Pegida-Proteste beweisen aufgestauten Unmut über Politik

„Altkanzler warnen: Pegida appelliert an dumpfe Vorurteile“; Politik und „Mehr Materialismus“; Leserbriefe 7. Januar

Anlässlich der Flüchtlingsthematik ist ständig von der ach so reichen Bundesrepublik die Rede. Welcher Reichtum ist denn damit gemeint? Der unseres Staates, der selbst mit Steuereinnahmen in Rekordhöhe nicht einmal eine ehrliche Schwarze Null zuwege bringt und allmählich alleine an den Kreditkosten für seine Schuldenberge fast erstickt? Der nicht imstande ist, seine Infrastruktur vor dem Zerbröseln zu bewahren, dem keine Rezepte gegen das Gespenst einer katastrophalen Massenaltersarmut einfallen? Oder der Reichtum junger, qualifizierter Menschen, die hoffnungslos dem Traum einer Festanstellung hinterherhecheln? Der Reichtum der Durchschnittsbürger, die unter den Kürzungen u. a. im Gesundheitswesen schwer zu leiden haben? Oder jener des Mittelstands, der sich zunehmend der Gefahr des sozialen Abstiegs ausgesetzt sieht? Nein, der Reichtum in unserem Lande konzentriert sich immer mehr auf die Eliten in Wirtschaft und Politik, also auf Kreise, die bisher nicht groß durch Opferbereitschaft und soziales Engagement aufgefallen sind. Die erforderlichen Finanzmittel zur Abfederung zusätzlicher Lasten sind von dieser Seite sicherlich nicht zu erwarten. Ob es wohl Frau Merkel und ihrer VIP-Lounge schon dämmert, dass die sich formierenden Proteste weitaus mehr mit dem aufgestauten Unmut der normalen Bevölkerung zu tun haben als mit tumber Ausländerfeindlichkeit?
Alfred Müller
Neufinsing

Wenn man die Pegida-Proteste genau anschaut, so geht es dort in erster Linie um den zunehmenden religiösen Fanatismus. Gerade jetzt hat dieser Fanatismus sein hässliches Gesicht gezeigt und wahllos Menschen in Paris ermordet. Es zeigt, dass islamkritische Presse nicht geduldet wird. Ich kann deshalb verstehen, dass es in unserem Land Menschen gibt, die Angst vor einer Parallelgesellschaft haben, die von den bürgerlichen Parteien geduldet und von Rot/Grün gefördert wird. Leider werden diese Leute pauschal als „Nazis“ diffamiert, oder dass sie „eine Schande für Deutschland“ sind. Das sagen ausgerechnet der deutsche Justizminister und auch hohe kirchliche Würdenträger. Der Großteil dieser Demonstranten geht es nicht um die vielen Flüchtlinge, sondern um die Veränderung in unserer Gesellschaft. Ich hoffe, dass die islamischen Würdenträger sich schnellstens von den Morden in Paris distanzieren und nicht wieder – wie bei den IS-Angriffen – wochenlang warten, bis sie diese Morde missbilligen. Migranten sind in unserem Land willkommen, wenn auch sie einen Beitrag zur Integration leisten. Ich höre immer wieder von Migrantenverbänden, dass wir zu wenig dafür tun. Aber jeder, der zu uns kommt, muss auch seinen Beitrag dafür leisten und den sehe ich nicht in der Masse, sondern nur bei denen, die sich wirklich integrieren wollen.
Heinz Steinmann
München

Der oben genannten Leserzuschrift von Frau Martz kann ich nur zustimmen. Bei Recherchen über die Geschichte des Islam und seine Aufspaltung in Sekten und unterschiedliche Glaubensrichtungen stieß ich auf die Bahai-Religion, die weltweit noch immer acht Millionen Anhänger hat. In einer Anweisung vor 300 Jahren heißt es da: „Verkehret mit allen Religionen in Herzlichkeit und Eintracht, auf dass sie Gottes süße Düfte von euch einatmen. Hütet euch, dass euch im Umgang mit den Menschen nicht die Hitze törichter Unwissenheit übermanne!“ Der gute Rat sollte auch heute noch für alle Gläubigen und auch Nicht-Gläubigen Geltung haben.
Felix Heidenberger
München

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