Kritik am Depperltest

„Bald deutlich mehr ,Depperltests‘“; Titelseite, Lorenz von Stackelberg: „Unverhältnismäßig“; Kommentar 30./31. Januar

Dem Kommentar von Herrn Lorenz von Stackelberg kann ich überhaupt nicht zustimmen. Jeder kennt die Gefährlichkeit von Alkohol im Straßenverkehr. Es ist inzwischen auch Allgemeinwissen, dass bereits bei 0,3 Promille (ca. eine Halbe Bier) eine relative Fahruntüchtigkeit gegeben sein kann. Wer sich mit 1,1 Promille Blutalkohol ans Steuer setzt, weiß um die Unverantwortlichkeit seines Verhaltens. Um diesen Promillewert zu erreichen, muss man schon 3 - 4 Halbe Bier (je nach persönlichen Faktoren wie Geschlecht, Körpergewicht, Größe usw.) intus haben. Wer sich derart rücksichtslos den anderen Verkehrsteilnehmern gegenüber verhält, hat meines Erachtens sehr wohl ein Persönlichkeitsprofil, dass eine Wiederholungstat nahelegt und die Anordnung einer MPU rechtfertigt. Wenn dadurch in Zukunft nur ein Menschenleben gerettet werden kann, ist eine generelle MPU-Untersuchung ab 1,1 Promille keine Verschwendung von Nerven, Zeit und Geld. Denken wir doch nur einmal an das unsägliche Leid, dass Eltern erdulden müssen, deren Kind durch einen betrunkenen Autofahrer ums Leben kommt. Kosten dürfen dabei kein Hinderungsgrund sein! Vielmehr sollten diese in voller Höhe den Verursachern auferlegt werden. Für den Steuerzahler wäre das Ganze dann kostenneutral.

Kurt R. Hiller München

Wer sind die größeren Deppen? Wenn man sich einmal mit Personen unterhält, die zum Depperltest mussten und auch verschiedenen kritischen Berichten in den Medien glaubt, stellt sich die dringende Frage, ob die sog. Prüfer häufig nicht die größeren Deppen sind. Allein schon die Tatsache, dass die Durchgefallenen keine Begründung erhalten, warum sie den Test nicht bestanden haben, ist doch eine äußerst fragwürdige Maßnahme. Offensichtlich handelt es sich bei den mit hohen Kosten verbundenen Prüfungen um eine Lizenz zum Gelddrucken, wobei die vermeintlichen Experten selbst keinen brauchbaren Nachweis ihrer Qualifikation erbringen müssen. So sind dann die Alkoholsünder der Willkür dieser Leute – wie in einem totalitären Staat – hilflos ausgeliefert. Sagen sie beispielsweise, sie trinken überhaupt keinen Alkohol mehr, auch nicht zum Jahreswechsel ein Schlückchen Sekt, so unterstellt man ihnen, dass sie lügen. Sagen sie ja, zu diesem Anlass schon, sind sie sofort wieder der unbelehrbare Alkoholiker. Die Antwort spielt für die Ergebnisbewertung eigentlich eine völlig untergeordnete Rolle. Allein die Fragen und der Fragebogen erfordern eine dringende Überarbeitung und Harmonisierung in den einzelnen Bundesländern durch anerkannte Experten. Außerdem bezweifle ich, ob Fragen zum Intimleben, dem Verhalten in einer Partnerschaft und im Berufsleben dort hingehören. Sorry, wenn ich das so deutlich ausspreche, aber ein relativ hoher Anteil der Diplom-Psychologen, mit denen ich in meinem langen Berufsleben zu tun hatte (und das waren nicht Wenige), hatten eine erkennbare Macke. Teilweise man auch von einer Verhaltens-Auffälligkeit sprechen. Häufig habe ich die dann bei einem Glas Bier oder Wein gefragt, was die Gründe für dieses interessante Studium waren. Je nach Alkohol-Pegel kam dann oftmals dabei heraus, dass sie selbst größere Probleme haben und glaubten, diese mit einem Psychologie-Studium in den Griff zu bekommen. Diese Ehrlichkeit zeichnete sie aus! Übrigens: Bisher musste ich noch nie zu einem Depperltest.

Peter Blidon Unterhaching

Die MPU (Depperltest) ist einem Rechtsstaat mit Sicherheit nicht würdig, sondern sehr zweifelhaft. Die Depperl sitzen nämlich auf der falschen Seite, es handelt sich dabei nämlich vorwiegend um Personen die selbständig in der freien Wirtschaft wahrscheinlich keine oder nur sehr geringe Chancen hätten! Die MPU sollte in Ihrem Ursprung dazu dienen den Fahrerlaubnisbehörden eine Unterstützung zur Beurteilung von auffälligen Verkehrsteilnehmer zu sein! Die MPU hat sich aber als Alleinstellungsmerkmal entwickelt. Die Ausführenden Firmen horten auf Kosten der Betroffenen sehr hohe Geldsummen und halten sich selbst nicht an die Vorschriften! In jedem von den Anbietern gebotenen Informationsgespräch sowie auch die letzten Jahre von Experten der Goslarer Verkehrstage wird behauptet, dass eine Aufzeichnung des Psychologengesprächs aus Datenschutzgründen nicht möglich ist. Das ist eine glatte Lüge. Nachzulesen in den Geschäftsbedingungen vom TÜV Süd Life Service. Wenn keine Aufzeichnung vorhanden ist kann natürlich gegen bestimmte Praktiken nicht vorgegangen werden! Das schützt den Psychologen vor unliebsamen Nachfragen. In der Praxis des MPU Verfahrens wird auch bei den meisten Verfahren die vom Richter ausgesprochene Strafe, Führerscheinentzug auf Zeit, erheblich ausgedehnt! Bei einer Verurteilung zu 9 Monaten ist es beispielsweise gar nicht möglich in dieser Zeit den MPU Nachweis zu erbringen (12 Monate Abstinenz), dazu kommt der unsägliche Umstand das die Führerscheinbehörden erst bei einem Neuantrag des Führerscheins frühestens 3 Monate vor Ablauf der Sperrfrist über die Teilnahme an einer MPU entscheiden. Dies bedeutet für den Betroffenen mindestens eine Verlängerung der gerichtlich festgestellten Strafe von 18 Monaten. Das gibt es bei keiner anderen Straftat! Die Führerscheinbehörde kann auch mit bestandener MPU und mit dafür nicht geschulten Personal das Führen eines Fahrzeuges versagen! Der Großteil der mit solchen Verfahren konfrontierten Personen ist dann wirklich reif für den Psychologen. Meine Forderung: sofortige Abschaffung der MPU und dafür von einem ordentlichen Gericht erstellte Auflagen wie zum Beispiel Abstinenznachweis oder Entzugsmaßnahmen. Nachschulungen und so weiter, aber bitte mit richterlichen Beschluss und nicht durch ungeschultes Personal in Behörden oder durch nach Kommerz und Gewinn strebende Unternehmen.

Martin Mannseicher Dorfen

Zunächst ein ganz großes Danke für Ihren Kommentar! Treffender hätte man auf das Thema nicht antworten können! Ich fahre seit meiner Führerscheinprüfung in München im April 1965 täglich mehr oder weniger lange Strecken unfallfrei. Ich habe auf allen Straßentypen viel Erfahrung und wurde nie von einem Mann als Sonntagsfahrerin abgedrängt (mein Mann hatte keinen Führerschein). Ich bilde mich ständig weiter, das heißt, ich nehme jede Änderung der Verkehrsordnung wahr und in meinen Fahrstil auf. Andererseits sind mir nicht wenige „junge Fahrer/innen bekannt, die heute noch nicht wissen, wann man am Kreisverkehr blinkt. Und das man auch bei abknickender Vorfahrt blinken muss! Ich fühle mich nicht schuldig an der steigenden Unfallzahl, aber ich habe schon oft durch mein mitdenkendes Fahren Unfälle gerade mit jungen und jüngeren Auto- und Fahrradfahrern verhindert!!! Darüber schreiben die Verfechter der Pflicht-Testfahrten nichts! Warum nicht? Weil sie genau wissen, dass dann die Unfallzahlen nicht wesentlich zurückgehen würden! Aber man muss ja Schuldige für das momentane Ansteigen der Unfallzahlen finden! Außerdem werden die Straßen immer voller - jeder Abiturient muss ja heute unbedingt schon sein eigenes Auto haben! Wir können es uns ja leisten!!! Wenn man nun einen großen Teil der älteren - aber mit mehr Erfahrung versehenen - Autofahrer „ausmustert“, dann hat die junge, oft rasende Altersgruppe, mehr Platz auf den Straßen! Welcher mit dem Verkehr betraute Politiker ist so blauäugig, zu glauben, dass dann weniger Unfälle passieren??? Darüber gibt es doch schon frühere Studien! Aber wir Alten sind mal wieder im Wege - schade, denn wir sind die Wurzeln der Jungen! Ich habe mir kurz die Mühe gemacht und die Ausgabe vom besagten Montag nach den Unfällen durchgesehen: Ein einziger Unfall wurde durch einen 91-Jährigen verursacht! Gleichzeitig hat auch eine 40-Jährige und ein 21-Jähriger eine Geisterfahrt verursacht! Zwei zu eins! Des Weiteren sind in der gleichen Ausgabe noch Unfälle durch eine 45-Jährige, eine 27-Jährige, eine weitere 27-Jährige und einen 19-jährigen Autofahrer verursacht worden! Also 6 zu 1! Und das sind nur die, welche ich so im Überfliegen gefunden habe, wie viele werden nicht gemeldet? Und noch etwas wird nicht bedacht: Wer telefoniert mit dem Handy währen des Fahrens??? Ausschließlich die weit unter 75-Jährigen! Wer schreibt SMS während des Fahrens? Ebenfalls nur die jüngere Generation! Und dies sind starke Unfallgefahren, leider werden sie zu wenig von der Polizei geahndet. Und noch was sollte man bedenken: Wir älteren Fahrer sind oft ausgleichend in dem Rasereibedürfnis der Jungen. Sehr gut kann man das z.B. bei Geschwindigkeitsbeschränkungen beobachten! Ich halte mich an die angegebene Geschwindigkeit, wer bedrängt, blinkt und hupt mich manchmal sogar an? Junge Fahrer welche imponieren wollen, schnelle Autos haben und das auch zeigen wollen, vor der Freundin angeben wollen, usw. Stellen Sie sich vor, wir „Alten“ wären nicht da? Es wäre nur noch ein Gerase! Schauen Sie mal auf die Heinrich-Wieland-Straße, dort ist 50 km/h erlaubt. Was wird gefahren, wenn keine Polizei da ist? Mit quietschenden Reifen werde ich überholt! Heute erst hat mich ein junger Mann auf der A 94 kurz vor München rechts überholt, weil ich mich an die angegebene Baustellengeschwindigkeit von 80 km/h gehalten habe! Ich mag nicht an der Verkehr denken, wenn die Alten alle weichen müssen!!! Denn wenn die „Kontrollen“ erst mal losgehen, dann findet man bei jedem was, dann sortiert man aus! Aber man würde bei den mittelalten, bei den jüngeren und bei den ganz jungen Fahrern auch was finden, aber man kontrolliert die nicht, man hat ja die Alten als Sündenbock! Wir älteren Fahrer sehen und reagieren doch oft viel früher und gelassener auf eine sich anbahnende kritische Situation und verhalten uns dann auch danach - aber das will keiner sehen - warum nicht??? Ich selbst bin 73 Jahre alt. Meine Verwandtschaft ist in ganz Deutschland verstreut, ich fahre also nicht nur im dichten Münchener Stadtverkehr, sondern auch fast alle deutschen Autobahnen bis in den hohen Norden. Ich kann also mitreden und möchte nicht zugunsten, oder wegen der Jungen „ausgemustert“ werden. Wenn man die Statistiken ehrlich, ohne Vorurteile und interessenfrei führen würde, käme sicher eine neutralere Beurteilung heraus - aber wer will das schon? Wer hat an den wirklichen Tatsachen schon Interesse? Das fragt sich eine sehr betrübte, 52 lange Jahre fahrende, wenn nötig defensiv fahrende, Autolenkerin.

 Sigrid Palta München

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