Geschundenes Afghanistan

Taliban greifen deutsches Konsulat an; Politik 11. November

Ich bin seit fast sechs Jahren in der Flüchtlingsarbeit tätig, seit Mai 2015 in Oberau. Zurzeit kümmere ich mich hauptsächlich um Afghanen. Mich entsetzt die Art und Weise, wie das BAMF mit dieser riesengroßen Gruppe umgeht. Die Anerkennungsquote von unter 50 Prozent ist ein Witz und politisch gewollt: Da muss man (das BAMF) keine Integrationskurse bezahlen. Nach dem Anschlag auf das deutsche Generalkonsulat in Afghanistan dürfte doch auch der letzte Entscheider im BAMF gemerkt haben: Die Sicherheitslage dort ist katastrophal, wird von Monat und zu Monat schlechter. In 31 von 34 Provinzen wird gekämpft. Sogar Herr Martin Neumayer hat in einem Brief an mich zugegeben, dass die afghanische Sicherheitslage durchaus der irakischen immer ähnlicher wird. Mich erschüttert es immer aufs Neue, wenn wieder ein Asylbewerber mit festem Job, guten Deutschkenntnissen und großem Integrationswillen einen Negativbescheid erhält. Da freut sich zwar der Generalsekretär der CSU, aber ich könnte dann schreien! Ein Innenminister mit schusssicherer Weste und Helm verkündet – unter dem Lärm von Detonationen –, dass die Sicherheitslage in Afghanistan gut sei! Jeden Tag sterben im Schnitt zehn bis 20 Menschen bei Anschlägen. Die Taliban werden zusehends aggressiver. Würden Sie dort leben wollen? Wer kann es den Menschen dort verdenken, wenn Sie Frieden und Sicherheit hier suchen? Seit 1979 wird Afghanistan nur geschunden, ein Ende ist nicht in Sicht.

 Gundula Martz Oberau

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