Der kluge Silvio Gesell

Alexander Weber: Warnruf zum Abschied; Kommentar 19. Januar

Sowohl Herrn Gauck als auch Ihnen muss ich in gewissen Punkten ganz entschieden widersprechen. Immer dann, wenn innere Unruhen die Demokratie erreichen, wird der Ruf nach einem starken Staat laut, so auch von dem scheidenden Bundespräsidenten Gauck. Gerade er hat doch vor nicht allzulanger Zeit live erlebt, was es bedeutet, wenn der Staat zu viel Macht hat und auch die deutsche Geschichte hat sich bei einem starken Staat nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Alles schon vergessen? Aber nicht nur das fordert Gauck, jetzt plädiert er auch noch für eine wehrhafte Demokratie. Darunter versteht er wohl, dass Deutschland endlich seine militärische Stärke ausbauen sollte, obwohl dies ebenfalls in der Geschichte unserem Land noch nie gut bekommen ist. Da frage ich mich ernsthaft, was das soll? Ach ja, fast hätte ich es sogar vergessen: Die Bösen sind wie immer die anderen. Jetzt aber zu Ihren Ausführungen: Wenn ich Sie richtig verstehe, sind auch Sie der Meinung, dass der größte Feind der Gesellschaft in ihrer inneren Befindlichkeit liegt und dass die Weimarer Demokratie an ihrer zu geringen Wachsamkeit und Wehrhaftigkeit ihrer Anhänger zugrunde ging! Ich will nicht abstreiten, dass dies auch eine gewisse Rolle mitgespielt haben dürfte, aber der größte Feind einer Gesellschaft ist immer das exorbitante Auseinanderdriften zwischen Reich und Arm. Dieses Phänomen haben wir heute wieder zu beobachten und trotzdem machen die Verantwortlichen weiter so, als wenn es kein morgen gäbe. Wie sagte schon vor über 100 Jahren der kluge Silvio Gesell: „Reichtum und Armut gehören nicht in einen geordneten Staat!“ Und wenn man wiederum nicht bereit ist, hier den Hebel anzusetzen, sehe ich schwarz und zwar nicht nur für unsere Republik, sondern für ganz Europa und darüber hinaus. Jedenfalls sind diese menschenunwürdigen Entwicklungen mit markanten Worten à la Gauck alles andere als hilfreich.

 Axel C. Baumgart Rottach-Egern

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