Was immer du tust, bedenke das Ende

Während der Lektüre einiger der Leserbriefe stellte sich bei mir eine Erinnerung ein: Ein Kreis von Schülern auf dem Pausenhof, in der Mitte zwei Jungen, der eine ein bekannter Raufbold, der andere zierlich und wie wir alle wussten, einer der Klügsten seines Jahrgangs.

Der Raufbold beschimpfte ihn und blähte sich dabei mächtig auf, der zierliche Junge versuchte ihn mit sachlichen Argumenten zu überzeugen. Dann kam es zum ersten Rempler. Ein anderer stieß den Buben wieder zurück. Immer mehr Schüler – darunter auch einige, denen er bei schwierigen Hausaufgaben geholfen hatte – schubsten ihn hin und her, bis ein Freund des Raufbolds ihm ein Bein stellte, woraufhin der Junge fiel und der Raufbold ihm einen Fußtritt versetzte. Die ihn umstehenden Knaben, beteiligten sich erst zögerlich, dann jedoch mit immer größerer Begeisterung, bis ein Lehrer kam und einige von diesen mit kräftigen Ohrfeigen (damals durften Lehrer das noch) zur Räson brachte. Auf Angela Merkel wird derzeit von vielen Menschen verbal genauso eingetreten. Je mehr sich die Situation durch das Verhalten der Visegrád-Gruppe, Russlands, Frankreichs und nicht zuletzt des Friedensnobelpreisträgers Barack Obama, durch dessen außenpolitischer Schwäche der Flüchtlingsstrom aus Syrien seinen Anfang nahm - zuspitzt, desto mehr wird Angela Merkel zum Buhmann des vereinigten Europas. Mich würde interessieren, welche Lösung diese Leserbrief-Schreiber bezüglich der Flüchtlinge zum Beispiel aus Aleppo vorzuschlagen haben? Soll man sie verrecken – bitte liebe Leser, entschuldigen Sie den derben Ausdruck, aber genau dieser trifft es – lassen?

Annemarie Fischer Wielenbach

In den arabischen Staaten tobt weiterhin ein mittelalterlicher brutaler Religionskrieg, jeder kämpft gegen jeden. Aber wie sieht es in unserer EU aus? Hier kämpft zwischenzeitlich auch jeder gegen jeden, wenn auch auf anderer Ebene. Europa ist aufgrund der eigenen Zerrissenheit und der daraus resultierenden Schwäche gar nicht mehr in der Lage, im Nahen Osten zu vermitteln bzw. Frieden zu schaffen. Es fehlt mittlerweile an Überzeugungskraft und auch an Respekt. Dank der Naiv-Politik unserer Kanzlerin demontiert sich Europa gerade selbst und demonstriert die eigene Unfähigkeit auch noch international. Die Reaktionen bleiben nicht aus: Die Türkei fordert Milliarden für die Versorgung der ständig steigenden Zahl syrischer Flüchtlinge. Mit dem ohnehin schon maßlos überforderten Griechenland ist sowieso nicht zu rechnen. Die skandinavischen Länder erwägen eine gemeinsame Grenze, auch Frankreich verweigert die Solidarität mit Merkel, die Briten stellen ihre Zugehörigkeit zur EU gleich ganz in Frage, die Ostblockstaaten lehnen diese Flüchtlingspolitik völlig ab und bauen munter weiter an ihren eigenen Grenzen. Nur Putin reibt sich die Hände und feuert das ganze Desaster mit weiteren Bombenangriffen auf Syrien noch an. Natürlich profitiert auch die internationale Waffenindustrie reichlich. Das Chaos regiert und die Situation erscheint aussichtslos. Soweit unsere Kanzlerin tatsächlich noch an ihre Kontingente glaubt, scheint sie wirklich nicht mehr von diesem Stern zu sein. Zu einem klaren Kurswechsel ist sie aufgrund maßloser Selbstüberschätzung nicht zu bewegen. Es bleibt nur noch, die Vertrauensfrage zu stellen.

Hannelore Grüning Bad Wiessee

Es wird tagtäglich eine Flut von Meinungen in den gesagten Medien, egal ob Presse, TV und Radio veröffentlicht. Vieles davon entspricht auch der Wahrheit über dieses Riesenproblem der Bundesrepublik. Dieses Problem kann und wird nicht zu lösen sein, wenn nicht schnellstens alle Parteien, unabhängig von ihrer sonstigen politischen Gesinnung, ihren teils lächerlichen, teils bösartigen und hinterlistigen Politstil einstellen. Sie sollten ihre Parteibücher in ihren Tresor einsperren, wo sie ihre (viel zu hohen) Diäten und ihren sonstigen Reibach als Lobbyisten verstecken. So gern, ich daran glauben möchte, dass dies geschehen wird, so sicher bin ich mir, dass dies nicht geschehen wird, da die Machtgier der meisten Politiker alle Vernunft im Keim ersticken wird. Mein Vorschlag, um eine Verhaltensänderung einzuleiten würde, ist zwar utopisch und für die echten Flüchtlinge mehr als fatal, aber die letzte Möglichkeit unser gesamtes politisches Personal in die Realität zu versetzen. Es sollten alte ehrenamtlichen, freiwilligen Helfer und Organisationen nur für eine Woche ihre Arbeit einstellen! Ich weiß zwar, dass diese Ehrenamtlichen dies nie tun würden, da sie alle durch die Bank aufrichtige und gute Menschen sind. Was man vom Großteil unserer Volksvertreter nie und nimmer behaupten kann. Wobei all diese Personen schon lange nicht mehr für das Volk, sondern für sich und ihren Wohlstand in ihren Ämtern sitzen, der von unserem Geld finanziert wird. Dass sie mit ihrem Verhalten den Nährboden für die NPD, die AfD und alle sonstigen braunen Gruppierungen (Pegida etc.) vorbereiten, geht diesen Personen nicht in ihr Hirn.

Werner Friess Hohenkammer

„Quidquid agis prudenter agas et respice finem.“ – Was immer du tust, handle klug und beachte das Ende. Wenn man will kann man aus der Geschichte lernen. Was heißt das, das Ende beachten? Dazu müssen die Tatsachen auf den Tisch und Entscheidungen aufgrund dieser Tatsachen gefällt werden Wenn ich das Handeln der Politiker betrachte gehen die nicht von den Tatsachen aus, sondern von Wunschdenken. Das Orakel hätte Kanzlerin Merkel sagen können: Wenn Du die Grenzen öffnest, wirst Du die EG zerstören. Merkel hat bei Kohl gelernt, der alles mit Geld entschieden hat. Diese Möglichkeit haben ihr die EG-Politiker der anderen Staaten längst aus der Hand genommen. Mit Menschlichkeit kann sie vielleicht den Papst beeindrucken, aber nicht Herrn Draghi, um nur einen zu nennen. Als meine Generation vor 70 Jahren das Öffnen der Grenzen anstrebte, hatte sie das friedliche Zusammenkommen der Nachbarvölker im Sinn und nicht das Wachstum der Wirtschaft. Die Wirtschaft kann auch keine Grenzen gebrauchen und hat auf Grenzenlosigkeit, sprich Globalisierung gesetzt. Aber dort gibt es kein friedliches Nebeneinander, sondern harten Konkurrenzkampf, der erst zu Ende ist, wenn der Konkurrent geschluckt ist. Dass sich dabei einige verschlucken, tut keinen Abbruch. Noch mal zurück zur neueren Geschichte. Jugoslawien konnte nur bestehen, solange Tito es mit harter Hand führte. Danach ist dieses Wunschland schnell zerfallen. Was hat die Beseitigung von Gaddafi bewirkt? Den Zerfall von Libyen! Was würde die Absetzung Assads bewirken? Eine Fortsetzung des Bürgerkriegs bis der letzte Syrer tot oder geflohen ist. Wir müssen uns mit der Tatsache abfinden, dass es Völker gibt, die – noch – nicht demokratiefähig sind und unser Handeln darauf ausrichten. Dort werden Mehrheitsentscheidungen einfach nicht akzeptiert. Die unterlegene Minderheit wird mit Waffengewalt ihre Ziele weiter verfolgen, solange sie Waffen hat. Und dazu tragen die Nachbarstaaten, nicht zuletzt auch die Bundesrepublik erhebliche Verantwortung. Auch die diplomatischen Bemühungen sind solange zum Scheitern verurteilt, bis keiner mehr einen Vorteil in Aussicht hat. Ich kann kein Ende sehen.

Herbert Bürgle Karlsfeld

„Friedenssuche für den Nahen Osten“; Leserbriefe 16. Februar, „EU-Gipfel: Rückschlag für Merkel“; Titelseite 15. Februar

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