SPD: Das grenzt an Selbstzerfleischung

Georg Ismar:Tollhaus SPD;Politik 12. Februar,Michael Fischerund Georg Ismar:Gabriel/Schulz: Endeeiner Männerfreundschaft;Politik 9. Februar

Die SPD ist nicht meine Partei, Herr Schulz ist mir nicht sympathisch. Ich habe ihn nicht gewählt. Aber die derzeitige Wortwahl in Kommentaren und Leserbriefen ist manchmal weit unter der Gürtellinie.

Noch am Wahlabend – unter dem Eindruck des miesen Wahlergebnisses und der rechnerischen Möglichkeit einer Koalition aus CDU/CSU, Grünen und FDP – beschließt der geschockte SPD-Parteivorstand, keine GroKo mehr eingehen zu wollen. Martin Schulz als Vorsitzender verkündet diesen Beschluss. Als dann auf Drängen des Bundespräsidenten doch Verhandlungen zustande kommen, kämpft Schulz mit seinen Mitstreitern sehr erfolgreich um eine deutliche SPD-Handschrift im Koalitionsvertrag. Und dann macht er einen Fehler zu viel. Er möchte Außenminister werden – entgegen früherer Ankündigung, keinesfalls in ein Kabinett Merkel einzutreten.

Schulz hat ein schlimmes Jahr hinter sich, das mit einem nie gekannten Höhenflug begonnen hatte. Verlorene Landtagswahlen, verlorene Bundestagswahl, Rückzug vom Rückzug aus Regierungsverantwortung, Verhandlungen bis an die Schmerzgrenze aller Beteiligter und dann Rücktritt vom angestrebten Amt. Kämpfe und Misserfolge. Der tiefe Fall vom Heilsbringer zum wortbrüchigen Versager war drastisch. Schulz ist ein geschlagener Mann, er liegt sozusagen am Boden. Er hat Fehler gemacht, ohne Zweifel. Man darf und muss diese auch benennen. Aber einen am Boden Liegenden tritt man nicht! Die Wortwahl mancher Kommentatoren und Leserbriefschreiber lässt diesen Grundsatz völlig außer Acht.

Evelyn Richter
Germering


Ja ist denn die SPD total verrückt geworden: Nachdem Martin Schulz endlich einsieht, dass er nicht dazu kommen wird, das Geld der gefüllten Kassen in Europa zu verteilen, da schickt man einen echten Sozialdemokraten, der erst kürzlich sein Profil massiv schärfte und dadurch für Deutschland gute Signale in die Welt schickte, einfach in die Wüste! Das grenzt ja an Selbstzerfleischung und vollkommen betriebsblindes Verhalten. Stattdessen freut sich die vom Fasching machtbetrunkene Andrea Nahles über den vermeintlichen Sieg über einen ihr unangenehmen Parteigenossen Sigmar Gabriel. Ja glaubt sie denn vielleicht mit der Ausdrucksweise: „Die kriegen was auch die Fresse“ und „Bätschi, ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“ kann man eine Partei führen?

Man kann über die Kanzlerin denken, was man will, aber solche Ausfälle kann man ihr nicht nachsagen. Etwas mehr Besonnenheit und vor allem auch Realitätsinn wären der SPD gut angeraten!

Ich bin keine Sozialdemokratin, allein schon wegen der ständigen Querelen und Selbstzerstörung. Reißt Euch endlich zusammen – es wird doch noch irgendwo gestandene Persönlichkeiten innerhalb der Partei geben, die diesem Auflösungsprozess entgegenwirken können, die alten Granden drehen sich im Grab um. Hier geht es schließlich um das Ansehen eines ganzen Landes und nicht nur um Postengeschachere und Machtgehabe einer Partei. Wie kann man sich nur so verhalten!

Anette Schmidt
Seehausen-Riedhausen


Dank an den Merkur für die Fotoserie unter dem Titel „Ende einer Männerfreundschaft“! Der Judas streichelt scheinheilig seinen Förderer Sigmar Gabriel, der selbst seinen Parteivorsitz aufgab, um den Platz frei zu machen, damit Schulz ihn ein Jahr später – nach diversen Lügen (unter anderem keinesfalls in ein Kabinett unter Merkel einzutreten) – aus dem Amt drängt. Das nenne ich Charakter!

Im übrigen brauchen wir eigentlich keinen neuen Außenminister, da dieses Amt durch den dauerreisenden Bundespräsidenten (ehemaliger Außenminister Steinmeier) bereits ausgefüllt wird.

Friedrich Schmidt
Seehausen

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