nicht wundern, wenn ich was aufs Auge kriege“, ist das menschenverachtende Fazit des Leserbriefes von Herrn Augustin, der den Mord an vielen Menschen wohl mit einer harmlosen Kneipenschlägerei verwechselt. Traurig und beschämend! Jürgen Brendel
Dachau

Der oben genannte Artikel trägt die Überschrift: Die Gefahr der bärtigen Rückkehrer“, dazu dann das Foto eines Bartes. Warum scheut sich die Redaktion, das Problem beim Namen zu nennen? Das Problem ist nicht der Bart, sondern die Grausamkeit in den Köpfen der Islamisten. Zeigt das Attentat von Paris hier seine Wirkung? Muss jetzt jeder, der mit Bart am Münchner Flughafen ankommt, befürchten, dass er verhaftet wird? Solche Artikel sind hetzerisch und die Redaktion sollte sich dafür entschuldigen.
Alfred Schmidt Bartträger, Merkur-Leser, kein Terrorist, kein Islamist.

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