Satire muss nicht gefallen

Dirk Ippen: „Auch Satire gehört zur Meinungsfreiheit“; Samstagskolumne, „Konsequenzen aus dem Attentat“; Leserbriefe 10./11. Januar, Michael Schleicher: „Die Freiheit zu lachen“; Kultur 9. Januar

Ja, auch Satire gehört zur Meinungsfreiheit; allerdings sollte es für sie eine Grenze geben, nämlich dann, wenn sie die (religiösen) Gefühle vieler Menschen verletzt, indem sie den Religionsstifter ihres Glaubens, in diesem Falle den Propheten Mohammed (oder bei den Christen Jesus) lächerlich macht. Offenbar fehlt den Autoren solcher Satiren jedes Empfinden dafür, dass Menschen irgendetwas „heilig“ ist, beziehungsweise können sie mit diesem Begriff nichts anfangen. Erstaunlich ist hierbei, dass auf der anderen Seite jede ernsthafte und berechtigte Islamkritik sofort als Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit verteufelt wird. Dass gerade auch die Satire Grenzen braucht, wird übrigens auch bei einem geschichtlichen Rückblick deutlich: Bekanntermaßen spielte sie bei der Judenhetze des Nazi-Regimes eine wichtige Rolle. Hier war das „Lächerlichmachen“ einer der ersten Schritte zur späteren totalen Diffamierung und Verfolgung. Jede Freiheit, also auch die Meinungsfreiheit, kann missbraucht werden. Eine freiwillige Selbstbeschränkung durch Rücksichtnahme auf die Gefühle anderer Menschen bedeutet keine wirkliche Einbuße an Freiheit, sondern zeigt vielmehr erst ihre eigentliche Stärke! Um jeglichem eventuellem Missverständnis vorzubeugen: Natürlich betrachte ich das Attentat in Paris als ein entsetzliches und durch nichts zu entschuldigendes Verbrechen!
Peter Wittmann
Weilheim

Satire will und muss nicht gefallen, Satire möchte auf Missstände aufmerksam machen, anprangern, diskutiert werden, im Idealfall verändern. Dass dies bisweilen mit drastischen Mitteln geschieht, liegt in der Natur der Sache, denn der Mensch schaut in der Regel nur dann genauer hin. Wie wunderbar drückte sich Karikaturist Härringer in seiner Spottschau aus: „Den wahren Helden Cabu, Wolinski, Tignous, Charb und Honoré – wir werden euch nie vergessen! Je suis Charlie“.
Gudrun Bosch
Allershausen

Leserbriefschreiber Herr Heller (Dekan im Ruhestand) hat wohl nicht mitbekommen, dass in Charlie Hebdo sowohl Christen, Juden und der Islam gleichermaßen durch den Kakao gezogen worden sind und hoffentlich auch weiter werden. Genügend Gründe, um sämtliche Religionen in satirischer Weise zu kritisieren, sind wohl vorhanden. Nur habe ich noch nichts davon gehört, dass sich Christen oder Juden deshalb dazu entschlossen haben, Amok zu laufen und wehrlose Menschen niederzumetzeln.
Stefan Zivkowitz
Markt Schwaben

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