Rente – Vorbild Schweiz und Österreich

Armut und Leid von Millionen Deutschen ist vollkommener Unfug? Man kann ja verschiedene politische Ansichten vertreten.

Die einen teilen lieber die Meinung der Arbeitgeberseite, während auf der anderen Seite viele die Interessen der Arbeitnehmer vertreten, und naturgemäß sind diese beiden Meinungen gegensätzlich. Was aber in Deutschland auf Millionen von normalen Bürgern im Alter zukommt, ist kein Grund für eine profane politische Debatte mehr, sondern ein Akt der Menschenverachtung gegenüber Millionen von Menschen. Altersarmut in einem der reichsten Länder dieser Erde ist Fakt und wird in Zukunft noch mehr existieren. Deshalb ist es mir nicht verständlich, dass sogenannte Rentenexperten wie Reinhold Schnabel und seine Meinungsgenossen behaupten, das, was hier in Deutschland aktuelle Realität ist, wäre vollkommener Unfug. Solche Behauptungen sind menschenverachtend. Dabei noch anzuführen, dass ja viele Rentner zu zweit wohnen und dadurch mehr Rente hätten, ist ein unmenschlicher Hohn und ungeheuer dreist. Es ist ja nicht nur das Leid der Rentner, sondern viele Arbeitnehmer in Deutschland werden psychisch krank aufgrund der Zukunftsaussichten an ihrem Lebensabend. Wie Arbeitnehmer unter solchen Voraussetzungen und dem Leistungsdruck, dem Sie heute ausgesetzt sind, gute Ergebnisse liefern sollen, ist mir schleierhaft, aber gerade daran sollten Arbeitgeber ja interessiert sein. Man kann sich solche Äußerungen nur so erklären: Menschen die über genügend Reserven verfügen, müssen sich keine Sorgen um die Zukunft machen, und die anderen gehen uns nichts an.

Gerald Hartl Valley

Im März 2013 hat die Universität Bochum eine Studie zur Rentensituation vorgelegt. Wenn sich nichts ändert, dann wird sich der Beitrag zur Rentenversicherung von derzeit etwa 19 % bis zum Jahr 2060 auf 27,2 % erhöhen um ein Rentenniveau von 41,2 % zu erreichen. Die Studie enthält den Hinweis, dass eine Versicherungspflicht auch für Beamte, Selbständige und Politiker die beste Möglichkeit ist, die Renten zu sichern. Ein sinkendes Rentenniveau und steigende Beitragssätze können so verhindert werden. Vor einigen Tagen stand in der Zeitung, dass jetzt auch in Österreich alle Verdiener Beiträge in die Rentenkasse einzahlen müssen. Dort beträgt die Durchschnittsrente jetzt 1800 Euro im Monat. Bei uns nur 1050 Euro. Ich kenne jetzt sechs Länder in Westeuropa wo alle Verdiener Beiträge zahlen müssen. Das muss endlich auch in Deutschland gemacht werden. Alle anderen Maßnahmen führen zu nichts und bringen kaum Verbesserungen.

Peter Mörwald Allershausen

Es ist schon erstaunlich welche Leute sich als Experten für ein Problem in Szene setzten dürfen. Der Rentenexperte Reinhold Schnabel beschreibt u.a. in dem Artikel, dass die Erhöhung der Mütterrente für Mütter vor 1992 auf 2 Jahre pro Kind – bisher 1 Jahr – damit die Rentenkasse extrem belastet? Vielleicht ist es ihm entgangen, dass gerade diese Mütter halfen, Deutschland wieder mit aufzubauen. Aber mir ist schon klar, dass die Erhöhung der Mütterrenten für die Mütter ab 1992 auf 3 Jahre pro Kind ihm vermutlich entgangen ist. Denn wenn diese Renten auszuzahlen sind, dann interessiert es diesem Experten ja nicht mehr. Vielleicht ist vielen Experten auch entgangen, dass seit 2004 die Renten beginnend mit 50 % in 2jährigen Schritten jeweils 2 % steigernd, nachgelagert versteuert werden müssen. Dadurch müssen Rentner jedes Jahr von ihrer Rente einige Tausend Euro Steuern bezahlen. In dem Artikel „Die wichtigsten Fragen zur Rentendiskussion“ wurde die Altersarmut in Ost und West behandelt. Dabei wurde festgestellt, dass 32 Prozent der Männer und 70 Prozent der Frauen in den alten Bundesländern und 17 Prozent der Männer und 39 Prozent der Frauen in den neuen Bundesländern von Altersarmut betroffen sind. Da stellt sich die Frage, warum es notwendig ist das Rentenerhöhungen in den neuen Bundesländer immer prozentual höher ausfallen als in den alten Bundesländern?

Gotthard Hollrieder Peiting

Hoffentlich wird das diesmal eine echte Reform, ohne Rentenkürzungsformeln. Auch das Rentenalter muss bei 65 bzw. 63 Jahren bleiben, bei bestimmten Berufsgruppen auch früher ohne Abschlag. Es wäre nötig, den Rentensatz von 48 % wieder auf mindestens 50 % anzuheben. Wie wäre es denn mit einem ähnlichen Modell wie in der Schweiz: Es müssen alle Beschäftigten einzahlen und es gibt eine Mindest- und Höchstgrenze bei Rentenauszahlungen. Die unsozialen Beitragsbemessungsgrenzen müssen weg. Angebracht wären auch Pauschalbeträge statt Prozentbeträge bei Rentenerhöhungen einzuführen, um die unteren Renten deutlich anzuheben. Die geplante Lebensleistungsrente ist völlig daneben, sie hilft nicht wirklich. Die Beiträge sollten solidarisch zu gleichen Teilen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern einzuzahlen sein, um dem Namen Sozialversicherung gerecht zu werden! Dazu gibt es auch Vorschläge zu einer Bürgerversicherung.

Bernhard Maier Peiting

Kaum wird wegen der permanent wachsenden Altersarmut eine längs überfällige Rentenreform ins Gespräch gebracht, werden in den Medien sofort Gegengeschütze aufgefahren. So bekam der Ökonom und Rentenberater der Bundesregierung Prof. Reinhold Schnabel in ihrer Zeitung eine ganze Seite um seine neoliberalen Ansichten darzulegen. Einleitend stellte er erst einmal fest, dass die WDR-Prognose vollkommener Unsinn ist und die Berechnungen hinten und vorn nicht stimmen. Als Begründung nannte er als Hauptargument, die Durchschnittsrente von derzeit 850 Euro stimmt so nicht, weil ja öfters mehrere Rentner in einer Wohnung zusammen leben. Und somit die Hausgemeinschaft natürlich über ein vielfaches des Rentendurchschnitts verfügt. Dumm nur, wer halt im Alter alleine unterwegs ist! Alleine diese Aussage spricht schon Bände. Man muss sich wirklich nicht wundern, dass bei solchen Rentenexperten unser Rentensystem in Schieflage gerät und tausende in die Altersarmut getrieben werden. Eine weitere Erkenntnis des Ökonomen ist, dass die Riester-Rente keineswegs gescheitert ist. Sie ist halt nur nicht das richtige Instrument um Altersarmut zu vermeiden. Aha! Da darf man aber dann schon mal nachfragen, für was die Millionen an Riester- Subventionen bezahlt worden sind. Und warum der Riester-Faktor in der Rentenformel das Niveau regelmäßig runterzieht. Da überrascht es natürlich auch nicht, dass der Rentenberater der Bundesregierung als Lösung der Altersarmut primär ein höheres Renteneintrittsalter sieht. Denn diese neoliberale Ausrichtung verfolgt unsere Regierung seit der Schröder-Agenda. Insgesamt muss man feststellen dass die Rechtfertigungsversuche für eine völlig verfehlte Rentenpolitik dem akademischen Anspruch seines Verfassers in keinster Weise gerecht wird. Die einzige Möglichkeit aus dieser Altersarmutsschleife herauszukommen haben wir schon des Öfteren propagiert: Paradigmenwechsel bzw. Rückentwicklung der Agenda 2010, mit zeitgleicher Einführung einer Bürgerversicherung und falls notwendig paritätische Erhöhung des Beitrags. Zudem müssen endlich die versicherungsfremden Leistungen mit Steuergeldern bezahlt werden. Seit 1957 700 Milliarden! Und schon wäre die Altersarmut, die größte Geisel der Neuzeit, Geschichte. Im Übrigen, ein Blick über die Grenzen würde auch hier lohnen. Von Österreich könnte man sich nämlich in Sachen Rente eine Scheibe abschneiden. 80 % des letzten Erwerbseinkommens, bei einem Eintrittsalter von 65 für Männer und 60 für Frauen bekommen die Bürger in der Alpenrepublik Altersversorgung. Es scheint, hier gibt es keine Globalisierung und keine Demographie. Vergleichbar nur noch mit den Beamten in Deutschland.

 Peter Rippler Rentnergewerkschaft, Erding

Sebastian Horsch: „Das ist vollkommener Unfug“, Interview mit Reinhold Schnabel; Politik 13. April 

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