Wir alle genießen Religionsfreiheit

Claudia Möllers: Ein Schaden für alle; Kommentar 1. Dezember

Man kann nur staunen, wie Einzelne oder kleine Minderheiten in gesellschaftspolitischen Fragen vor den Gerichten in Deutschland Recht bekommen. In wirtschaftspolitischen Angelegenheiten verlieren vor Gerichten die Minderheiten so gut wie regelmäßig (vergleiche 3. Startbahn München). Wenn man aber genauer hinschaut, kann man sich des Eindrucks nicht verwehren, dass, wenn es um Belange vorwiegend aus Bayern geht, zum Beispiel Kruzifix-Urteile, Feiertagsregelungen, Waffengesetze von Minister Maas (betreffen weniger Terroristen als viel mehr Schützenvereine, Traditionsvereine aus Bayern und Jäger), alles ohne das dafür erforderliche Maß und Ziel reguliert wird. Strauß, Stoiber, alles was aus Bayern kommt, hat in Deutschland zu wenig Stellenwert, ausgenommen die Berge (in arabischen Prospekten ohne Gipfelkreuz), die Seen, Landschaften, Schlösser, Kunstdenkmäler, Dichter, Denker und natürlich die finanziellen Ausgleichszahlungen an den Bund. Der wirtschaftlich, politisch, sozial und geistig sehr starke Freistaat Bayern könnte ohne Deutschland existieren, die EU, welche jetzt schon am Auseinanderfallen ist, ohne Deutschland nicht. 

Georg Oberwallner Hohenpolding 

Sehr geehrte Frau Möllers, an dieser Stelle kann ich zunächst versichern, dass der „Bund für Geistesfreiheit München“ in der Tat Grund zum Jubeln hat. Neuneinhalb Jahre brauchte der von mir als damaliger Vorsitzenden gezielt initiierte „Heidenspaß statt Höllenqual“ durch alle bundesdeutschen Gerichtsinstanzen, bis wir jetzt vor dem Bundesverfassungsgericht Erfolg hatten. Nach einer solchen Anstrengung würden Sie auch jubeln. Und der Jubel ist begründet. Niemand verwehrt Ihnen als Christin, dass Sie an diesem Tag, an dem Sie eines Herrn gedenken, der unser (und vieler anderer Menschen) Herr nicht ist, nur bedächtige Musik hören, kein Fleisch essen, selbstverständlich nicht tanzen und vielleicht sogar trauern möchten. Dies ist Ihr gutes Recht, wir alle genießen Religionsfreiheit. Das Thema ist aber, dass Ihnen und einer Vielzahl von Christen das eben nicht genügt. Sie möchten mithilfe des Staates weiterhin darauf bestehen dürfen, dass alle anderen Bürger und Bürgerinnen Bayerns – egal welcher Weltanschauung – Ihnen dies an diesem Tag weitestgehend gleich tun müssen. Und das sogar in zu eigenen Lasten angemieteten Räumen mit Schankanlagen, zu deren Betreten niemand (auch Sie nicht) genötigt oder gezwungen wird, und deren Betreiber sich selbstverständlich in Bezug auf Jugendschutz, Emissionen etc. an die geltenden Gesetze halten. Ihre Ausübung Ihres eigenen Glaubens wird durch eine Party, Fest, Feier irgendwo in einem Raum/Gaststätte/Theater etc. in München in keiner Weise berührt, eingeschränkt oder gar behindert, denn Sie gehen ja wohl nicht hin. Was aus meiner Sicht dann irgendwie seltsam anmutet, ist, dass Sie mit Ihrem Kommentar ernsthaft behaupten möchten, der christliche Karfreitag mit seinen Fröhlichkeitsverboten für alle Menschen hierzulande wäre die selbstverständlich überhaupt nicht als Religionszwang zu interpretierende, halt in Gesetz gegossene christliche Tradition als Ruhe-Geschenk der Christen für alle Menschen. Und natürlich das vollkommen selbstlose Anliegen, die oberflächliche und vergnügungssüchtige Menschheit des 21. Jahrhunderts zu ihrem eigenen Wohl zumindest mal in Bayern zur Besinnung, zum Inne-Halten zu führen. Sei es auch gegen ihren mehrheitlichen Willen. Sie schreiben, dass wir vielleicht dermaleinst drauf kämen, was wir mit unserer Klage ausgelöst hätten. Dazu kann ich nur sagen, dass Sie uns intellektuell unterschätzen. Damit es zu solch einer Klage überhaupt kommt, bedarf es sehr gründlicher Vorbereitung und gezielter Öffentlichkeitsarbeit, denn es ist für ein Erzbischöfliches Ordinariat wohl gar nicht mal so einfach gewesen, unter den damals, am Karfreitag 2007, über 400 öffentlich beworbenen, rein kommerziellen Parties nur in München, genau unsere herauszufinden. Als langjährige Unternehmerin, davon über 25 Jahre mit eigenem Produktionsbetrieb in Geretsried, darf ich im Übrigen anmerken, dass die im deutschen Kalender garantierten gesetzlichen Feiertage für die Arbeitnehmer mitnichten ein Geschenk von den christlichen Kirchen für Körper, Geist und Seele der geschundenen Werktätigen hierzulande sind. Es handelt sich in Wahrheit um hauptsächlich von den Arbeitgebern nicht freiwillig finanzierte, durch staatliche Gewalt erzwungene „Geschenke“ an ihre Mitarbeiter. Die Verantwortung für die staatlichen Finanzen bzw. deren Verwendung durch die öffentliche Hand im Hinblick auf Renten- bzw. Pflegefinanzierung können Sie uns „Gottlosen“ beim besten Willen nicht auferlegen. Somit ist dieses Urteil kein „Schaden für alle“, sondern ein hart erkämpfter Segen für die Umsetzung der Trennung von Staat und Kirche und die Anerkennung der Religionsfreiheit, die die Freiheit von jeder Religion zumindest ein wenig berücksichtigt. 

Assunta Tammelleo München

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