Leserbriefe

Lieblingsthema Sprache

Georg Anastasiadis: Danke Audi, danke ZDF!; Kommentar 3. März, Unsere Ahnen bekamen das Problem schon in denn Griff; Leserforum 5. März

Ein Hoch auf die Genderisierung! Ich bin allen dankbar, die sich um die Genderisierung unserer deutschen Sprache verdient gemacht haben. Insbesondere den Moderator*innen bei Radio und Fernsehen, den Redakteur*innen beim Duden-Verlag, und den vielen anderen, die tapfer - gegen die Ewiggestrigen - unser fortschrittliches Gender-Deutsch verteidigen. Die bis dato erzielte zivilisatorische Glanzleistung einer sprachlichen Weiterentwicklung muss aber Ansporn zu weiteren Schritten sein, um eine umfassende und ausgeglichene sprachliche Würdigung der Geschlechter herbeizuführen. In diesem Sinne habe ich einige Kritikpunkte anzuführen: 1. Die Würdigung des weiblichen darf nicht zu einer Diskriminierung des männlichen Geschlechts führen. In obigen Beispielen steht dem Plural der *innen nur der Singular der männlichen Form gegenüber. Das darf nicht sein! Es muss heißen: Moderatoren*innen und Redakteure*innen. Mit entsprechender Übung lässt sich das ganz flüssig sprechen.

2. Unser Wortschatz muss noch viel mehr auf diskriminierende Elemente hin untersucht werden. Beispiel: Die Gegenüberstellung von „herrlich“ und „dämlich“ ist untragbar. Wir brauchen Arbeitskreise, die sich solcher Probleme annehmen, um die deutsche Sprache zu reinigen. 3. Schließlich ist es mir als Tierfreund eine Herzensangelegenheit, alle weiblichen Kreaturen in unserer Sprache würdig anzusprechen. In Tierreportagen müssen Affen und Äffinen, Kakerlaken*innen, Wale*innen und Küchenschabe*riche (auch das muss sein) eine Selbstverständlichkeit werden. Aber nun Spaß beiseite: Liebe Redakteure, Reporter und Moderatoren beiderlei Geschlechts, wenn unsere Dolmetscher (Frauen und Männer) anfangen würden, das in Erprobung befindliche Gender-Deutsch in die natürlich gebliebenen Sprachen der Welt zu übersetzen, so würde dies zu einem weltweiten Lachkrampf führen. – Aber Lachen soll gesund sein, was ja nicht schlecht wäre in Zeiten der Pandemie.

Marco Rudorfer

Freising

Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen – mit Generationen von Bäuerinnen. Weder meine Mutter noch meine Großmütter hätten sich jemals als Bauern bezeichnet. Und niemand hat ihnen deswegen mangelndes Selbstbewusstsein vorgeworfen. Als ich vor Jahrzehnten Philosophie studierte, lernte ich von dem bekannten Jesuitenpater Albert Keller SJ nicht nur die Macht der Sprache kennen – und wie sehr die Sprache das Bewusstsein prägt.

Ich lernte von ihm auch, dass Sprache lebt und sich dem gesellschaftlichen Wandel anpassen muss, wenn sie nicht tot sein soll (wie etwa Latein). Aus beiden Gründen bin ich seither ohne Wenn und Aber für die Gender-Sprache. Aber leider gab es in den 1980er-Jahren eine Vereinbarung des deutschen Presserats, wonach nur noch die männliche Variante geschrieben werden soll – aus Platzgründen! Als dann aus dem familiär getönten Begriff „Krankenschwester“ die Berufsbezeichnung Krankenpflegerin wurde, schrieb man plötzlich von „Pflegern“.

Nämliches passierte mit den Kindergärtnerinnen, als diese Berufsbezeichnung in „Erzieherin“ umgewandelt wurde. Plötzlich gibt es in der Presse fast nur noch Erzieher, obwohl sie nur etwa ein Prozent in der Berufsgruppe ausmachen. Den Vogel schießt der „Entbindungspfleger“ ab. Als die katholische Stiftungshochschule den Studiengang für Hebammen einführte, sollte der plötzlich „Studiengang für Entbindungspflege“ heißen. Weil Männer nicht Hebamme studieren? Weibliches Generikum? De facto haben wir also seit etwas mehr als dreißig Jahren eine Vermännlichung der Sprache. Das sogenannte männliche Generikum in Berufsbezeichnungen ist eine reine Machtkomponente.

Da Frauen früher nicht studieren oder berufstätig sein durften, gab es kaum weibliche Berufsbezeichnungen, außer zum Beispiel Gouvernante oder eben Bäuerinnen. Jetzt sind etwa zwei Drittel der Frauen berufstätig, da darf man dann schon mal erwarten, dass sie auch korrekt mit der weiblichen Form angesprochen werden.

Und ich erwarte mir hier deutlich mehr Solidarität von meinen Geschlechtsgenossinnen für starke, selbstbewusste Frauen.

Irmgard Hofmann

München

Es hat mal eine Managerin gegeben, die der Meinung war, sie als Frau würde es lieber aus eigener Kraft und Können in die zweite Führungsebene schaffen, denn als Quotenfrau in der ersten Ebene zu landen. Falls der Ausdruck „Audianer_innen“ von der Personal-Vorständin erfunden wurde, so beweist das immerhin eine gewisse Kreativität, den „Gender-*“ durch einen „Gender-_“ zu ersetzen. Ich hege allerdings den Verdacht, dass diese Dame ohne größere Qualifikation die Quote in der Management-Ebene erfüllen darf, wenn sie sonst keine Probleme findet.

Dieser Tage bin ich am Rathaus vorbeigegangen, da ist der Zutritt nur nach Anmeldung erlaubt. Nun gibt es ja Bürger und Bürgerinnen, die Leitung des Rathauses kann durch eine männliche oder weibliche Person erfolgen, eine Anmeldung müsste also dann gender-gerecht über die Bürger*innenmeister*innensekretär*innen erfolgen. Ist das Schwachsinn oder ganz einfach herrlich? Pardon: „Herr“lich ist natürlich verpönt, ob der Ausdruck „däm“lich dafür gender-passender ist?

Reinhold Baier

Weilheim

Merkt es denn keiner? Das jahrzehntelange generische Maskulinum, das jede(r) verstanden hat, so wie es gemeint ist – ohne jede Diskriminierung – wird nun von einer ohne jede Berechtigung selbst ernannten Gruppe klamm heimlich in ein generisches Femininum umgewandelt. Wobei der Appendix „innen“ wiederum nur ein einziges Geschlecht beschreibt. Daher müssten die Endungen korrekt „mwd“ heißen, um kein Geschlecht zu diskriminieren. Hier wäre eine Volksbefragung unbedingt erforderlich; die Bienen haben es auch geschafft. Erschreckend der Duden, der sich darauf einlässt (Gästin). Den habe ich als Rentner seit der unsäglichen Rechtschreibreform nicht mal mehr ignoriert. Ich bedaure die Sprachstudenten, die diesen Wust noch lernen wollen. Was haben wir doch für eine schöne Sprache: Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?

Edmund Lindenau

Germering

Wie wenig selbstbewusst müssen Menschen sein, die eine in Jahrhunderten gewachsene, lebende und sich selbst erweiternde Sprache als für sich diskriminierend empfinden. Sprache mit Gewalt auf Gendergerechtigkeit trimmen sollte dann aber auch konsequent gemacht werden, nicht nur aus allen Maskulina *innen, sondern auch aus allen Feminina *eriche. Und es müssen dann auch wirklich alle maskulinen Nomen gegendert werden, auch negative. Frauen und Diverse sind ebenso Mörder*innen, Vergewaltiger*innen und Verbrecher*innen , - Mensch*innen halt. Um der Gerechtigkeit und Gleichheit der Geschlechter willen sollte man dann auch Hebamm*eriche, Bäckereifachverkäuferin*eriche und Poltess*eriche sagen. Oder man schafft einfach „der“ und „die“ ab (was das Erlernen unserer Sprache bedeutend vereinfachte), ersetzt sie durch „das“, und alle können zufrieden sein: das Mann, das Frau, das Kind. Diesen Effekt könnte man auch erreichen, indem man an jedes Nomen egal welchen Geschlechts (oder Genders) ein -lein oder -chen, also die Verkleinerungs- bzw. Verniedlichungsform anhängte, was automatisch zum „das“ für alle führte. Aber Verniedlichung ist wohl eher nicht das, was toughe Genderistin*eriche und Genderist*innen im Sinn haben!

Christine Schnell

Freising

Die Leserbriefe zum Kommentar von Herrn Anastasiadis zeigen wunderbar die groteske Situation unserer Demokratie. Die Mehrheit der Leserbriefschreiber hat mit der überbordenden Gendermanie ihre Probleme und lehnt diese mehr oder weniger ab. Nur ein Leserbrief gibt kontra und geht sogleich auf die auch vollkommen überzogene Debatte über Rassismus im Zusammenhang mit den Namensgebungen von Apotheken, Gasthäusern, Gerichten (Zigeunerschnitzel, Zigeunersauce) usw. ein. Das Problem: Nicht die Mehrheit entscheidet, sondern Minderheiten. Unser ehemaliger Ministerpräsident hat dieses Phänomen vor Jahrzehnten schon einmal als die Diktatur der Minderheit bezeichnet.

Peter Megele

Wolfratshausen

Es schockiert, wie es einer Minderheit von eifernden Sprachstürmern mit einem geradezu faschistoid anmutenden Fanatismus und Glaubenseifer gelingt, sich unserer Sprache zu bemächtigen und dieses Kulturgut zu verhunzen. Und wie von mir bisher für intelligent und von Berufs wegen sprachkompetent gehaltene Kreise diesem Treiben kritiklos hinterherlaufen. Bilderstürmer, Bücherverbrenner und Sprachstürmer zeichnet auch im letzteren Fall ein Mangel an Bildung aus, weil sich ihnen etymologische Zusammenhänge – also die Herkunft und Geschichte der Wörter und ihrer Bedeutung – nicht erschließen: Wer sich über den Begriff „Mohrenapotheke“ ereifert, der weiß vermutlich auch nichts über die Großartigkeit der Maurischen Kultur. Ich warte darauf, dass diese Kreise fordern, Mozarts „Zauberflöte“ (wegen der Rolle des Monostatos) und Verdis „Othello“ von der Opernbühne zu verbannen. Wer sich speziell für Frauenrechte einsetzen möchte, für den gäbe es Wichtigeres und Dringlicheres zu tun als Sprachpolizei zu spielen und für solche Placebos wie Wort-Ungetüme und Gendersternchen zu kämpfen. Noch ein eindrucksvolles Beispiel für das Wunderwerk Sprache: Wir sprechen von „Muttersprache“. Gibt es ein schöneres Kompliment für die kulturelle Leistung der Frauen? Oder sollten wir jetzt besser von „m/w/d-Sprache“ reden?

Rainer Bannier

Bad Tölz

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