Die Freude war kurz

Der Durchbruch – das will die Koalition erreichen; Politik 13./14. Januar

Die Nachrichten waren günstig: Ich „alte Mutter“ würde nun meinen dritten Mütterrentenpunkt bekommen. Für zwei Kinder zwei Punkte macht circa 50 Euro mehr. Juhu! Die Freude war kurz. Den dritten Rentenpunkt würde ich nicht bekommen. Den gibt es erst ab drei Kinder oder mehr. Warum eigentlich? Warum nicht erst ab fünftem Kind oder besser noch ab zehntem Kind. Das wäre doch für die Rentenkasse viel günstiger. Wer hat schon zehn Kinder? Da hätte man doch wirklich besser sparen können! Stop! Die Eselei ist auch so schon groß genug. Erst trennt man alte von jungen Müttern, das Stichjahr ist 1992. Das nicht genug. Jetzt gibt es für die Gruppe alte Mütter noch mal zwei verschiedene Gruppen: Den dritten Rentenpunkt bekommen nur diejenigen alten Mütter, die drei oder mehr Kinder geboren haben. Mütter mit ein oder zwei Kinder gehen leer aus. Ich glaube, ich kenne den Grund. Bananen und Gurken müssen alle gleich lang sein, gleich gekrümmt sein. Das ist Vorschrift! Bei Mütterrentenpunkte ist es umgekehrt. Die müssen unterschiedlich sein. Vorschrift! Aha, deswegen! Ja dann!

 Christa Rupp München

Nach der letzten Bundestagswahl haben Politiker von Union und SPD kleinlaut erklärt: „Wir haben verstanden“. Fakt ist, dass sie gar nichts verstanden haben, wenn man die Sondierungsergebnisse zwischen Union und SPD genauer betrachtet. So soll die Mütterrente erweitert werden. Müttern, die ihre Kinder vor 1992 bekommen haben, soll künftig auch das dritte Erziehungsjahr angerechnet werden. Laut Sondierungsvereinbarung soll das aber nur für Mütter gelten, die drei und mehr Kinder vor 1992 zur Welt brachten. Ganz offensichtlich sind Mütter die weniger als 3 Kinder geboren haben, weniger wert als solche, die 3 und mehr Kindern geboren haben. Es gibt also in Deutschland nach dem Verständnis der Politiker Mütter 1. Klasse und Mütter 2. Klasse. Das ist nur noch menschenverachtend und diskriminierend. Haben Politiker eigentlich keine Mütter? Wurden sie alle vom Klapperstorch gebracht? Zum besseren Verständnis für alle Politiker: Jede Mutter die ein Kind gebärt, bringt einen künftigen Beitragszahler zur Welt, der später. auch die überdimensionierten Diäten von Politikern mitfinanziert. Und jede Mutter ist gleich viel wert! Wann kapieren unsere Politiker endlich, dass Mütter Menschen sind und keine Gebärmaschinen, die je nach Produktivität beurteilt werden? Falls es tatsächlich zu einem Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD kommt und hier nicht alle Mütter, die vor 1992 Kinder zur Welt brachten, gleich gestellt werden, dann sollen sie lieber auf diese unsinnige Ungleichbehandlung verzichten, denn diese Regelung birgt nur wieder sozialen Sprengstoff, den so keiner braucht. 

Heinz Schweitzer Hörlkofen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Raffgier
Teresa Dapp: 25 Millionen mehr für Parteien; Politik 16./17. Juni
Raffgier

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.