Grenze von Geldausgeben und Macht

„Brasilien: Die verkaufte Jungfrau“; Politik 1./2. Dezember

Das also ist es: Erotik mit einer Jungfrau für 600 000 Euro! Im Flugzeug über neutralem Boden. Damit ist für breite Volksschichten auch geklärt, warum reiche Menschen, die alles besitzen, was diese Erde zu bieten hat, immer noch reicher werden wollen. Und es sind sicher nicht nur die Phantasien der Männer – es werden sich auch ein paar teure Jüngelchen für vermögende Damen finden lassen. Dabei ist damit die Grenze von Geldausgeben und Macht noch nicht erreicht: In der Bibel bekam eine enttäuschte Dame schon den Kopf des unerreichbaren Jünglings auf dem Silbertablett serviert. Eine Frage aber stellt sich: Warum müssen immer mehr Menschen immer härter für diese Eskapaden arbeiten? Wann wird übermäßiger Reichtum und übermäßige Macht eigentlich einmal geächtet - als unanständig empfunden? Wann werden die Medien-Tänze um die goldenen Kälber einmal kritischer? Damit nicht genug: Diese ausufernde Oberschicht ist auch noch wütend auf die einfachen Menschen, weil diese das von den Reichen oft so teuer erkaufte Glücksgefühl viel öfter und im schönsten Fall auch noch umsonst bekommen. Aber Abtreten von dieser - im wahrsten Sinne des Wortes - in ungeahnter Höhe gezeigten Macht- und Reichtumsdemonstration wird wohl keiner. Zumindest nicht freiwillig. Wann hinterfragen eigentlich diejenigen, die täglich ihre Arbeitskraft oder ihr Können einsetzen, für wen oder für was sie dies alles tun? Wann hören sie endlich auf, an die Brosamen vom Tisch der Reichen zu glauben und endlich aktiv und nachdrücklich die gerechte Verteilung der erwirtschafteten Vermögen zu verlangen. Wobei den anständigen Besitzenden alles vergönnt sei: die Lamborghinis und die Villen am Meer - auch sie schaffen Arbeitsplätze. Aber eben: mit Anstand und dem würdig leben lassen des Untergebenen. Reichtum nur um des Reichtums willen und diesen dann auch - mit allen Mitteln verteidigen zu müssen - sollte der Vergangenheit angehören. Sonst wird es passieren, dass noch viele Menschen sehr viel arbeiten müssen für den einen, dem der 600 000-Euro-Sex viel Spaß gemacht hat. Und er möchte das vielleicht noch einmal und noch einmal.

Hans-Peter Haimerl München

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