Einwanderung anno dazumal

„Bund will Flüchtlingen Wohnort vorschreiben“; Politik 22. Februar

Im Starnberger Merkur las ich den Artikel und war ein wenig überrascht, dass ausgerechnet unser Innenminister Thomas De Maizière vor Ghettobildung in unseren Städten warnt. Immerhin waren doch seine Vorfahren Hugenotten und wurden vom Soldatenkönig Friedrich Wilhelm vor fast 300 Jahren nach ganz anderem Prinzip in Ostpreußen angesiedelt. Das sollte ihm doch eigentlich bekannt sein. Immerhin war die Flüchtlingsansiedelung seinerzeit Chefsache und wurde vom König mit größter Fürsorge und höchstem Engagement persönlich betrieben. So kann man in einschlägiger Literatur nachlesen wie beispielsweise mit den Salzburgern verfahren wurde. Es war ihnen sehr wünschenswert, dass sie hier nicht durch weite Entfernung getrennt lebten und die aus den Gerichten Werfen und Bischhofshofen kommenden reichten deswegen auf ihrem Durchzuge in Berlin am 30. Junius 1732 beim Könige eine Bittschrift ein, „dass man sie doch beisammen lassen möchte.“ Dieser bewilligte ihnen, durch einen Cabinetsbefehl vom 13ten Julius, ihre Bitte. Im Junius, Julius und August kamen die Menschen, die man so wie sie eintrafen, jeden nach seinem Gewerbe, versorgte. Die Armen erhielten Bauernhöfe, welche der König ihnen, mit dem nötigen Besatze, unentgeltlich verlieh. Diejenigen, welche etwas Geld in Händen hatten, kauften Kölmische oder Freigüter. Es haben auch die aus Frankreich vertriebenen Refugees, auf Landesherrschaftliche allergnädigste Erlaubnis in Königsberg ihr Asylum gefunden und sich ziemlich etablieret, daher auch ihre Sprache und Moden, zumal unter Vornehmen in Gebrauch kommen, auch die Straße auf der Burg=Freiheit, wo die meisten wohnen, die Französische Gasse genannt wird. Weiter steht geschrieben: „Als nun aber mit Eintritt der späten Jahreszeit noch so viele Tausende ankamen, entstand eine augenblickliche Verlegenheit wegen ihres Unterkommens. Man stellte also viele zur Urbarmachung der seit der Pest wüste liegenden Ackerstücke besonders in der Nähe von Polen an und gab ihnen Tagelohn, von dem selbst Kinder und alte Personen, die wenig mehr arbeiten konnten, nicht ausgeschlossen waren. Diese arbeitenden Familien lebten, so lange es möglich war, unter Zelten“. Friedrich Wilhelm nennt einmal die Salzburger seine neuen Söhne. Er behandelt sie väterlich. Ihr allererster Trupp ist schon Frühjahr 1732 nach der Fahrt über das von den Gebirgsbewohnern so gefürchtete Meer nach Ostpreußen gelangt und zumeist im „Haupt-Stut-Amt im Complexus Trakehnen“ beschäftigt worden. Um die Einwanderer in „Aemtern“ sorgt sich nun der König besonders: Man solle sie gütlich halten, nur glimpflich zur Arbeit anmahnen, weil sie die Kost nicht gewöhnt sind, sich in der Verpflegung „einigermaßen nach ihrem Genie bequemen“. Das sind Seiten des Soldatenkönigs, die einfach zu kurz kommen in seiner Biographie. Er wird leider immer reduziert auf Küstrien und dem grausamen Kopfabschlagen, des Verräters und Freund des Kronprinzen Frierich d.2., Katte und den langen Kerls. Was die polnische Solidarität in der Flüchtlingspolitik angeht da wäre in diesem Zusammenhang noch ein sehr interessanter Fakt zu erwähnen. Die Städte Ragnit, Tapiau, Darkehnen, Gumbinnen, Schirwindt, Pillkallen, Stallupönen, Nikolaiken, Preußisch Holland und Bialla sind Gründungen des Soldatenkönigs zum Zwecke der Flüchtlingsansiedelung. Alles Städte, die heute im polnischen Besitz sind und im ehemaligem Ostpreußen ( Masuren) zu finden sind.

Reinhard Haack Starnberg

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