Leserbriefe

Zur Lage der SPD

Mike Schier: Entscheidet euch!; Kommentar 10. DezemberZum Zustand der SPD; Leserforum 10. DezemberMike Schier und Marcus Mäckler: Eskalation vermieden; Politik 7./8. DezemberUnion warnt die SPD; Titelseite,Georg Anastasiadis: Der neue Sozialismus der SPD ist uralt; Kommentar, Kevin Kühnert und die rote Socke; Politik 9. Dezember

Ich bin 89 Jahre alt u. seit 1964 Mitglied der SPD. Wenn ich mir die Leserbriefe von Herrn Dr. Claus Helbig München, Herr Helbig ich würde mich schämen Herrn Kevin Kühnert als Jungkommunisten zu bezeichnen. Reinhold Gesser Seehausen, Michael Bergmann Ga.-Pa. Hans Winkler Eitting usw. lese, muss ich wohl mit dem Beitritt zu SPD die größte Dummheit meines Lebens begangen zu haben. Ich war immer der Meinung der ältesten Partei Deutschlands anzugehören (1863) die sich schon für Demokratie eingesetzt hat, als andere noch gar nicht wussten was Demokratie ist, 1918 Frauenwahlrecht, 8-Stunden-Tag, Abschaffung des Drei-KlassenWahlrechts usw.

Aushandeln des Friedenvertrages mit Frankreich und England, für einen Krieg den andere begonnen hatten, dann kam die Dolchstoßlegende. 1933 haben die Bürgerlichen mit Mehrheit die NSDAP gewählt, Ergebnis 50 Millionen Tote, 40 Jahre DDR.

Ermächtigungsgesetz – die SPD dagegen, gingen dann ins KZ. Wer hat die Eiszeit mit der DDR aufgeweicht, ein Willy Brandt. In letzter Zeit Rente mit 63, Mindestlohn, gegen die Weltuntergangs Stimmung von Union und Wirtschaft. Wir Arbeitnehmer gingen ohne die SPD und die Gewerkschaften noch heute mit einem Stundenlohn von 3,50 Euro nach Hause. Wo sind die höheren Steuern auf Betreiben der SPD? Wer hat die Vermögenssteuer um 10 % gesenkt? Schröder! Wer hat die Mehrwertsteuer erhöht? Frau Merkel!

Ich weiß schon, dass die böse SPD an allem Schlechten Schuld ist, wenn sie regieren würde, käme morgen der Kommunismus oder sogar der Weltuntergang. Das haben schon andere besorgt. Wenn diese Leserbriefe und Ansichten von manchen Schreibern bayerische Leitkultur sein sollen, dann gute Nacht. Das mich nun manche in der Luft zerreißen werden, ist mir schon klar, aber ich hätte schon noch schärfere Geschütze auf Lager.

Georg Weihmayer

Peiting

Die SPD hat als Partei am vergangenen Wochenende ihren Unwillen zur Regierung im Bund ihre Unfähigkeit zur Verantwortung für das Land manifestiert, trotz der Warnungen aus den eigenen Reihen. Der Unwillen zur Regierung wurde plärrend ins Land geschrien seit dem Mehrheitsvotum der Partei für den Koalitionsvertrag und die Unfähigkeit zur Verantwortung im Land ist spätestens seit dem Rauswurf von Andrea Nahles offensichtlich. Den Wählern und Wählerinnen rate ich zur Gelassenheit mit der jetzt gewählten Doppelspitze, denn Genie lässt sich auf Dauer nicht verbergen. Zwar sind die beiden neuen Parteichefs diesbezüglich bisher nicht sonderlich aufgefallen, aber wer weiß? Jedenfalls ist jetzt klar, was es bedeutet, wenn „Die Linke in der SPD“ endlich laut und deutlich auf den Tisch haut. In manchen Ländern der Republik läuft so etwas als Schwank zur Belustigung, in dem konkreten Fall der Sozialdemokraten läuft das eher als Trauerspiel. Mike Schier hat recht mit seiner Aufforderung: „Entscheidet Euch!“ Denn die derzeitige SPD will nicht mehr und wenn man nicht mehr will, dann machen auch Forderungen an den Vertragspartner keinen Sinn.

Peter Schröder

Höhenkirchen

So viele besorgte Bürger, Berichterstatter und Kommentatoren, alle vereint in brennender Sorge um das Wohlergehen und die Zukunft der SPD – das hat man lange nicht gesehen. Und es sind immer noch die gleichen, allzeit Besorgten, diejenigen, die vor 50 Jahren Herbert Wehner und Willy Brandt als 5. Kolonne Moskaus verunglimpften, als Stalinisten und Vaterlandsverräter schmähten, und heute, 50 Jahre später, als Heroen der Demokratie und als leuchtende, für die neuen Vorsitzenden Esken und Walter-Borjans aber unerreichbare Vorbilder feiern. Wie kann, wie soll man so etwas verstehen? Ist es triefendes Mitleid, vielstimmiger Zynismus, politische Auseinandersetzung auf erbarmungswürdigem Niveau – oder dämmert bereits die Erkenntnis, dass das alte Schlachtschiff endlich Fahrt aufnimmt und wieder auf Kurs geht?

Karl Haschke

Mitglied der SPD, Olching

Das SPD-Karussell bestreicht auf dem Jahrmarkt der Wahrnehmungsmöglichkeiten einen sich stets verringernden Radius. Proportional dazu vergrößert sich für die Genossen scheinbar der Deutungsrahmen ihrer Parteirealität. Ganz vorne im roten Feuerwehrauto haben nun der Kevin und der Hubertus Platz genommen. Um Eskalationen zu vermeiden, verfügt dort jeder der beiden natürlich über sein eigenes Lenkrad. Beide werden – aufgrund der impulsiv machbaren, virtuellen Richtungsänderungen und vor allem wegen der Effizienz der vollbrachten Lenkeinschläge – mit ihren Gestaltungsvorschlägen die Anhängerschaft der Spezialdemokraten auf ihre letzten Rudimente reduzieren. Insbesondere der Kevin – der berufslose Teilzeit-Marxist – wird sich aus dem Bällebad der angeschimmelten kommunistischen Argumentationsstrukturen gar nicht mehr herausmanövrieren wollen. Selbst Linke wie er, haben schließlich Heimat und Identität - auch wenn sie dies natürlich vehement bestreiten würden. Das besagte Karussell ist für den Jahrmarkt der Gegenwart durchaus verzichtbar.

Manfred Huber

München

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