Politik und Medien

 Schon erschreckend, wie dünnhäutig so mancher lupenreine Demokrat auf unsere Presse- und Meinungsfreiheit reagiert, wenn diese über eine wohlgefällige Hofberichterstattung hinausgeht.

Den SPD-Chef Sigmar Gabriel halte ich allerdings durchaus für Manns genug, sich seiner Haut zu wehren – ohne Schützenhilfe seiner neuen Koalitionsfreunde aus der CSU. Kleinkariert finde ich das Vorgehen von CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer. Warum beschwert er sich nicht direkt bei der Moderatorin Marietta Slomka? Vielmehr schwärzt er Frau Slomka bei deren Chef, dem ZDF-Intendanten Thmas Bellut, an. Solche Petzen kenne ich noch aus Kindertagen. In der Klassengemeinschaft waren diese alles andere als beliebt. Herr Ministerpräsident Seehofer, nutzen Sie die Adventszeit und gehen Sie in sich, bevor Siedie Christmette besuchen!

Kurt R. Hiller München



Mir stößt nur unangenehm in Ihrem Bericht auf, dass Herr Gabriel nach 22 Stunden Koalitionsfinale nicht in Berlin ins Bett geht, sondern sich um 6 Uhr früh 280 Kilometer nach Goslar fahren lässt, um dort mit seiner Geburtstag feiernden Frau zu frühstücken, sich kurz frisch zu machen und sich wieder nach Berlin chauffieren lässt. Gibt es in Berlin kein adäquates Hotel für Herrn Gabriel? Ich unterstelle, dass Ihr Bericht den Tatsachen entspricht. Das wird natürlich die von Herrn Gabriel so vehement vertretene Unterschicht gerne lesen. 560 Km zum Frühstück, Gratulation und Frischmachen fahren. Maria Leitmeier Puchheim In einem Interview stellt eine Person (Journalist) Fragen, die eine andere (Politiker) beantwortet. Etwas anderes ist es bei einer Talkshow da können schon mal Meinungen gegeneinander prallen, aber der Moderator soll nur moderieren, das heißt das Gespräch leiten und nur dazwischen reden, wenn ein Gast versucht, die Sendezeit mit den eigenen Worthülsen auszufüllen. In Wirklichkeit werden Fragen derart formuliert, dass gleich die eigene Meinung vorgegeben wird, und sobald die befragte Person zu antworten beginnt, wird gleich mit der nächsten Zusatzfrage dazwischen gefahren. Zu dieser Realität passt Frau Slomka, aber auch andere, hervorragend. Sie unterbricht (Kinderstube?) ihre Interviewgäste stets, wirkt arrogant und wenn sie mal lächelt, dann kommt bei mir nicht Verbindlichkeit, sondern Häme an. Wenn dann ihr Gast einen Punktsieg landet, beendet sie das Interview abrupt mit: Ich danke Ihnen für das Gespräch. Es kann schon sein, dass dieses Ende mit der vorgesehenen Sendezeit zusammenhängt, aber hätte sie nicht ständig unterbrochen, wäre keine Zeitnot entstanden. Ich halte Frau Slomka nicht für parteiich, sie macht das bei allen Politikern.

Werner Schweizer Erding

Auch ich habe die ZDF-Nachrichten mit Frau Slomka und Herrn Gabriel gesehen. Von Anfang an fand ich es fragwürdig, 470000 Genossen entscheiden zu lassen, ob 80,5 Millionen Deutsche von einer Großen Koalition regiert werden sollen. Frau Slomka erwartete von Herrn Gabriel eine Antwort auf diese Frage, die von Verfassungsrechtlern durchaus unterschiedlich gesehen wird. Darauf wies Frau Slomka hin und erhielt die grobe Antwort: „Das ist Quatsch!“ Ich gratuliere dem ZDF zu dieser Journalistin, die kompetent und unbeirrt auf einer sachlichen Antwort bestand.

 Elisabeth Pichler Pähl

Kritik und Fragekultur setzt eigenes Wissen voraus. Frau Slomka, mit einem Jahresgehalt von schlappen 280 000 Euro (und damit mehr als die Bundeskanzlerin) kennt noch nicht mal die einfachsten Regeln von Vertragsverhandlungen. Koalitionen werden nicht bei Bundestagswahlen gewählt, sondern von Parteien gechlossen. Bei der CDU reicht das Wort der Vorsitzenden, bei der CSU reicht der kleine Kreis im Vorstand für die Festlegung zu einer Koalition mit dem politischen Gegner. Die SPD fragt sich als Ganzes. Was hat das mit der Wahlentscheidung oder der Gewissensentscheidung von Abgeordneten zu tun? Es geht vielmehr um die Legitimation von parteipolitischem Handeln. Die Wähler zur Bundestagswahl haben der CDU/CSU keine Mehrheit verschafft, und die Union traut sich nicht, als Minderheitssregierung das Land zu führen. Die Unionsparteien betteln um Unterstützer und der größte Unterstützer, wäre die SPD. Slomka hat (bei mit Zwangsgebühren finanziertem Spitzengehalt) mit dem Hinweis auf verfassungsrechtliche Bedenken zur Mitgliederbefragung der SPD, lediglich zum wiederholten Male gezeigt, dass Fernsehmoderatoren zu Recht in der öffentlichen Wertschätzung am unteren Rand der Skala angesiedelt sind. Journalistische Arbeit setzt eigene Kenntnisse und die Fähigkeit voraus, belastbare Argumente und nicht wohlfeile Meinungen zu verbreiten.

 Werner Reischl Erding

 

„ZDF verwahrt sich gegen CSU-Kritik“; Titelseite, Lorenz von Stackelberg: „Altjüngferlich“; Kommen- tar, Christian Deutschländer: „Dauerzoff zwischen dem Zweiten und der Staatspartei“; Politik 2. Dezember

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