Unbezahlbar?

Sebastian Horsch: Fragen der Gerechtigkeit; Kommentar, Milliardenstreit um die Mütterrente; Politik 19. Juli

Es ist erstaunlich, dass die Erhöhung der Mütterrente als unbezahlbar erscheint, andererseits aber 21,7 Milliarden Euro im Jahr 2016 im Rahmen der Flüchtlingspolitik erbracht werden konnten und auch in den nächsten Jahren zu erbringen sind. Darüber hinaus wird mehr oder weniger akzeptiert, die Militärausgaben von derzeit 1,2 % (34 Milliarden Euro) mittelfristig auf bis zu 2 % (mehr als 60 Milliarden Euro) des Bruttosozialprodukts anzuheben. 

Peter Perret Murnau

Auch ich finde es ungerecht, dass Mütter die Anrechnung auf Erziehungszeiten für die Rentenberechnung aufgrund des Geburtsjahres ihrer Kinder erhalten. Wie schon einige Leserinnen argumentierten, gab es für Mütter bis 1987 keine längeren Erziehungszeiten und für Frauen die ab dem Jahr 1961 nur ein Kind gebaren, gab es kein Kindergeld. Erst wieder ab 1975 erhielt man für das erste Kind, Kindergeld. Dafür durften die sogenannten „Altmütter“ auch früher mit weniger Abzüge und steuerfrei in Rente gehen – hatten also doch einen Vorteil. Bei mir im Jahr 1987 gab es erstmalig den Erziehungsurlaub von 10 Monaten. Dieser konnte aber nur in Anspruch genommen werden, wenn ein Partner vorhanden war, der den Unterhalt während dieser Zeit finanzierte. Es gab damals höchstens monatlich 600 DM Erziehungsgeld und damals war ich ledig. Für die Erziehungszeit meines Kindes erhielt ich nur 1 Rentenpunkt. Seitdem schaffte es die Politik uns Mütter die vor 1992 Kinder geboren hatten, wenigstens 2 Rentenpunkte pro Kind zu gewähren. Gut so ! Allerdings wurden uns Mütter damals in den Achtziger Jahren viele Steine in den Weg gelegt, um überhaupt, trotz Kind, berufstätig zu sein. Immerhin musste man damals noch 15 Jahre Beiträge in die Rentenkasse eingezahlt haben, um überhaupt Rentenberechtigt zu sein. Heute sind das nur noch 5 Jahre. Da ich noch heiratete, erhielt ich keinen städtischen Kindergartenplatz. Die Kirche bot mir einen Platz bis 14 Uhr an. Das nützte mir nichts, denn ich arbeitete bis 18 Uhr. Ganztags zu arbeiten war damals mit Kind fast nicht möglich, denn Städtische Kindergärten schlossen bereits um 17 Uhr und Gleitzeit die es ermöglichten sein Kind bis 17 Uhr abzuholen, gab es in den wenigsten Firmen. Ich gab mein Kind schließlich in den griechischen privaten Kindergarten, der mehr kostete, mir aber den Rücken frei hielt. Den größten Kampf hatte ich dann noch bei der Hortplatzvergabe. Es war schlimm. Frau Merkel hat NULL Ahnung. Viele Frauen gaben damals den Kampf auf und blieben zu Hause. Das rächt sich jetzt bei deren Rente. Im Moment bin ich immer noch berufstätig und das werde ich bis zum Regelalter bleiben, denn ich bekomme viel mehr Abzüge und muss die Rente teilweise versteuern. Ich habe also hier keine Vorteile was die Rente anbelangt. Meine um zwei Jahre jüngere Schwester hatte Glück. Sie arbeitete erst mal 24 Jahre lang und gebar ab ihrem Vierzigsten Lebensjahr, nacheinander zwei Kinder. Dann nahm sie 6 Jahre Erziehungsurlaub und erhielt 6 Rentenpunkte. So einfach geht das. Ich finde, was die Rentenpunkte anbelangt, sollte das Alter der Mutter berücksichtigt werden und nicht das des Kindes. Einrechnen sollte man auch das Regelalter für die Rentenberechtigung und ob jemand Erziehungsgeld, Elterngeld, Erziehungsurlaub, Kindergeld etc. erhielt. Dann ist es gerecht für alle Mütter. Oder aber: Alle Mütter bekommen 3 Rentenpunkte. Wir Mütter sind das wert!

 Romana Bigl München .

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