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„Neger“ ist kein Schimpfwort

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Kommentare

Lorenz von Stackelberg: „Sag niemals ,Neger‘! Kultur des Beleidigtseins“; Kommentar 2. September, „Künstliche Pflicht-Empörer“; Leserbriefe 3. September

Mit dem Wort Neger verbinde ich (Kriegsgeneration) nur Positives. Als kleines Kind wünschte ich mir nichts sehnlicher als ein Neger-Pupperl, Negerküsse oder auch Mohrenköpfe waren für uns eine Köstlichkeit. Neger waren es auch, die uns kleinen Kindern mal eine Schokolade, einen Dollar oder auch Kaugummi schenkten. Wenn ich daran denke, welche, teilweise fäkalen Wörter heute im Gebrauch sind, auch in den Medien, dann bin ich vollkommen der Meinung des Kommentars von Herrn von Stackelberg. Hanni Resch Unterhaching

Als ich 1958 als junges Mädchen aus dem Norden nach München kam, wurde ich jahrelang mit den Worten beschimpft: „Lieba an Nega ois an Preiss“, weil ich Hochdeutsch sprach. Das habe ich nicht vergessen. Drum finde ich es wunderbar, dass Roberto Blanco mit dem Wort „Neger“ leben kann und willkommen ist bei uns. Jetzt haben die Bayern den Spieß rumgedreht, jetzt sind ihnen die Preissn lieber! Nebenbei bemerkt sind die „Schwarzen“ genauso Menschen wie wir auch und sollten nicht diskriminiert werden! Helga Bitterling Bad Tölz Ihr Leser Dr. Jörg Müller spricht aus, was viele denken: Es gibt in unserem Lande Leute, die anderen vorschreiben, was sie zu denken, zu reden und zu schreiben haben. Wenn Minister Herrmann Roberto Blanco als „wunderbaren Neger“ bezeichnet, ist dies doch eher eine Frage der ethnischen Abstammung, aber durchaus keine Kränkung. (Im Übrigen ist Roberto Blanco afrokubanischer Abstammung). Er dürfte sich über Herrmanns Werbung sehr gefreut haben. Nachdem man schon erfolgreich den „Zigeuner“, die „Putzfrau“ und den „Lehrling“ aus unserer Sprache entfernt hat, soll der Begriff „Neger“ auch endgültig eliminiert werden. Der Sarotti-Mohr und der Negerkuss haben schon dran glauben müssen, und der bayerische „Neger“ (Cola-Weißbier) ist auch schon lange tabu. Die Leute, die dauernd an unserer Sprache herummäkeln, berufen sich immer wieder auf die Würde des Menschen. Bischof Marx plädiert für korrekten Umgang mit der Sprache in Bezug auf Asylbewerber und Barbara Stamm hat gar ihre Partei zu sorgfältiger Vermeidung diskriminierender Bezeichnungen im Umgang mit Zuwanderern aufgefordert. So kann man natürlich vieles verharmlosen. Eine „Asylantenflut“ ist diskriminierend – „Andrang Hilfesuchender“ klingt freundlicher. Auffallend ist: Menschen, die sich über Bezeichnungen wie „Asylbetrüger“, „Neger“ oder „Zigeuner“ aufregen, weil die Menschenwürde in Gefahr sei, verwenden auffallend häufig gegenüber konservativ eingestellten (nicht gewalttätigen) Mitbürgern, die z.B. bei Demos ihre Meinung kundtun, Begriffe wie „Pack“, „braune Soße“, „Nazi“ oder „Mob“. Otto Kellermann Moosinning

Sehr geehrter Herr von Stackelberg, ich möchte mich für Ihren Kommentar bedanken. Ich stimme Ihnen in vollem Umfang zu. Bleiben Sie dabei, Ihre Bewertung und Einschätzung der politischen Situation in unserem Land kundzutun, auch wenn sie nicht mit der von der Mehrzahl der Politiker, einer Reihe von Prominenten und den meisten Medien publizierten Meinung(smache) übereinstimmt. Für mich entstammt Ihr Kommentar einem gesunden Menschenverstand und einem gesunden Gerechtigkeitsverständnis. Ich bin der festen Überzeugung, dass die überwiegende – jedoch ruhige und unauffällige – Mehrheit der Menschen nach wie vor über ein ebensolches gesundes natürliches Empfinden verfügt. Paul Ehrhardt Garmisch-Partenkirchen

Sehr geehrter Herr von Stackelberg, vielen Dank für Ihren Kommentar, ich sehe das genauso. Je „liberaler“ und „bunter“ unsere Gesellschaft wird, desto hysterischer reagiert man in solchen Debatten. Das Zigeunerschnitzel verschwindet auch zunehmend, obwohl es eine tolle Sache ist. Selbst bei AfD-Veranstaltungen isst man inzwischen ein „Paprikaschnitzel“. Chris Dasch Eglfing bei Murnau

Zuerst muss ich sagen, wie froh wir sein können, dass wir so einen fleißigen Innenminister Herrmann haben. Er kümmert sich um alles und ist immer präsent, wenn es um heikle Themen geht. Herr Rinderspacher regt sich nun über das Wort „Neger“ auf und fordert von Herrn Herrmann den Rücktritt. Das ist alles lächerlich – wir haben doch zurzeit wirklich andere Sorgen, die bewältigt werden müssen. Um die sollte sich Herr Rinderspacher vielleicht mal kümmern – aber er tut ja nur das, was ihn vielleicht in die Presse bringen kann. Lissy Putz München

Ich war sieben Jahre alt, als uns die Amerikaner im Mai Gut getroffen, Herr Stackelberg: Tatsächlich gibt es Wichtigeres auf dieser schönen Welt, als sich über den verbalen Ausrutscher eines Ministers zu erregen. Das war zudem eher eines der kleineren Fettnäpfchen, in die Herrmann da getappt ist. Gerade seine Partei aber fällt momentan dadurch auf, dass sie den Beleidigten spielt. Erdreisten sich doch die Bundeskanzlerin und einige Damen und Herren der Opposition, den 100. Todestag ihres vermeintlich großen Ex-Herrschers nicht mit zu feiern. Jetzt sind sie deswegen böse und schmollen in ihrer schwarzen Ecke, die CSU-Oberen, werfen wütend mit Verbal-Dreck um sich wie Kinder im Polit-Sandkasten. Dass ihr Ziehvater Strauß gar nicht der tolle Politiker war, für den sie ihn ausgeben, dass dieser bestechliche Dauer-Choleriker die Bürger viele Nerven, unseren Staat viel Geld gekostet und sich mit der Spiegel-Affäre dazu noch bis auf die Knochen blamiert hat – darüber soll jetzt gnädig der Mantel des Vergessens gelegt werden. Völlige Überhöhung eines banales Jubiläums heißt so etwas. Vielleicht haben ja jene bösen Zungen Recht, die meinen, dass die CSU, wenn sie schon auf Bundesebene nichts auf die Wege bringt, wenigstens in Bayern noch eine Party steigen lassen sollte – ebenfalls mit lauter Unwichtigen. Marion Katzenberger Traunstein

1945 von dem Naziterror befreiten. Meine Mutter und ich, wir lebten bisher in München in der Steinheilstraße, waren zu diesem Zeitpunkt in Siegsdorf bei einer Familie untergebracht. Wir hatten das Nötigste zum Leben. Als sich die deutsche Wehrmacht in diesem Raum auflöste, blieben eine Reihe von beladenen Lastautos mit Werkzeugen und Lebensmittelkonserven, darunter auch Wurst- und Fleischdosen, zurück. Ich rüstete mich mit einem Leiterwagen aus und ging zum Organisieren – nicht zum Stehlen. Ich bestieg einen Lastwagen und fand dort Dosen mit Corned Beef. Endlich eine Menge Fleisch, so ein Fund. Als ich die Dosen zusammentrug, sprang plötzlich der Motor des Lastwagens an. Ich sprang zum Sichtfenster in Richtung Fahrersitz. Da sah mich ein dunkelhäutiges Gesicht mit weißen Zähnen an. War dies ein Geist oder? Ja, es war ein Neger, der erste, den ich je sah. Er war ein netter Mensch, er half mir, meinen Leiterwagen mit den Dosen zu füllen. Uns hatte man beigebracht, dass ein dunkelhäutiger Mensch ein Neger und einer mit Schlitzaugen ein Mongole sei. So wurden wir aufgeklärt, ohne jemanden diskriminieren zu wollen. Vielleicht sollten sich die Leute, die hinter der Vokabel Neger ein rassistisches und fremdenfeindliches Menschenbild sehen, sich auch Gedanken machen, dass zu einem anderen Zeitpunkt dieser Ausdruck eine andere Bedeutung hatte, als dies heute der Fall ist. Alfred Huber München

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