Nicht alle Kinder für Krippen geeignet

„Ein Kind braucht ein stabiles Umfeld“; Leserbriefe 31. Juli, Christine Ulrich: „Eine neue Chance“; Kommentar, „Neue Munition gegen das Betreuungsgeld“; Politik 28. Juli

 Was mich an der Debatte um die Kleinkindbetreuung stört, ist, dass die Befürworterinnen häufig anführen, wie gut ihr Nachwuchs dort aufgehoben ist und wie viel Spaß er mit den anderen Kindern hat. Das mag ja zutreffen, aber es sind nun mal nicht alle Kinder gleich veranlagt. Ich denke, dass sowohl das Umfeld wie auch die Gene bei der Entwicklung eines Kindes von großer Bedeutung sind. Das Kind einer eher rationalen als emotionalen Mutter, deren Lebensentwurf auf Selbstverwirklichung und Karriere ausgerichtet ist, wird die Umstellung vom Elternhaus in eine Kita mit großer Wahrscheinlichkeit besser bewältigen als ein Kind, das die ersten Lebensjahre zu Hause bei der Mutter verbringen kann, wodurch logischerweise auch ein innigeres Verhältnis entsteht. Jede Mutter, deren Kleinkind beim ersten Abschied in einer Kita mit Angst reagiert, weint, sich an die Mutter klammert, von dieser aber - im Vertrauen darauf, dass sich seine Ängste schon legen werden – zum Bleiben genötigt wird, sollte sich bewusst machen, dass sie damit ihrem Kind eventuell einen irreparablen, psychischen Defekt zufügt, dessen Auswirkung sich zumeist erst während der Pubertät bemerkbar macht. In jedem Fall bleibt es nicht ohne Folgen auf solch ein kleines Menschenkind, dem man den Sachverhalt ja noch nicht erklären kann, ausgerechnet durch den, von ihm am meisten geliebten Menschen, den ersten Vertrauensbruch erfahren zu müssen.
Annemarie Fischer
Wielenbach

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