Leserbriefe

Bauernprotest

Christian Deutschländer: Gefährliche Geringschätzung; Kommentar 18./19. Januar,Dominik Göttler: „Bullerbü-Landwirtschaft“ ernährt die Menschen nicht; Bayern 17. JanuarMike Schier und Christian Deutschländer: Dicke Luft bei der Berliner CSU; Politik 17. Januar

Herr Deutschländer schreibt, wir Bauern sind auf Steuergeld angewiesen. Offensichtlich ist auch er auf Jahrzehnte Fake News in Presse, Rundfunk und Fernsehen hereingefallen. Im Gegenteil wir Bauern subventionieren die Verbraucher seit Jahrzehnten wie folgende Beispiele zeigen: Seit 1960 hat sich der Preis für Semmeln um das 20-fache erhöht, für Wiesenbier um das 15-fache, Löhne um das 15-fache, Stundenlöhne für Handwerker um das 25-fache, in der gleichen Zeit wurde der Preis für Weizen und Gerste, aus denen Semmel und Bier hergestellt wird, um die Hälfte gesenkt.

Alle anderen landwirtschaftliche Erzeugnisse blieben auf dem Stand der 60er- und 70er-Jahre stehen. Für einen Kubikmeter Fichtenholz in den 60er- und 70er-Jahren den Gegenwert von 50 Handwerksstunden, heute noch eine Stunde. Wer kann mir erklären, warum in den letzten 60 Jahren das oben genannte um 10- bis 25-fache gestiegen ist? Und die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse gefallen sind? Meine Familie, ich und alle Nachbarsfamilien, die mir bekannt sind, die in der Vieh- und Milchwirtschaft tätig waren, haben in der Regel ihr Leben lang 365 Tage gearbeitet und sich viele Nächte um das Vieh gekümmert. Ausgerechnet wir Bauern, die jeden Tag gearbeitet haben, brauchen angeblich Zuschüsse vom Steuerzahler, der Rest der Bevölkerung, die freie Wochenende und Urlaub haben, könne sich ohne Steuergelder durchs Leben bringen. Das verstehe, wer wohle, ich verstehe es nicht.

Alois Schmid

Moorenweis

Wenn Herr Söder und Herr Aiwanger behaupten, die Bauern verschmutzten das Grundwasser nicht, so irren beide: Natürlich sind die Landwirte für die übermäßige Düngung und den Eintrag von Nitrat ins Grundwasser unmittelbar verantwortlich. Mittelbar sind die (Haupt-)Schuldigen aber die, die solche Rahmenbedingungen zu verantworten haben, die Politiker und die (sie steuernden) Wirtschaftsbetriebe der Agrar- und Chemieindustrie. Das Problemfeld reicht weiter: Solange die Produkte der „industriellen Landwirtschaft“ billiger sind als die Produkte des Ökolandbaus, da ihre schädlichen Auswirkungen auf Boden, Natur und den Menschen nicht eingepreist sind, wird sich daran auch nichts ändern. Es ist erschreckend, dass 50 % der Subventionen der EU in eine industrialisierte Landwirtschaft fließen. Unser aller Gelder werden also immer noch nach völlig falschen Prinzipien verteilt und setzen dadurch falsche Anreize. Nicht nur beim Klimaschutz, auch im Bereich Agrar und Landwirtschaft sollte die Politik die Empfehlungen der Wissenschaft in dem Bereich, vor allem der Agrarökologie, endlich zur Kenntnis nehmen und danach handeln.

Doris Rohe

Oberschleißheim

Frau Klöckner, Sie irren Sich. Das, was wir dringend brauchen, ist diese – wie Sie es abfällig nennen – Bullerbü-Landwirtschaft. Wir brauchen wieder eine kleinteilige, artenreiche Landwirtschaft. Die im Menschen- und Tiermaß arbeitet, nicht im Profit- und Maschinenmaß, und nicht noch mehr Ungerechtigkeit und Chaos im lebendigen Organismus Erde anrichtet. Sie muss kräftig gefördert werden. Sie wissen anscheinend nicht, dass der Artenschwund die größte Bedrohung für die Ernährung der Menschheit ist.

Die kleinbäuerliche ökologische Landwirtschaft ist bei Weitem nicht so ertragsschwach, wie Ihre Agrokonzerne es gerne hinstellen. Übrigens hat der Mensch auch eine Seele. Die verhungert bei intelligenten Traktorreifen, Hühnern und Schweinen in KZ-Haltung und Crispr/Cas Labor-Gentech-Patent-Saatgut. Haben Sie den Weltagrarbericht gelesen? Scheint‘s nicht. Sie als Landwirtschaftsministerin könnten die Weichen anders stellen. Aber dazu gehört große Charakterstärke und Abkehr von der Konzerndienerei. Was Sie machen ist kurzsichtig.

Cornelia Schmidtchen

Irchenhausen

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Köckner hat einen guten Frisör mit einem noch besseren Zahnarzt. Dann beißt‘s aber schon aus! Söder will dieses Heißluftleck mit, Gerd Müller dicht machen, einem gestandenen Mann, Menschen und Politiker! Fernab vom Ruche eines Lobbyisten ist Müller ein kraftvoller Gegen-den-Strom-Schwimmer („Nur Zeichenschwimmen mit dem Strom“). Und Scheuer plus ein gewisser Seehofer sollen in die Wüste geschickt werden. Weiter so Herr Söder!

Volker Fleig

Taufkirchen

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