Leserbriefe

Risikostreuung bei Energieimport

Dirk Ippen: Dreitausend Jahre Torheit der Regierenden; Kolumne Politik 19./20. September

Ihrer von mir sehr geschätzten Kolumne muss ich diesmal doch teilweise widersprechen. Dass Sie den überstürzten Ausstieg aus der Kernenergie als Torheit bezeichnen, ist mutig, und mich wundert, dass noch kein Sturm der Entrüstung losgebrochen ist. Möglicherweise gehen den Atomkraftgegnern, seit sie zu Klimawandlern mutiert sind, doch die Argumente aus, zumal ihre Cassandra Greta das auch etwas lockerer sieht. Ihre bekannte Abneigung gegen Russland bzw. Putin kann ich aber noch immer nicht nachvollziehen. Das Gas kommt –egal auf welchem Weg – aus Russland. Auch wenn das ein Risiko sein sollte: Beim Weg über das Krisengebiet Ukraine kommt ein weiteres Risiko hinzu. Die Russen haben auch zu Zeiten des Kalten Krieges zuverlässig geliefert, und im Gegensatz zu unseren Freunden haben sie uns noch nie erpresst. Oder wie sehen Sie die Milliardenzahlungen von Siemens, Bayer, VW und jetzt auch Daimler? Unternehmen, die nicht nach der Pfeife des Weißen Hauses tanzen, wird ihr US-Vermögen (und das ist leider so hoch, dass ihnen keine andere Wahl bleibt) de facto konfisziert. Staaten, die sich nicht an Boykottmaßnahmen beteiligen, werden mit Sanktionen belegt. Nein, das sind nicht meine Werte. Es zeigt, dass einseitige Abhängigkeit nicht gut ist. Risikostreuung bietet am meisten Sicherheit, also gute Verhältnisse mit allen drei Großmächten. Nur so können wir als kleine Handelsnation ohne Rohstoffe überleben, ohne zur Werkbank eines der Großen zu degenerieren. Isoliert in der EU sind wir derzeit nur durch unsere Flüchtlingspolitik. Da spielt die Ansicht von Polen plötzlich keine Rolle.

Herbert J. Uhl

Baldham

Herr Ippen schreibt in seinem Artikel, wie ich es sehe, „das Projekt der Gasröhren durch die Ostsee hätte niemals von einer deutschen Regierung gebilligt werden sollen“. Interessant wird es wenn man die Aussage von Herrn Ippen, der Aussage von Frau Schwesig gegenüberstellt. Frau Manuela Schwesig (SPD) äußerte sich in einem Interview mit dem Spiegel folgendermaßen: „Wenn wir auf das Gas aus Russland verzichten, bliebe als Alternative nur Frackinggas aus den USA. Das ist mit Sicherheit ökologisch die schlechtere Alternative und zudem noch teurer. Ich würde mir in der Frage der Energieversorgung mehr Ehrlichkeit wünschen. Schon vor dem Fall Nawalny gab es massive Versuche der USA, Nord Stream 2 zu stoppen. Die Mitarbeiter in unserem Hafen Mukran sind verunsichert, weil US-Senatoren mit Sanktionen drohen. Das zeigt, mit welcher Härte die USA vorgehen, während sie zugleich mehr Öl aus Russland importieren. Es geht um knallharte wirtschaftliche Interessen. Deutschland muss selbst entscheiden können, woher und auf welchem Weg es seine Energie bezieht.“ Dieser Aussage von Frau Schwesig ist nichts mehr hinzuzufügen.

Erich Wochnik

München

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