Schlecker bleibt Top-Thema

Mag die Weigerung des bayerischen Wirtschaftsministers Martin Zeil und der FDP auch politisch etwas gewagt gewesen sein; sie war mutig, richtig und die einzige vernünftige Entscheidung.

Die Schicksale der betroffenen Schlecker-Mitarbeiter kann und darf auch der Politik nicht egal sein. Aber es gibt in Deutschland zum Glück mit der Bundesagentur für Arbeit bereits ein starkes Instrument, um die Folgen der Kündigung und Arbeitslosigkeit aufzufangen. Dass es hier noch einigen Verbesserungsbedarf gibt, sollte diskutiert werden, und nicht die Etablierung einer Transfergesellschaft. Es kann und darf nicht Aufgabe des Staates sein, in einzelnen Insolvenzfällen einen Sonderweg zu beschreiten. Der peinlich populistische Auftritt von Gerhard Schröder vor der Belegschaft des Holzmann-Konzerns, sollte abschreckend genug gewesen sein. Denn letztendlich konnte auch damals die Politik wirtschaftliche Mechanismen und Notwendigkeiten nicht ändern. Und es ist absurd, unangemessen und offensichtlich nur politisch veranlasst, den Eindruck zu erwecken, als hätte die FDP eine Schuld an der misslichen Lage der ehemaligen Schlecker-Beschäftigten. Verursacht wurden die Probleme in der freien Wirtschaft, sprich in dem Unternehmen Schlecker. Und es darf zumindest auch bezweifelt werden, ob ehemalige Schlecker-Mitarbeiterinnen in einer Transfergesellschaft tatsächlich gut aufgehoben wären. Vielleicht hört es sich etwas besser an, als arbeitslos zu sein. Aber entscheidend ist ein möglichst schneller Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. Hoffentlich gelingt dies vielen betroffenen Mitarbeiterinnen. Und es ist die Aufgabe der Agentur für Arbeit hier professionell, schnell und zuverlässig tätig zu werden.

Rüdiger Geuppert München

Respekt vor Herrn Zeil! Man muss sich schon die Frage stellen, ob diese Leute, die jetzt Herrn Zeil verurteilen, überhaupt verstehen, was Gerechtigkeit bedeutet! Wollen die denn eine 2-Klassen-Insolvenz? Wollen die denn, dass man für Leute, denen bei einem im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehenden Unternehmen gekündigt wird, mehr tut, als für jeden anderen, der irgendwo anders seinen Arbeitsplatz verliert? Soll das gerecht sein? Oder sind das vielleicht nur Leute, die auf diesen unehrlichen und heuchlerischen Populismus hereinfallen, den man jetzt bei vielen Politikern wieder allenthalben hört und sieht? Dass die CSU mit Wendehals Seehofer jetzt die FDP (das ist die Partei, die sich an den Kabinettsbeschluss hält!) angreift, ist ungeheuerlich und bestätigt wieder mal die Wandlungsfähigkeit des Ministerpräsidenten. Nebenbei bemerkt: Wir haben eine Bundesagentur für Arbeit, die für Arbeitslose, Wiedereingliederungsfragen usw. zuständig ist.

 Peter Springer Waakirchen

Lieber Herr Rössler, Ihre Ansage zu den jetzt arbeitslosen Mitarbeitern der Firma Schlecker, „es gibt im Handel genügend offene Stellen“ mag ja richtig sein. Ich hätte es begrüßt, wenn Sie diese Worte auch dem durch eigenes Verschulden zurückgetretenen Herrn Wulff mit auf den Weg gegeben hätten, anstatt ihm fast eine halbe Million Euro pro Jahr hinterherzuwerfen. Da hätten Sie für Ihre Partei Punkten können.

Peter Pagnin München

Die Kommentare im Münchner Merkur vom Freitag und Samstag zum Thema Schlecker und FDP begrüße ich. Ich war noch nie FDP-Wähler, aber ich finde es geradezu grotesk, dass die Vertreter der verschiedensten Parteien das Scheitern von Schlecker nun der FDP in die Schuhe schieben. Die Misere um die Drogeriekette wurde von Schlecker selbst und von niemand anderem verschuldet. Die nun entlassenen Angestellten sind einzig und allein Opfer des Missmanagements des eigenen Hauses. Viele, die heute darüber klagen, dass die Politik hier nicht eingreift, haben Quelle und Holzmann schon vergessen. Wo war eigentlich die Gewerkschaft die vielen Jahre, als das Geschäftsgebaren von Schlecker schon lange Thema war? Da hörte man nie etwas. Wir haben im Bekanntenkreis schon oft über Schlecker gesprochen. Völlig unverständlich ist, dass hier in Penzberg zwei Filialen im Zentrum und in unmittelbarer Nähe anderer Drogerien eröffnet wurden. Kunden sah man darin immer nur wenige. Welchem Zweck dienten also diese Geschäfte?

 Siegfried F. Benke Penzberg

Das macht sich schon recht gut, wenn Bayerns Ministerpräsident verkündet, er hätte ja den Schlecker-Frauen von Staats wegen gerne geholfen. Natürlich, viele Schlecker-Schicksale sind bedauerlich, verdienen Mitleid und Hilfe. Aber aus dem Steuertopf des Staates? „Vater Staat“ kann nicht als allheilbringender, Wohltaten übers Land streuender Übervater auftreten. Ein Vater muss Gunst und Gaben in gleicher Weise gerecht verteilen. Die vielen kleinen Familienbetriebe, die aufgeben mussten und leere Schaufenster mit dem Schild „Zu vermieten“ hinterlassen haben, die zahlreichen kleineren Unternehmen zum Beispiel in der Textilbranche, wie etwa Stricker: Zu ihrem Ende gab es vielleicht noch eine kurze Notiz im Wirtschaftsteil, aber keinen lautstarken Ruf nach Staat und Steuergeld. Auch wenn er selbst als Arbeitgeber fungiert, kann der Freistaat sich oft nicht so um Einzelschicksale kümmern, wie jetzt propagiert wird. Junge Lehramtsbewerber mit besten Noten finden nicht die gewünschte Anstellung in des Staates Schulen, begabte junge Wissenschaftler an den Hochschulen müssen sich in permanenter Unsicherheit von Zeitvertrag zu Zeitvertrag hangeln, unter und vor sich einen Abgrund von Zukunftslosigkeit, ohne jede Möglichkeit einer Lebensplanung. Man muss die FDP nicht (wählen) mögen, um ihr zuzugestehen, dass sie im Falle Schlecker die besseren Argumente hat. Dem bedächtigen Zeil ist hoch anzurechnen, dass er nicht leichthin auf den von Gewerkschaft und Medien bereitgestellten Zug des Populären aufgesprungen ist.

Peter Maicher Zorneding

Die Schlecker-Pleite wird von Politikern benutzt, um sich als sozial mitfühlend zu profilieren. Besonders hervorzuheben Kurt Beck; er spricht von einem Skandal. Die Millionen-Pleite des Projekts am Nürburgring, die Kurt Beck zu verantworten hat, ist ein wirklicher Skandal! Schlecker ist keine Firma wie Quelle oder Grundig. Hier wurden Tausende an einem Standort arbeitslos und erschütterten das Sozialgefüge ihrer Stadt. Bei Schlecker sind 11 000 Arbeitsplätze über das ganze Land verteilt. Das heißt zwei bis fünf Mitarbeiterinnen pro Standort. Mit guten Aussichten auf Vermittlung stehen ihnen alle Qualifizierungshilfen und Arbeitslosenhilfen zu. Die Transfergesellschaft würde vor allem der Firma Schlecker nutzen und den Steuerzahler belasten. Übrigens: Das stille Sterben der inhabergeführten Drogerien über Jahre hinweg durch Schlecker hat niemandem ein Wort des Bedauerns entlockt.

Elisabeth Pichler Pähl

Man kann jeden Satz unterschreiben, da Sie als Einer der Wenigen ganz klar sagen, dass eine Auffanggesellschaft Sache des Arbeitgebers ( Insolvenzverwalters) und der BA ist. Die Politik sollte sich auf alle Fälle heraushalten mit populistischen Entscheidungen auf ebenso populistischen Forderungen von Gewerkschaften u.a. Noch schlimmer ist das Umfallen eines Seehofers in letzte Minute, obwohl eine Entscheidung nach Fakten getroffen wurde, diese eine Woche lang Konsens war und die Fakten sich nicht verändert haben. Bitte bleiben Sie standhaft.

Horst Klecker Haar

Lorenz von Stackelberg: „Zynisch“; Kommetar 31. März/1. April, Stefanie Backs: „Unsinniger Retter-Reflex“; Kommentar und „Bitterer Tag für die Schlecker-Frauen“; Politik 30. März

Auch interessant

Kommentare