In der Realität ist es noch viel schlimmer

Steffen Habit: „Mütter 1. und 2. Klasse“; Kommentar 14. Oktober

Schon erstaunlich, dass ein Bundessozialministerium erst jetzt entdeckt, dass Kindererziehen als Job den Müttern die Altersversorgung vermasselt. Wir Mütter wussten das durch unseren Rentenbescheid. Vor Zeiten der gesetzlichen Rentenversicherung waren viele Kinder mal der Garant für ein sorgenfreies Alter. Jetzt ist es umgekehrt für die älteren Mehrfach-Mütter im Westen Deutschlands, die sich regierungskonform verhalten hatten und mit ihrer unbezahlten Arbeit die fehlende Elternzeit, fehlende Kita, fehlende Ganztagsschule ausgeglichen und dem Staat damit viele Ausgaben gespart haben. Und die durch die damals auch fehlende Unterstützung wie Arbeitsplatzgarantie und Wiedereingliederungs-Schulung dann auch bei flüggen Kindern kaum mehr Rentenansprüche aufbauen konnten. 21 Jahre lang versprach die Politik, die unterschiedliche Regelung für Mütterrenten anzugleichen, ohne Taten. 21 Jahre lang wusste das Ministerium nicht, welche Altersarmut bei Frauen da gesät wurde? Und jetzt wird es noch schön gerechnet durch Mittelung der Mütter-Renten mit den Ostfrauen, die in der DDR beneidenswerte Familienunterstützung erhielten und daher meist ungebrochene Erwerbsbiographien haben. Die Realität sieht noch viel schlimmer aus: Viele Mehrfachmütter im Westen erhalten weniger als 300 Euro monatlich, etliche gar keine Rente. Hoffentlich sind die Politiker nicht nur mit ihrer eigenen Altersabsicherung beschäftigt oder Postenschachern. Sonst kann beim Koalitionspoker wieder schnell das Versprechen der Mütterrentenangleichung unter den Tisch fallen. Aufgepasst, Mütter, und diesmal gleich aufschreien!

Ulrike Adler Aktionsbündnis „Mütter für Rentengerechtigkeit“, Garmisch-Partenkirchen

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