Denkfehler von Konrad Adenauer abgemildert

Sebastian Horsch: Fragen der Gerechtigkeit; Kommentar, Milliardenstreit um die Mütterrente; Politik 19. Juli

Die Benachteiligung bei der Mütterrente, für Frauen welche vor 1992 Kinder geboren haben, ist unfair und durch nichts gerechtfertigt, so wie es Herr Horsch beschreibt. Der unqualifizierte Vergleich von „Äpfeln mit Birnen“ des Herrn Pimpertz zeugt von Respektlosigkeit und Ahnungslosigkeit. Früher war es vielen Frauen nicht möglich, bald nach der Geburt ihrer Kinder, wieder ins Berufsleben zurückzukehren. Es gab damals keine Kinderkrippen und die staatlichen Beihilfen waren, gegenüber heute, sehr dürftig. Die Folge war: Die Frau ist für Kinder, Haus und Garten und der Mann fürs Geldverdienen zuständig. Wenn diese Frauen später ins Berufsleben zurückwollten, war das speziell in ländlichen Gebieten sehr schwierig. Deshalb sind viele Frauen, notgedrungen, in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen beschäftigt gewesen. Das ist der zweite Betrug an den Frauen, weil dafür keine Gelder in die Rentenkasse einbezahlt wurden, obwohl der Staat vom Arbeitgeber ca. 30 Prozent Abgaben kassiert hat. Das bedeutet, dass diese Frauen nur eine kleine Rente bekommen. Und Sie, Herr Pimpertz wollen denen nicht mal die Mütterrente gönnen. Herr Horsch hat zu Recht festgestellt, die Mütterrente ist Aufgabe der Gesellschaft bzw. des Staates und nicht der Rentenversicherung. 

Ernst-Jürgen Schindler Haimhausen

Herr Pimpertz vom Institut der deutschen Wirtschaft meint: „Man könnte das Geld sinnvoller ausgeben als für die Erhöhung der Mütterrente.“ Bis auf seine Aussage, dass „die betroffenen Frauen bekommen allein aus biologischen Gründen in Zukunft wohl keine mehr“ liegt er in fast allen Punkten falsch. Betrachtet man sein Zahlenwerk genauer und zieht die Alterspyramide in Deutschland hinzu, ergibt sich, dass er den Tod der von der Erhöhung der Mütterrente betroffenen Frauen offensichtlich nicht eingerechnet hat. Bei überschlägiger Berechnung ergibt sich hier eine Reduzierung seiner Zahlen um ca. 250 Millionen Euro je Kalenderjahr ab 2019. Die berechnete Erhöhung der Renten ab 2018 berücksichtigt nicht die Dämpfungsfaktoren bzw. geht von einer sehr optimistischen Erhöhung der Gehälter und Löhne aus. Offensichtlich hat Herr Pimpertz sich nicht mit den damaligen Regelungen der Rente ab 60 für Frauen befasst. Viele Frauen mit Kindern, insbesondere mit drei und mehr Kindern konnten nach der Kindererziehung nicht mehr eine Berufstätigkeit aufnehmen. Rentenbeginn war dann allerdings das 65. Lebensjahr. Es ist auch der damalige Arbeitsmarkt, der ja nicht so gut wie heute ist, zu berücksichtigen. Die monatliche Rente der Frauen die nur bis zur Geburt des ersten bzw. weiterer Kinder nicht mehr berufstätig waren, liegt in vielen Fällen weit unter 500 Euro. Das Familieneinkommen muss also weitgehend vom Ehemann kommen. Wenn der Ehemann ein mittleres bis gutes Einkommen hatte, kann das Ehepaar keinesfalls gut versorgt sein. Selbst bei 35 Berufsjahren mit Höchstbeitrag ergibt sich nur eine Rente von circa 2000 Euro. Damals war die Kinderbetreuung nicht so gut ausgebaut wie heute. Selbst Kindergartenplätze waren damals sehr knapp und nicht überall zu erhalten. Ich meine, die Mütterrente ist wohl treffsicher, weil gerade Empfänger von sehr niedrigen Renten profitieren. Frau Müller hat richtig festgestellt, dass die Kinder, die vor 1992 geboren sind, die heutigen Rentenbeitragszahler sind. Davon profitieren auch die Ehepaare, die auf Kinder verzichtet haben und damals wie heute einen höheren Lebensstandard als Ehepaare mit Kindern hatten/haben. Es findet auch keine Umverteilung zu ungunsten der jüngeren Generationen statt. Es wird eigentlich nur der Denkfehler von Herrn Konrad Adenauer abgemildert, der meinte die Leute bekommen immer Kinder und somit sind diese bei der Rentenermittlung nicht zu berücksichtigen. Wenn Herr Pimpertz nicht älter als 70 Jahre ist, weiß er vielleicht nicht, dass den meisten Frauen damals heute selbstverständliche Haushaltsgeräte nicht zur Verfügung standen. Bei mehreren Kindern war eine Berufstätigkeit schlichtweg oft nicht möglich. Ich bin stolz auf meine Frau, die unsere drei Kinder sehr gut betreut hat und sie verdient auch die Erhöhung der Mütterrente.

 Johann Höckenreiner Germering

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