Kritik an Kreuzpflicht in Bayern

Christian Deutschländer: „Kaltes Kalkül“: Zornige Kreuz-Debatte im Landtag; Politik, Söders Kreuz mit dem Kreuz; Leserforum 27. April,Georg Anastasiadis: Ayatollah Söder?; Kommentar, Söders Kreuz-Zug; Im Blickpunkt, Klar ein christliches Symbol; Leserforum 26. April, „Nicht ein Zeichen einer Religion“; Politik 25. April

Sein Auftritt vor dem Kreuz ist für Söder eine Maske wie sein Auftreten bei der Frankenfastnacht. So wie man da gelächelt hat, sollte man es auch hier tun. Nicht ernst nehmen! 

Angelika Frank Gmund

Wenn Herr Söder so viel vom Regieren versteht wie von religiösen Symbolen, dann sollte er sich lieber zurückziehen und schämen. Ist es Unverschämtheit oder Dummheit oder Frechheit, sich derart über das Zeichen des Christentums auszulassen. Wenn das Kreuz kein Zeichen einer Religion ist, sondern der bayerischen Lebensart, dann soll er doch den Leuten erklären, wie es in Rom oder sonst wo auf der Welt gesehen wird. Etwa auch als Symbol der Söder’schen Identität? Mal sehen, was er noch alles missbraucht bis zur Wahl. 

Ludwig Grüll Freising

Ich verstehe die ganze Aufregung wegen der Kreuzpflicht in öffentlichen Ämtern überhaupt nicht. Anstatt dankbar zu sein, dass Herr Söder keine Kreuz-Grußpflicht und auch keine Kreuzpflicht auf bestimmten Feldern von Wahlscheinen verordnet, begehren hier viele ganz unverhohlen gegen die Obrigkeit auf. So weit sind wir mit unserer Demokratie also schon gekommen. 

Gerhard Peter Schongau

Ministerpräsident Markus Söder hat in öffentlichen Statements seine ursprüngliche Aussage präzisiert und darauf hingewiesen, dass das Kreuz natürlich vorwiegend ein christliches Symbol sei, er es aber auch als Wertesymbol für Toleranz, Nächstenliebe, Menschenwürde sowie für Kultur und Tradition sehe, insbesondere hier bei uns in Bayern. Die ganze Aufregung war also umsonst. Gerade in der heutigen Zeit, in der behauptet wird, der Islam gehöre zu Deutschland, ist es wichtig, dass wir für unseren Glauben eintreten und zu unseren christlichen Symbolen stehen und sie nicht verleugnen. Bei manchen Politikern und Kirchenvertretern hat man mittlerweile den Eindruck, dass ihnen andere Religionen wichtiger sind als die eigene. Ein friedliches Zusammenleben im Rahmen der Religionsfreiheit ist auch ohne diese unterwürfige Rücksichtnahme möglich. Wir sollten stolz sein auf unser christlich geprägtes Abendland und dies auch durch unsere Symbole öffentlich zeigen. 

Peter Blüml Schongau

Nach wie vor, ist das Kreuz – seit Jahrhunderten -– Symbol unserer bayerischen Kultur und Tradition, somit ein geschichtsträchtiges Symbol. Was Staat und Religion anbelangt, so hat sich Christus diesbezüglich klar und unmissverständlich geäußert. Gott als höchste Instanz hat uns den freien Willen gegeben, das heißt, wir können uns (freiwillig) gegen ihn oder für ihn entscheiden, in den internationalen, universellen zehn Geboten heißt es, daher nicht „Du musst!“, sondern „Du sollst“! Gott braucht uns nicht, auch seine Schöpfung, das heißt, die Natur braucht uns nicht! Wir brauchen sie (von der Technik alleine können wir uns nicht ernähren). Gerade in unserem heutigen (sachlich begründetem) sehr gefährlichen Atomzeitalter (mit seinen sehr positiven wie auch sehr gefährlichen Seiten), welches dies in der Menschheitsgeschichte bis dato noch nicht gab, wäre die immer aktuelle, das heißt zeitlose christliche Lehre sowohl für die jüngere, mittlere wie ältere Generation eine konstruktive Orientierungshilfe. Wie schon erwähnt, die Entscheidung wie die Verantwortung trägt jeder selbst. 

Carl Sölch München

Man könnte im Boden versinken, schämende Worte finden sowie Verrat am Christentum denken, wenn ein Ministerpräsident solch ein Schwachsinn öffentlich vertritt. Leserbriefschreiber rebellieren zurecht. Kulturverfall ist gelinde ausgedrückt, nicht alleine im Bezug auf das Kreuz, Monopteros, Führerscheinentzug für Gaffen usw. geben uns Klarheit wie Politik und Justiz mehr und mehr versagen. Zu Pater Lukas Lorenz Schlusssatz in Bezug der AfD: Falschmeldungen kann er von der Kanzel predigen, aber deren Parteiprogramm nicht verfälschen. 

Joachim Herdtfelder Weilheim

Mein Segn hodder , würde ich auf gut Fränkisch sagen. Glaube ich doch, seine eigentliche Intention zu verstehen: Mahnt Dr. Söder nicht im Grunde einen festen Standpunkt an, den jede liebende Mutter haben muss, wenn zehn ihrer Kinder gleichzeitig auf sie zugerannt kommen, um von ihr umarmt zu werden? Ja, „embrace“ ist wohl das eigentliche Zauberwort hinter der vielleicht ein wenig zu spontan initiierten Aktion. Das Kreuz – ob an der Wand oder im Herzen unseres christlichen Bayernlandes – als Zeichen eines Standpunktes, der in der Lage ist, tiefenökumenisch der Weisheit aller Weltreligionen Wertschätzung entgegenzubringen und sie zu umarmen. Möge er ein guter Ministerpräsident für unser Bayernland werden, der vielleicht nicht immer alles richtig macht, aber doch – mit Gottes Hilfe – vieles. 

Sieglinde Beyer Oberau

Ich bin mal gespannt, wie viele Köpfe mit dem Heiligenschein herumlaufen werden. 

Franz Giglinger Grafing

Welch eine Aufregung verbunden mit endlosen Streitereien um ein Symbol, das letztendlich von Menschen geschaffen wurde. Im Idealfall sollten Religionen doch Frieden schaffen. Schauen wir zurück ins Mittelalter mit Kreuzzügen, der Inquisition, dem 30-jährigen Krieg, schauen wir zurück auf die Auseinandersetzungen im ehemaligen Groß-Jugoslawien, und auch auf Irland. In unserer Gegenwart, und auch für die Zukunft, sieht es ebenso nicht gerade rosig aus. In Nahost bis hinein nach Afrika toben brutalste Religionskriege. Die Hintergründe für Krieg, Terror, Mord und Misshandlungen sind verschiedene Religionen in gefährlicher Verbindung zu politischer Machtgier. Die Vermischung von Religion und Politik führte in der Geschichte der Menschheit bis hinein in die Gegenwart zu den schlimmsten und brutalsten Kriegen. Die Trennung von Religion und Politik wäre ein Schritt in eine friedlichere Zukunft. Daher sollte diese endlose und überflüssige Diskussion um religiöse Symbole (welche auch immer) ein Ende finden. Religionsfreiheit beinhaltet auch; Religion muss nicht unbedingt in der Öffentlichkeit stattfinden und hat mit Politik nichts zu tun. 

Hannelore Grüning Bad Wiessee

Seit der Regierungserklärung unseres neuen Ministerpräsidenten überschlagen sich täglich die positiven Meldungen in unserer doch sehr objektiven Heimatzeitung über Entscheidungen von seit Längerem anstehenden Problemen, wie Riedberger Horn, Strabs, kein Register für psychisch Kranke, Streicheleinheiten für Beamte und die Krone aller Scheinheiligkeit Söders Kreuzzug. Alle diese jetzt positiven Entscheidungen kamen mit einer an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht aus eigener Überzeugung, sondern nur auf öffentlichen Druck der Wähler, oppositioneller Parteien und dem näher rückenden Wahlkampf, bei dem es ohne Frage hauptsächlich um die absolute Mehrheit geht, zustande. Man versucht dem Wähler wieder, wie üblich zu den anstehenden Wahlen, tonnenweise Sand in die Augen zu streuen. Selbst das Kreuz ist hierbei nicht zu schade, um es für den Wahlkampf zu missbrauchen. Gerade zu einer Zeit, wo das Problem der Eingliederung von Migranten aus anderen Kulturbereichen wirklich dringend angegangen werden muss, und was zum größten Teil mit verschiedenen Religionen zusammenhängt, erscheint diese zur Schaustellung eines Ministerpräsidenten mit dem Kreuz in Großformat sehr kontraproduktiv. Bei unseren Volksparteien erhebt sich ja schon seit längerem für mich die Frage, was das „S“ bei SPD oder das „C“ bei der CDU/CSU noch zu suchen hat. Es gibt so viele Probleme in unserem relativ gut funktionierendem Staat, die noch zu lösen wären - fangt endlich an! 

Georg Denk Polling

Da davon auszugehen ist, dass Herr Söder nicht in einem atheistischen Staat aufgewachsen ist, sollte er wissen, dass das Kreuz auf den Kern des Christentums, nämlich auf den Opfertod Jesu, verweist. Oder er sollte noch mal ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus 1995 nachlesen, in dem seinerzeit festgestellt wurde: „Das Kreuz ist Symbol einer bestimmten religiösen Überzeugung und nicht etwa nur der Ausdruck der vom Christentum mitgeprägten abendländischen Kultur.“ Mit der Begründung, es „als Ausdruck der geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns“ in Dienstgebäuden anzubringen, stellt er das Kreuz jedoch nun auf die gleiche Stufe wie Oktoberfest, Gamsbart und Lederhose und nähert sich damit auf diesem Gebiet der AfD an, die als einzige Partei diese Anordnung begrüßt und sogar auch als Erfolg ihrer Partei ansieht: „Man kann sagen, dass die AfD wirkt“, so Volker Manz, Sprecher der AfD-Fraktion. Ist eine CSU, die auf ein solches Niveau herabgesunken ist, noch wählbar? 

Detlef Meissner Menden

Markus Söder ist seinem ganzen Wesen nach das, was einen Kraftmenschen im positiven Sinne ausmacht. So sehen ihn wohl viele Freunde und Gegner. Kraftmenschen neigen bekanntlich dazu, zuweilen übers Ziel hinauszuschießen. Das ist ihm jetzt unterlaufen. Wäre Markus Söder Theologe und kein promovierter Jurist und Berufspolitiker, würde er vermutlich nicht die These aufgestellt haben, „das Kreuz sei kein Zeichen einer Religion und damit auch kein Verstoß gegen staatliche Neutralitätspflicht. Diese Fehlinterpretation unseres Ministerpräsidenten ist im Grunde eine Bagatelle, die bald wieder vergessen sein wird. Auch ist die leicht durchschaubare Propagierung des Kreuzes in zeitlicher Nähe zur Landtagswahl kein Grund, jetzt einen großen Hype zu veranstalten. Die Kritik daraus, die dem Ministerpräsidenten jetzt entgegenschlägt, ist zu einem großen Teil peinlich. Selbstverständlich ist das Kreuz auch ein Symbol bayerischer Identität und Lebensart. Das ist etwas sehr Schönes, das sich im Laufe der Geschichte aus tiefem Glauben entwickelt hat. Wer bereit ist, sich einmal vorurteilsfrei gedanklich dem Kreuz zu widmen, kann vielleicht die Kraft spüren, die vom Kreuz ausgeht. Ein Impuls dazu wäre der Besuch des „Berges der Kreuze“ im Norden Litauens. Wer diesen Hügel mit seinen mehr als 50.000 Kreuzen durchwandert, wird unweigerlich von der ganzen Wucht des durch diese Kreuze symbolisierten tiefen Glaubens erfasst. Die Botschaft des Kreuzes ist Liebe, nicht Hass oder Feindschaft; sie ist Einladung, nicht Ablehnung; sie ist Ermutigung, nicht Anordnung oder gar Befehl. Das Drehbuch zum Film „Ein Leben für den Frieden – Papst Johannes XXIII.“ lässt in einer Szene den Papst mit Blick auf das Kruzifix sagen: „Jesus breitet die Arme aus.“ Darf an diese Botschaft nicht immer wieder erinnert werden? Auch durch ein Kreuz, das in der Staatskanzlei, im Finanzministerium oder in einem anderen öffentlichen Gebäude angebracht ist? 

Hanns Peter Wagner Sauerlach

Könnte es nicht sein, dass es nur an den Symbolen liegt, dass wir über deren Träger herfallen? In Asien werden Christen verfolgt, die das Kreuz tragen; in Birma müssen Kopftuch tragende Muslime aus dem Land fliehen; in Europa würde man am liebsten denen die Burka vom Leib reißen und das Kopftuch verbieten; Kippa tragende Juden werden angegriffen und verprügelt. Attackiert man nun das Symbol oder den darunter steckenden Menschen? Das Symbol reizt die anderen handgreiflich zu werden, denn hier geht es um Macht und Anerkennung des eigenen. Solange Menschen verlangen, dass man einen Hut grüßt – Wilhelm Tell und der Hut des Vogts – sollte man darauf achten, dass man den richtigen trägt oder besser gar keinen. Ohne Burka, Kopftuch und Kippa wäre das Zusammenleben leichter. Leider machen in unserer Gesellschaft Kleider immer noch Leute. Ohne diese sind sie einfach nur Menschen – egal ob sie sich Juden, Moslem oder Christen nennen.

 Richard Birk Freising

Herr Söder hat es nicht im Kreuz, seine Partei die CSU mit Inhalten in den Wahlkampf zu führen sondern er greift zu Kreuzen, die er in den Eingangsbereichen von Behörden verteilt. Identitätsstiftend soll das sein. Er denkt dabei an ein Bayern in dem Sonntag zur Kirche gegangen wird, jeder CSU wählt und Franz Josef Strauß ein Denkmal erbaut wurde - und er nebenbei mit seiner CSU wieder die absolute Mehrheit erlangt. Am Eingang der Kfz-Zulassungsstelle kann nun bald jeder innehalten, um verträumt auf das Kreuz (nicht Kruzifix, denn es ist ja der rein religiösen Bedeutung enthoben) zu schauen und im stillen Gedenken dem Landesvater Söder für all das zu danken. Soweit so gut, aber dieses Bayern gibt es nicht mehr. Das Bekenntnis zum Christentum erodiert, nicht nur weil es immer weniger Christen gibt. Auch die Gläubigen selbst tragen dazu bei, die Karfreitag beherzt zum Fisch-All-You-Can-Eat greifen oder bei bester Laune Steckerlfisch und Bier genießen. Kann nicht auch das ein Auslöser der Veränderung sein, die jeder spürt, die teilweise Unbehagen auslöst und die der Einfachheit halber gerne den Flüchtlingen angelastet wird? Solch eine gesellschaftspolitische Diskussion ist aber kompliziert zu führen, hat am Ende vielleicht unbequeme Ergebnisse und darf deshalb nicht stattfinden. Sie stellt die Meinungshoheit einer Christlich Sozialen Union in deren Verständnis in Frage und muss somit verhindert werden. Wie geht das am besten? Indem man das Unbehagen weit von sich schiebt – in Form von Kreuzen und einer Der-Islam-gehört-nicht-zur-uns-Debatte. Damit kann sich nun jeder Stammtisch weiterhin nicht schuldig fühlen und sich dabei auf den Landesvater berufen. Das hat Bayern nicht verdient. 

Roman Goltz Erdweg

Die Initiative von Ministerpräsident Söder, dass im Eingangsbereich von Staatsgebäuden Kreuze angebracht werden sollten, ist eine absolut richtige und längst überfällige Entscheidung. Allen, die jetzt vor Aufregung zittern, ist gemeinsam, dass sie diese Maßnahme nicht verstehen wollen oder verstehen können, weil sie ganz einfach nicht geschichtlich denken. Das christliche Kreuz (Kruzifix) ist natürlich zuallererst ein christliches Symbol, das wird von niemanden bestritten, auch von Söder natürlich nicht. Aber es ist bei uns weit mehr, es symbolisiert ganz wesentliche Teile der in Jahrhunderten gewachsenen gesellschaftlich-politischen Kultur in Bayern und Europa, die nur wegen der christlichen Ethik im weitesten Sinne möglich war.

Drei Beispiele sollen dies verdeutlichen: 1. Arbeitszeit: Im Lauf der Jahrhunderte entstand bei uns eine biblisch grundgelegte Arbeitsweise, die vom 7-Tage-Rhythmus der Woche mit dem Sonntag und bestimmten Feiertagen als herausgehobenen arbeitsfreien Tagen geprägt ist. Wie ein Arbeitsleben aussieht, das sich von diesem christlich geformten Prinzip entfernt, zeigen uns Beispiele aus den USA mit der total gleitenden Arbeitszeit eines schamlos auf Profit ausgerichteten Kapitalismus. Bleiben wir mit dem Zeichen des Kreuzes bei unserer bewährten und auf menschliche Bedürfnisse abgestellten Arbeitszeit. 2. Demokratischer Kompromiss: Bis ins 12. Jahrhundert und im (politischen) Islam bis heute gilt für politische Entscheidungen: Entweder falsch (meistens der Andersdenkende) oder richtig (die eigene Meinung). Weil beide nie zusammenkommen konnten, suchte man die Entscheidung in der Vernichtung des Gegners. Bis der Pariser Theologe und Abt Peter Abaelard (1079-1142) seine Lehre von der Dialektik entwickelte. Die eine Seite (=These) und die unversöhnlich andere Seite (= Antithese) können zusammenkommen, indem man von beiden die unverträglichen Elemente aussondert und die verträglichen behält. Dann ergibt sich die Synthese. Die politische Anwendung dieses neuen Prinzips geschah erstmalig im Jahr 1122 im Wormser Konkordat und beendete die jahrzehntelange, äußerst blutige Auseinandersetzung des Investiturstreites zwischen Papst und Kaiser. Der tragfähige politische Kompromiss war gedanklich geboren, und bis heute findet man, nach einer langen und schwierigen Entwicklung, auf solche Weise die Synthese widerstreitender Haltungen durch das Mehrheitsprinzip. Und nur vor diesem Hintergrund ist die Enstehung unserer demokratischen Grundordnung verständlich. Und auch verständlich, dass man sich außerhalb des christlich geprägten Bereichs, zum Beispiel überall dort, wo der Islam das Sagen hat, außerordentlich schwer tut, diese nur vor dem christlichen Hintergrund fassbare Entwicklung zu akzeptieren. Aber wir sollten uns dazu bekennen und überall dort, wo der Staat entsprechend handelt, ein Kreuz aufhängen. 3. Sozialpolitik. Almosen aus dem Überfluss des Reichtums zu geben, diese Verpflichtung kennt fast jede Religion. Nur die Christen aber sind gehalten, den Nächsten so zu lieben wie sich selbst. Also: Keine Nächstenliebe ohne Selbstliebe, oder: Keine Verantwortung für den Nächsten ist möglich ohne Verantwortung sich selbst gegenüber. Diese Eigenverantwortung aus christlichen Wurzeln bestimmt auch die staatliche Gemeinschaft. Deshalb ist daraus erwachsen, dass neben dem Einzelnen vor allem die Gesellschaft verpflichtet ist, Solidarität mit Notleidenden, Armen, Behinderten u.a. zu zeigen und im politischen Handeln zu verwirklichen. Nächstenliebe und Almosen als Sozialpolitik des Staates, das ist eine nur vom christlichen Europa ausgehende Entwicklung. Deshalb tun sich Regionen z.B. im Orient und in Asien, die von anderen Religionen geprägt sind, so schwer mit der Einrichtung staatlicher Sozialeinrichtungen. Zumal in islamischen Staaten steht das Almosen aus dem Überfluss in der religiösen Bewertung ganz oben, aber eine staatliche Sozialpolitik wird eher zurückhaltend gesehen, wenn überhaupt. Deshalb erinnert ein Kreuz in staatlichen Gebäuden vor allem an die bei uns entstandenen sozialpolitischen Lösungsansätze aus christlichen Wurzeln, welche von Persönlichkeiten wie Bischof Ketteler, Adolf Kolping, Johann Hinrich Wichern und Friedrich von Bodelschwingh, nicht zuletzt mit der bahnbrechenden Enzyklika „Rerum novarum“ des Papstes Leo XIII. entwickelt wurden. Vieles, was damals entstanden und heute selbstverständlich ist, wäre ohne Kreuz so nicht vorhanden. Zusätzlich gäbe es noch ein weites Feld zu besprechen.

Alles in allem: Wer diesen unseren freiheitlich-demokratischen Sozialstaat bejaht, muss auch seine wichtigsten Wurzeln akzeptieren und kann eigentlich kein Kopf- und kein Bauchweh haben, wenn er bei uns ein Kreuz in der Öffentlichkeit sieht. Und nur, wer korrekt informiert ist und die segensreichen Auswirkungen christlicher Sozialethik kennt, erschrickt nicht vor dem Kreuz, und er fällt auch nicht auf alle möglichen Zeiterscheinungen und falschen Propheten herein. 

Helmut Schmidbauer Historiker, Schongau

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