Sonnenkönig von der Isar

Georg Anastasiadis: „Die CSU dankt vor Seehofer ab: Straußens Erbe“; Kommentar 2./3. Oktober

„Sonnenkönig von der Isar“, „L’État, c’est moi!“, „Der Staat, das bin ich“. Dies warf ein totalitärer Herrscher im Jagdrock und mit einer Reitpeitsche in der Hand 1655 dem Präsidenten des Pariser Parlaments an den Kopf. Das aber, was Horst Seehofer, „Sonnenkönig an der Isar“, sich leistet, sprengt den Rahmen, in dem sich ein auf Zeit gewählter Ministerpräsident bewegen darf und sollte. Dem Ganzem und sich selbst die Krone der Lächerlichkeit setzt die Fraktion der CSU im bayerischen Landtag auf. Die man früher im Übrigen als stark und selbstbewusst wahrgenommen hat. Sie aber hat sich leider selbst degradiert und zwar zu „Hofschranzen“ und „Lakaien“, die nur einem Zweck zu dienen scheinen: die sich ständig wechselnden Standpunkte oder Meinungen des Regenten in die Tat umzusetzen, um ja nicht in Ungnade zu fallen. Frei gewählte Abgeordnete haben in erster Linie unsere Interessen, die des Volkes, zu vertreten und nicht die eines sich königlich gebärdenden Ministerpräsidenten, der seine Macht die nächsten fünf Jahre erhalten möchte. Zu dem „Abdanken“ der Landtagsfraktion der CSU, wie Sie in Ihrem Kommentar so treffend bemerken, hätte ein Franz Josef Strauß wahrscheinlich – nicht ganz ohne Spott – bemerkt: „Nicht jeder, der eine Wirbelsäule hat, besitzt auch ein Rückgrat.“
Horst Bergmann
Oberhaching

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