Lange vertuscht und verschwiegen

Der entmachtete Kardinal und die Scherben von Regensburg; Politik 20. Juli

Worte Jesu: „Die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“ Jesus hat uns also vorgewarnt. Aber warum hat der Böse in dieser Welt so viel Macht? Würden die Christen mehr beten, vor allem auch für Priester, so hätte Satan und seine Anhänger nicht diese Macht, der Kirche von innen her Schaden zuzufügen. Also Ihr Kritiker, fasst Euch an der Nase! Betet, betet! 

Edeltraud Kozljanic München

Seit Längerem sind wir mit dem Fall Regensburger Domspatzen konfrontiert. Dieses Teil sogar unfreiwilliges wird einem schier aufgedrängt sich damit zu befassen. Nur eines vorweg, sehr behutsam wird der Stoff ja nicht gerade aufgetischt. Allein geht es um Aufklärung - wenn ja dann Jahrzehnte zu spät in jeder Hinsicht. Wer einigermaßen Zeit und „Lokal“ wo sich das abgespielt habe einigermaßen kennt wundert einem gar nicht so viel – und warum diese Art von Ausbreitung, die einem vorkommt wie Kolumbus’ Entdeckung von Amerika, ist sie so recht- oder rechthaberisch? Zu einem: Schüler (und ich war auch einer, zwar nicht in Regensburg wussten und die Eltern auch, dass Briefe nur durch die Zensur aus und eingingen. Hatte man einen schwarz hinausgeschwindelt kam das ja postwendend auf - im Antwortbrief - was mehr als Krach ergab. Dass Eltern kaum Hilfe waren oder zur Hilfe eilten, war ja ausgeschlossen. Dass diese das nötige Vertrauen ihrer Kinder hatten, war Seltenheit. Man war so oder so total ausgeliefert – diese waren sogar sehr stolz ihr Söhne d oder dort gewusst zu haben, prahlten sogar – oder wogen sich in Sicherheit gutes bestes getan zu haben. Nun allein alles auf die Institutionen zu schieben – deren Schuldberge aufzutürmen, ist nicht das, was man erwartete. Wenn Namen von Hochrangigkeiten in Verbund sind die leider von Unwissenheit umgeben sind, wird das berühmte „Fettauge“ auf der Suppe schwimmen. Warum Ehemalige mehr als 50 Jahre schweigen, ist das Rätsel schlechthin und man fragt sich, waren da nur Duckmäuse in den Heimen – es scheint so. 

Hannes Heindl Freising

Als praktizierender Katholik und kritisches Mitglied der sog. kath. Amtskirche verfolge ich die Vergehen an Kindern und Jugendlichen durch Amtsträger in verschiedenen kath. Institutionen und Gemeinden seit Jahren mit großer Abscheu. Mich tröstet dabei nicht, dass es vergleichbare Vergehen auch in der protestantischen Kirche sowie staatlichen oder privaten Institutionen gegeben hat. Auch wenn ich den Eindruck habe, dass die Medien die Tatbestände in der kath. Kirche besonders „genüsslich begleiten“, kann das nicht einmal zur Relativierung herangezogen werden. Auch die (viel zu späte Einsetzung) eines Rechtsanwalts zur Aufklärung der Tatbestände mit der jetzt erfolgten Offenlegung unvorstellbaren Einzelfälle kann die Verantwortlichen des Bistums Regensburg nicht von ihrer Gesamtverantwortung entlassen. Der Missbrauch von Kindern und Jugendlichen gehört zu den schändlichsten Verbrechen, die wir kennen. Und deshalb dürfen nicht nur die Priester und Pädagogen am Pranger stehen, die sich persönlich schuldig gemacht haben, sondern nicht zuletzt auch diejenigen, die in ihrer übergeordneten Aufsichtspflicht und damit in ihrer Verantwortung auf unentschuldbare Weise versagt haben. Genau so haben die versagt, die „nur vage davon gehört haben wollen“ und aus falsch verstandener Solidarität oder Feigheit den Gerüchten nicht nachgegangen sind. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob sie Chorleiter Ratzinger oder Bischof/Kardinal Müller heißen. Und wenn ich dann lese, dass alle diese Schandtaten verjährt sind, verschlägt es mir die Sprache. Das mag nach dem Gesetz zwar so sein, aber doch nicht für die kath. Kirche als Institution! Wo bleibt ein Wort der Entschuldigung oder Trauer für die Verfehlungen seitens der deutschen Bischofskonferenz oder ihres Vorsitzenden Kardinal Marx? Nicht schuldig, weil nicht zuständig oder keine Stellungnahme, weil nicht zuständig? Wer beantwortet mir die Frage, wer für den Ruf und die Glaubwürdigkeit der kath. Kirche in Deutschland zuständig ist? Ein oder mehrere Kinderschänder in Regensburg oder die hohen Repräsentanten der kath. Kirche in Deutschland? Wäre nicht „ein Hirtenbrief“ angebracht, der von allen Kanzeln verlesen wird, um den Gläubigen glaubhaft zu vermitteln, wie Ernst diese Verfehlungen von der Kirche genommen werden? Und noch etwas: Was geschieht eigentlich mit den Geistlichen oder Pädagogen in Regensburg, die sich schuldig gemacht haben? Werden sie bei gleichem Gehalt in ein anderes kirchlich-privates Internat versetzt, wie das in der Vergangenheit bei Vergehen von Geistlichen häufig gehandhabt wurde? (Wegen der Verjährung haben sie ja keine staatliche Strafe mehr zu fürchten.) Keiner, vor allen Dingen nicht die Kirchenführer, können sich da noch wundern, wenn weiterhin Zehntausende Katholiken die „Amtskirche“ verlassen? Aber solange die Steuern noch fließen, scheint das keinen Verantwortlichen wirklich und ernsthaft zu interessieren. Meine Familie wurde schon während der Nazizeit wegen ihres Bekenntnisses zur kath. Kirche diskriminiert, deshalb sehe ich ziemlich gelassen der Kritik entgegen, die mich wegen dieses Leserbriefes möglicherweise aus „meiner Kirche“ treffen wird. Übrigens … ich lege keinen Wert auf Beifall von der falschen Seite. Vielleicht gibt es ja doch noch ein Bekenntnis zur Verantwortung aus der Amtskirche in Deutschland. 

Gerhard Knülle Herrsching am Ammersee

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