Jetzt reicht’s!

Simone Dattenberger: „Falsche Vorsicht“; Kommentar 12./13. Januar

Jetzt reicht’s! Arme kleine Kinder, jetzt hat auch noch die neue Welle, die in allen Winkeln sucht, was an unsere anrüchige Vergangenheit erinnern könnte, Eure Kinderbücher erreicht. Es geht um Otfried Preußlers „Kleine Hexe“. Verleger Herr Willberg meint (ganz unpolitisch versteht sich) um das Werk von einer Generation zur nächsten zu transportieren, müsse es sprachlich angepasst werden. Da ginge es vor allem um das Wort Neger. Auch unsere Familienministerin Kristina Schröder regt sich über heikle Kinderbuchpassagen auf und sie sollen entschärft werden. Da geht es noch um andere Bezeichnungen wie Indianer, Zigeuner, Menschenfresser usw. bei einem Faschingstreiben in diesem Buch. Nicht auszudenken, was uns dabei noch an Verunglimpfungen des deutschen Sprachgebrauchs zugemutet werden. Für einen sehr witzigen Ersatz für das von Kindern immer noch gern gebrauchte Wort „Negerlein“ haben wir schon ein „Schornsteinfegerlein“. Wie stellt ein kleines Kind sich das eigentlich vor? Ein kleines Kehrbuberl auf dem Schornstein? Sehr witzig! Es kommt aber noch schlimmer. Nicht einmal den geliebten Struwwelpeter lassen die Weltverbesserer in Ruhe. „Pankpeter“ schlage ich vor, würde doch zeitgemäß sein! Wie soll man denn eigentlich zu einem kleinen Negermädchen, das einen lieb anschaut, mit seinen schwarzen Kulleraugen sagen? Schwarzerle oder Farbige? Es würde heimlaufen, in den Spiegel schauen und sich unglücklich von den Weißen ausgegrenzt fühlen… Was soll auch noch der Vorschlag mit Fußnoten und die alten Wörter beibehalten? Kinder stellen doch Fragen, und was soll man ihnen dann erklären? Unsre Vergangenheit? Wir dürfen nicht vergessen, dass unsre Nachkommen in eine total globale Welt hineinwachsen, in der sie sich ganz von selbst daran gewöhnen, dass es verschiedene Menschen gibt auf dieser Welt, egal wie man sie bezeichnet, mit anderem Aussehen und Gewohnheiten, ohne sie gering zu schätzen. Ohrfeigen und Prügel sollten Kindern fremd sein, das finde ich auch, ist gut so. Aber, wenn man schon beim Nachdenken über strengere Regeln ist, sollte man nicht übersehen, dass die täglichen Fernsehsendungen mit wilden Prügel und Gewaltszenen, in das kindliche Gedankengut hineinprojiziert werden. Da tätig werden, Frau Ministerin, wäre sehr begrüßenswert. Geht nicht – ich weiß.

 Hedwig Sebald Ottobrunn

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Stimmen zu Corona
Stimmen zu Corona
„Neger“ ist kein Schimpfwort
„Neger“ ist kein Schimpfwort

Kommentare