Mensch und Arzt

Karlsruhe verhandelt über Studium; Politik 4. Oktober

Ich bin schon sehr, sehr lange dafür dass die empathische Qualifizierung eines Studenten der Medizin im Vorfeld mit berücksichtigt werden muss. Es ist mir völlig schleierhaft dass der Präsident der Bundesärztekammer jetzt erst dafür plädiert. Man ist für diesen Beruf geboren oder eben nicht. Die Abiturnote sollte bitte bei der Vergabe nur ein Teilaspekt sein. Zu meiner Abiturzeit vor 30 Jahren fielen schon solche Sätze wie: Mein Abitur ist viel besser geworden als ich dachte, ich glaub ich studier Medizin. Der Satz hält sich bis heute, bitte nicht aus diesem Grund studieren oder wenn doch, dann bitte in die Forschung ohne Patienten-Kontakt. Ich habe genau solche Ärzte später dann erlebt. Zum Beispiel: „Sie werden lernen müssen mit diesen Schmerzen zu leben“ – ich war damals 25 Jahre alt. Gott sei Dank habe ich auch einen Arzt gefunden der mir sagte: „Ich kann Ihnen nichts versprechen aber ich versuche Ihnen zu helfen“ – er hat es geschafft. Mein Kind lag mit acetonämischem Erbrechen im Bett und war massiv ausgetrocknet. Sie musste dann in die Notaufnahme, Infusionen und mehrere Tage Klinikaufenthalt waren die Folge. Ein Jahr später wieder viel Erbrechen bei jeder Lageveränderung. Auf meinen Anruf beim Hausarzt: „Bringen Sie sie vorbei!“ Auf meine besorgte Antwort „Sie kann sich kaum bewegen, weil sie sich ständig übergibt“ legte er mit dem Satz auf „das geht schon“. Der andere Arzt, auch ein Hausarzt, der für Hausbesuche sehr wenig Geld bekommt, antwortete „ich verstehe Ihre Angst, ich komme vorbei“. Mensch und Arzt oder eben nur Arzt.

 Ines Reithmeier Nandlstadt

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