Schießen an der Grenze?

Til Huber: „Petrys Opfer-Spiel“; Kommentar 3. Februar, „Eine zweifelhafte Alternative“; Politik 2. Februar

Die Aussage von Frauke Petry auf Erwachsene und sogar Kinder, die einem Kriegsgreuel entflohen sind, zu schießen, entstammt doch ihrem kranken Gehirn. Flüchtlinge ertrinken im Meer, verlieren oft Frau und Kinder, und die, die überleben, laufen Tage und Wochen nur mit dem, was sie auf dem Leibe haben, um ihr Leben, um in ein friedliches Land zu kommen. Psychisch und physisch müssen sie das Erlebte noch auf der Flucht irgendwie verkraften. Dann stehen sie an der Grenze und Frau Petry würde sogar auf diese Menschen und Kinder schießen. Wie abartig! Ich glaube nicht, dass Frau Petry schon einmal unser Grundgesetz gelesen hat. In dem steht deutlich, gleich im ersten Artikel, dass die Würde des Menschen unantastbar ist und diese zu schützen sei. Frau Petry soll sich nur mal vorstellen, wenn sie mit ihrer Familie aus Kriegswirren und Verfolgung Wochen und Monate fliehen müsste, das auch irgendwie überlebt hat, wie sie sich vorkommen würde, wenn dann in dieser Situation einfach an den Grenzen auf sie geschossen wird. Wenn sie dann trotzdem diese Hürden alle geschafft hätte, sie in eine Flüchtlingsunterkunft kommen würde, diese dann aber angezündet wird. Armes Deutschland, das solche Gehirne beherbergen muss.

Roswitha Hiefinger Volkenschwand

Ich habe mir die Mühe gemacht und im Internet nach dem Interview von Frau Petry gesucht. Frage Mannheimer Morgen: „Was passiert, wenn ein Flüchtling über den Zaun klettert?“ Petry: „Dann muss die Polizei den Flüchtling daran hindern, dass er deutschen Boden betritt.“ Frage: „Und wenn er es trotzdem tut?“ Petry: „Sie wollen mich schon wieder in eine bestimmte Richtung treiben.“ Frage: „Noch mal: Wie soll ein Grenzpolizist in diesem Fall reagieren?“ Petry: „Er muss den illegalen Grenzübertritt verhindern, notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen. So steht es im Gesetz.“ Frage: „Es gibt in Deutschland ein Gesetz, das einen Schießbefehl an den Grenzen enthält?“ Petry: „Ich habe das Wort Schießbefehl nicht benutzt. Kein Polizist will auf einen Flüchtling schießen. Ich will das auch nicht. Aber zur Ultima Ratio gehört der Einsatz von Waffengewalt. Entscheidend ist, dass wir es so weit nicht kommen lassen und über Abkommen mit Österreich und Kontrollen an EU-Außengrenzen den Flüchtlingszustrom bremsen.“ Daraufhin wurde in fast allen Medien dieses Landes verbreitet, dass Petry auf Flüchtlinge schießen lassen will. Diese Schlussfolgerung stimmt mich sehr ärgerlich. Dabei ist die deutsche Sprache so herrlich eindeutig und lässt kaum Spielraum von Interpretationen zu.

Bernhard Mühlberg Eching

Verbohrt und perfide schwafeln AfD-Radikalinskis hirnverengt zur Gesetzeslage Grenzsicherung. Sie sollten sich bei ihren Schulkindern und Enkelchen mal über die Gewaltenteilung in unserer weltoffenen Republik informieren. Stichworte: Legislative, Judikative, Exekutive, Staatsbürgerkunde im Unterricht. Das dialektische Ausblenden der höchstrichterlichen Rechtsprechung, die den Schusswaffengebrauch auch für Radikal-Nerds verständlich macht, verfängt nicht! Die Rohrkrepierer der Petry, von Storch und ihren braun-roten Sockenträgern gehen auf in Dunst. Alle Medien und Talkrunden sind aufgerufen, die Höckes und dero Landeier zu Interviews und TV-Runden einzuladen. Die Fähnleinschwenker und Hetzer entblöden sich dorten von selbst.

 Rudolf G. Hörmandinger Farchant

In unserer Zeit waren Schüsse an der Grenze stets eine Spezialität der kommunistischen Länder. Und dort wurde nicht auf unerwünschte Eindringlinge, sondern auf Flüchtende geschossen. Warum die Erwähnung des bei uns gesetzlich geregelten Schusswaffengebrauchs jetzt der Beweis für Rechtsextremismus sein soll, erschließt sich mir nicht. Logisch ist das nicht. Aber was ist schon logisch, wenn Angst vor der Zustimmung zur AfD und Schamlosigkeit bei der Wahl der Mittel sich vereinen.

Peter P. Solloch München

Mehr als das und Jägers halbjährige, vor 2013 beendete, Testphase bei der Partei Die Freiheit und darüber hinaus Jägers parteiinternen Kontakt zum Fraktionsvorsitzenden im Thüringer Landtag, Björn Höcke, weiß Herr Huber nichts Übleres zu berichten. Es reicht ihm, um diesem eine „heikle Vorgeschichte“ zu attestieren. Wo kann man so viel Gefährlichkeit sonst schon finden? Herr Huber, welcher sich gerade noch über die angebliche Wortwahl, woher auch immer er das haben will, von Florian Jäger mächtig erregte, greift dankbar die Erzählung des früheren Vorsitzenden Andre Wächter über einen behaupteten Zulauf aus den Reihen der Freiheit auf. Meinte doch Wächter: „Die haben das gerochen, wie die Bluthunde.“ Die beiden Herren haben also, im Gegensatz zur semantischen Sensibilität des Til Huber, keine Problem damit, Menschen mit Bluthunden zu vergleichen, welche bekanntlich gerne für die Jagd nach entlaufenen Sklaven im Süden der USA eingesetzt wurden. Zur Erinnerung: Andre Wächter wurde von den AfD-Mitgliedern, welche mit wenigen Ausnahmen noch heute in der Partei sind, in den Stadtrat gewählt und klammert sich auch nach seinem Austritt ohne moralische Bedenken an seinen Stadtratsstuhl. Er war auch schon zu seinen AfD-Zeiten ein Vorbild an Flexibilität. Hielt er doch nach eigener Bekunding seine Faust in der Hosentasche, als er zum Unverständnis seiner Parteifreunde für den Bau des Islamzentrums des Imam Idriz stimmte. Zum Finale wird auch noch das Schreckgespenst NPD an die Wand gemalt und deren, ja wohl vergebliche Versuche, sich an die AfD, in welcher Form auch immer, anzudienen. Im Gegensatz zur SPD, welche kein Problem darin sieht, mit der Nachfolgeorganisation der einstigen Mauermörderpartei SED Koalitionen und Landesregierungen zu bilden, hat die AfD jedoch seit ihrem Bestehen auf Distanz zu extremistischen Flügeln geachtet, gleichgültig ob links oder rechts.

Peter Wellenhofer Grünwald

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