Man muss vom Lohn leben können

„8,50 Euro mit wie vielen Ausnahmen?“; Politik 27. Dezember

 „Beim Mindestlohn“, sagt Gerda Hasselfeldt, „haben wir noch Gesprächsbedarf „. Das ist wahr. Aber nicht so, dass ständig neue Ausnahmen diesen Hungerlohn unterlaufen. Horst Seehofer sagt: „Der Mindestlohn darf keine Arbeitsplätze gefährden“. Wusste gar nicht, dass magere 8,50 Euro Arbeitgeber in den Ruin treiben können. Eher schon Arbeitnehmer, die nach Abzug der Steuern vielleicht mit 6 Euro nach Hause gehen müssen. Jemand, der das Vielfache verdient, dürfte nicht über einen Mindestlohn schwadronieren. Wir sind nicht in Indien, wo das diskriminierende Kastenwesen die Arbeit in wertvoll und weniger wertvoll einteilt und danach bezahlt. Bei uns wird von Schmutzarbeitnehmern gesprochen und man meint damit die Branche der Firmen, die unseren Dreck beseitigt. Menschen, die man je nach Kassenlage bezahlt. Im Gegensatz dazu gibt es die Gruppe der Politiker. Deren Bezahlung übertrifft bei Weitem ihre Leistung. Selbstherrlich und selbstgefällig legen sie ihre eigenen Mindestlöhne, pardon, Gehälter fest. Überheblich und arrogant plädieren sie für Einschränkungen in den niedrigeren Kasten, etwas mit dem Ausspruch: „Der Mindestlohn für zum Beispiel Zeitungsausträger wäre nicht sinnvoll. Den Menschen geht es nicht darum, von dieser Tätigkeit den gesamten Lebensunterhalt bestreiten zu können“. Da haben sie Recht, das geht nicht, aber nicht, weil sie das nicht wollen, sondern weil sie es nicht können. Die Definition des Mindestlohns müsste umgeschrieben werden. Jeder Mensch müsste mit seiner Arbeit so viel verdienen, dass er davon leben kann. Einschränkungen sind unzulässig.

Richard Birk Freising

Wenn ich lese wer vom Mindestlohn ausgenommen werden soll, bekomme ich einen riesigen Zorn. Praktikanten bekommen gar keinen Lohn, der Betrieb investiert in ihre Ausbildung, um ihnen einen Einblick in die praktische Arbeit, der Findung des Berufes oder zum Wiedereinstieg ins Berufsleben (bezahlt die ARGE) zu geben. Studenten riskieren die Streichung des BAföG, wenn sich die wirtschaftliche Situation verändert. Herr Seehofer ist inkompetent. Saisonarbeiter haben oft Verträge mit Firmen in ihrem Heimatland und werden nach deren Richtlinien bezahlt. Wir konnten im Sommer nachlesen unter welcher Bedingung diese Menschen vegetieren und betrogen werden, ebenso die Hilfsarbeiter an Bau. Herr Seehofer ist der Meinung diese Menschen brauchen eine Beschäftigungstherapie und müssen für ihre Arbeit nicht ordentlich bezahlt werden. Rentner, haben gearbeitet und bekommen nun eine Rente die oft den Namen nicht verdient. Miete und Strom haben eine Dimension erreicht die sie in den Ruin treibt. Die Gesundheitskasse zahlt keine Brille, keine Zähne und hat Arzneimittel von der Liste genommen. Ich kenne Rentner die ihre Medikamente nicht mehr bezahlen können, die Ihre Tabletten nur jeden zweiten Tag nehmen. Eine Teilnahme am kulturellen oder sozialen Leben ist ausgeschlossen. Ein Zeitungsausträger, der an 6 Tagen in der Woche bei Wind und Wetter mitten in der Nacht seine Arbeit beginnt, kann damit sicher nicht seinen Lebensunterhalt finanzieren, aber er kann sich ein lebenswertes Leben mit ein bisschen Annehmlichkeiten leisten. Zu dem Beispiel der Chor- und Übungsleiter, niemand ist gezwungen sich seine ehrenamtliche Arbeit zahlen zu lassen. Es gibt in Deutschland tausende Ehrenamtlichen, die eine echte Stütze des Sozialsystems sind, die gar nicht entlohnt werden. Ich habe mit 14 Jahren meine Berufstätigkeit begonnen, habe meine Arbeitszeit unterbrochen für mein Kind 1972-1975, habe für meine Mutter 1981 auf eine ½ Tagsstelle reduziert, weil sie pflegebedürftig war, dann meinen Vater betreut und ab 1995 bis 2009 wieder voll gearbeitet. Heute bekomme ich schwerbehindert 62 Jahre, rund 850 Euro Rente und ich habe einen Minijob weil diese Rente weit unter Hartz IV liegt und ich es nicht nötig habe dem Staat auf der Tasche zu liegen. Ich denke, dass es vielen Rentnern geht wie mir. Herr Seehofer wird Dank seiner Position nie in diese Lage kommen und seine Partei hat verlernt Altersarmut, Bildung für alle oder auch nur Respekt für unsere Lebensleistung zur Kenntnis zu nehmen. Er sollte sich schämen, dass Rentner die ihr Leben lang gearbeitet haben, gezwungen sind in Minijobs zu arbeiten, währen zu gleicher Zeit die Reichen geschützt, geschätzt und hofiert werden.

Edith Thorma Wolfersdorf

Auch interessant

Kommentare