Brüderle und die Frauen

„Rückendeckung für Rainer Brüderle bei Partei-Empfang“; Politik 28. Januar

Wer verfällt wem in der Sexismus-Affäre? Das ist ein Jahr später offensichtlich immer noch hoch aktuell. Die im Spiegel und Merkur gleichlautend abgedruckte Aussage von Brüderle „Politiker verfallen doch alle Journalistinnen“ lässt diese Frage offen. Nämlich, wer ist das Dativ-Objekt? Entweder verfallen die Politiker allen Journalistinnen oder umgekehrt alle Journalistinnen verfallen den Politikern. Das ist eindeutig zweideutig und Zweideutiges ist sexistisch. Das weiß ja nun jeder. Wenn allerdings dazu kommt, dass er die im Dirndl ausgestellte Oberweite angeschaut, anerkannt und versucht hat, sich mit einem Handkuss zu revanchieren, dann ist der Abgrund des Sexismus erreicht. Wenigstens weiß ich jetzt, warum ich mich damals gegenüber meinen Eltern gesträubt habe, den Handkuss zu lernen. Ich war und bin eben doch ein anständiger Kerl. Aber Spaß beiseite. Eine ganz andere Sorge treibt mich um, nämlich dass den Meinungsmachern bei dem publikumswirksamen FDP-Mobbing langsam der Stoff ausgeht.

Germut Bielitz Grainau

Frau Himmelreichs zur Hölle schreiende Empörung über die „Anzüglichkeit“ des beschwipsten alten Lustmolchs Brüderle und das Echo bei den durch Gendermainstreaming sexuell verwirrten Kolleginnen im deutschen Feuilleton offenbart eine dramatische Unkenntnis der deutschen Literatur. Spätestens seit Goethe hätten sie solche Anmache zu deuten wissen müssen: „Du siehst mit diesem Trank im Leibe / Bald Helenen in jedem Weibe.“ Für jene die Klassik verachtenden 68er legte Bert Brecht deftiger nach: „Im Zustand der gefüllten Samenblase sieht der Mann in jedem Weib Aphrodite.“ Wir hoffen, dass Herr Brüderle schon vor der Ausnüchterung seinen Fehler bemerkt, diesen aber aus Taktgefühl für sich behalten hat. Nun zwingt ihn Frau Himmelreich, ihr die bittere Wahrheit auch coram publico zu sagen.

Franz Lassak München

Der Herr Brüderle hat es zu später Stunde an der Hotelbar gewagt, die Journalistin Laura Himmelreich „sexistisch“ anzumachen. So weit, so nicht so gut. Aber nun wartet der „Stern“ ein ganzes Jahr danach die Offenbarung dieser Geschichte auf, um den Betroffenen zu verunglimpfen, just zur Eröffnung des Wahlkampfs. Dazu passt hervorragend Günter Jauchs Schwätzerrunde am Sonntagabend, wozu er eigens das Thema kurzfristig geändert hat. Da saßen sie dann, die Feministinnen verschiedener Generationen, um die Männer mal wieder so richtig in Grund und Boden zu stampfen: Die Jung-Emanze, die auf Twitter (outen sich dort auch Intelligente?) angeblich 60 000 Jawohl-Sager zu ihrer Aktion „Aufschrei“ animiert hat. Geht’s noch dümmer? Dann die Europa-Botschafterin Koch-Mehrin, jetzt wieder ohne Doktortitel, die es vorher nicht lassen konnte, sich hochschwanger, aber dennoch umso lasziver auch im „Stern“ zu räkeln. Politisch bringt sie ohnehin nur Dürftiges, also muss es mit der Sex-Kampagne gehen. Zuguterletzt die Tante Emma (Alice Schwarzer), die sogar dem Moderator eine verbale Hilfestellung für Rainer Brüderle unterstellte, obwohl dieser nur einfache Fragen stellte (Günter Jauch ist eben auch nur ein Mann). Nun ja, sie ist ja die oberste Frauenrechtlerin und muss dementsprechend oberlehrerhaft auftreten. Wie wohltuend dagegen Wiebke Bruhns, die, hielte man ihr vor, sie sei eine Emanze, dies wohl nur mit einem Lächeln abtäte, wie sie es auch in dieser Sendung tat, also immer noch mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität steht. Den Gipfel stellte aber der Stern-Redakteur (dessen Name ich vergessen habe) dar, der meinte, endlich wieder einmal mehr zur richtigen Zeit und zum richtigen Thema Volksweiterbildung (ich lach mich tot!) betrieben zu haben. Natürlich hatte nur er Recht und sonst niemand - von den Männern (anwesend nur noch Prof. Karasek, der selbst mit seinen Entkrampfungsvorschlägen bei der geballten Frauenpower keine Chance hatte) versteht sich. Ist doch schön, dass es Politiker gibt, die sich noch trauen und Journalisten, die aus jedem Mist etwas machen.

Jochen Weder Neufahrn

Das Verhältnis zwischen Journalisten und Politikern gleicht manchmal einer Hass-Liebe. Keiner kann ohne den anderen auskommen; erst biedert man sich gegenseitig an, doch dann wird bei passender Gelegenheit jede Äußerung gnadenlos gegen den anderen verwendet. Nein, Herr Westerwelle, das sind keine Zerrbilder, sondern Spiegelbilder! Oder anders ausgedrückt: Warum soll es einem Brüderle besser ergehen als einem Steinbrück? Wahrscheinlich erfährt Ersterer mehr Nachsicht, denn schließlich ist Liberalismus ein Grundgedanke der FDP, den Brüderle wohl all zu wörtlich genommen hat. Frei nach dem Motto: Des Brüderles Lust und Wille ist sein Himmelreich! Deswegen ist er aber noch lange kein deutscher DSK (Dominique Strauss-Kahn). Peer Steinbrück hat es da schon schwerer, denn seine gelebte Darstellung von sozial ist wesentlich gewöhnungsbedürftiger.

Gerd Liebchen München

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