Zwangsumlage für Strom?

Georg Anastasiadis: „Not-OP“; Kommentar, Martin Prem: „Neue Zwangsumlage für stabilere Netze?“; Wirtschaft 2. Dezember

Es geht um das Problem, dass bei Windkraftwerken und Solaranlagen der Strom nicht immer dann vorhanden ist, wenn man ihn braucht. Eine Lösung wäre in anderer Form denkbar, als es die Regierung versucht. In jedem Haus könnte eine Batterie wenigstens für den Verbrauch von ein paar Stunden eingebaut werden. Sie könnte so geschaltet werden, dass bei Spitzenverbrauch von ihr entnommen wird, aufgeladen wird sie, wenn Strom genug vorhanden ist. Bei einem unvorhergesehenen Stromausfall wäre nicht alles auf einen Schlag stromlos. Wenn die Industrie das anbietet, wird es ohne Zwang auch eingebaut werden. Beim Auto geht es ja auch mit Batterie.

Adalbert Mayer Weilheim

Der Anteil der Privathaushalte am bundesdeutschen Stromverbrauch liegt etwa im Bereich von 30 %. Bricht man den Jahresverbrauch aller Haushaltsgeräte herunter, liegt der Verbrauchsanteil der Geräte bei denen der Kunde die Freiheit hat, den Betrieb zeitlich zu verschieben, zwischen 12 und 20 % je nach Haushaltsgröße, mit oder ohne Kinder. Dies betrifft im Wesentlichen die Spülmaschine, die Waschmaschine und der Trockner. Geht man realistischerweise davon aus, dass maximal 50 % der Haushalte variable Tarife auch nutzen werden und den Betrieb dieser Geräte in Niedertarifzeiten verschieben, ergibt sich folgendes Bild. Vom Gesamtstromverbrauch in Deutschland der im Mittelwert bei etwa 70 Gigawatt liegt, liegt der vom Privatkunden beeinflussbare Verbrauchsanteil zwischen 1,6 und 3 %. Dies rechtfertigt auf keinen Fall den kostspieligen Einbau von intelligenten Stromzählern. Zudem ergeben sich für den Nutzer noch folgende Nachteile. Intelligente Stromzähler die über ein Hausnetzwerk automatisch Verbraucher ein- und ausschalten können, oder Niedrigtarife über Smart-Phones melden, benötigen wiederum einen nicht unerheblichen Stand-by Strom der sich übers Jahr auf über 50 Euro summieren kann. In Verbindung mit über 70 Euro zusätzlicher Jahresgebühr für die smarten Zähler, ist dies ein Wahnsinn der niemals durch Verbrauchsverschiebung in Niedertarifstunden einzusparen ist. Hinzu kommt noch ein weiteres Problem. Ein Stromkostenvergleich und Anbieterwechsel wird extrem kompliziert. Erstmal muss sich der neue Anbieter auf den intelligenten Stromzähler aufschalten lassen, was dann so komplex wie der Anbieterwechsel bei Telefon und Internet wird. Schwierig wird auch ein realer Kostenvergleich der Anbieter, die dann ihre variablen Stromtarife so gestalten werden, dass ein Vergleich ähnlich wie bei Handy-Tarifen nur sehr schwer möglich wird. Der intelligente Stromzähler nutzt nur den Stromanbietern. Für die Verbraucher wird die Nutzung nur komplexer und teuerer.

Zudem ist der Einspareffekt zur Anpassung an das stets fluktuierende Ökostromprofil aus Wind und Sonne eher vernachlässigbar. In diesem Zusammenhang empfehle ich ihnen mal einen Blick auf die Webseite Agora Energiewende. Sie zeigt in Echtzeit die Schwankungsbreite des Ökostromanteils, abrufbar über einen Zeitraum von 30 Tagen und das für jeden Monat des laufenden Jahres. http://www.agora-energiewende.de/service/aktuelle-stromdaten/stromerzeugung-und-verbrauch/ Daraus lässt sich erkennen dass sich Leistungsüberschüsse beim PV-Strom nur im Frühjahr und Sommer ergeben und das vorwiegend zur Mittagszeit, wenn Berufstätige nicht zuhause sind. Im Winter haben wir beim Ökostrom außer an windreichen Tagen durchgehend Energiemangel, was die Versorger dazu nutzen werden, die Tarife zu jeder Tageszeit hoch zu halten. Es ist auch nicht zu erwarten, dass Versorger variable Stromtarife anbieten werden, die ihnen in Summe weniger Umsatz bringen als ihre heutigen Festtarife. Für den Verbraucher bedeutet dies dass er Niedertarifzeiten nutzen muss, ansonsten steigt seine Stromrechnung erneut. Dies schränkt seine Flexibilität ein und wird Frust generieren. Es ist an der Zeit dass die Verbraucher diesem ganzen Schwachsinn endlich Einhalt gebieten, der nur nachteilig für sie ist. Das Argument der Regierung der Flexibilisierung des Verbrauchs und der besseren Anpassung an die Ökostrom-Erzeugungsprofile ist Unsinn, denn mit einer real sich ergebenden Verbrauchsvariabilität von gerade mal 1,6 bis 3 % ist der technische Aufwand und sind die Zusatzkosten nicht zu rechtfertigen. Es ist zudem unverständlich dass diese Fakten, die jeder Energiefachmann in unserem Lande der Regierung vorrechnen kann, wohl ignoriert werden, obwohl sie mit der DENA eigentlich die Fachleute im eigenen Haus hat. Von der Presse erwarte ich dass dieses Thema in seinen Auswirkungen auf den Verbraucher endlich thematisiert wird, was ihr Kollege Herr Prem im Wirtschaftsteil bereits in Ansätzen getan hat. Leider singt er in seinem Artikel, was mögliche Einsparungen durch intelligente Stromzähler angeht, teilweise auch nur das Lied der Lobbyisten, die Einsparungen bei Netzausbau in Aussicht stellen, die wenn überhaupt, sicher nie beim Verbraucher ankommen werden.

 Herbert Sax Großkarolinenfeld

Durch die Einführung intelligenter Stromzähler wird die Voraussetzung geschaffen, dass Stromtarife angeboten werden können, die den Verbrauch zu Zeiten überschüssiger Energie billiger machen. Als nächstes kann die Industrie zum Beispiel Gefriergeräte anbieten, welche zu solchen günstigen Zeiten ein Grad tiefer kühlen und so die teureren Energie-Engpasszeiten überbrücken. Es wäre auch ein fataler Fehler, wenn zukünftig unsere Elektro-Autos am Feierabend geladen würden - genau, wenn sonst auch der größte Strombedarf ist. Diese Akku-Aufladungen müssen auch von solchen Zählern automatisch aktiviert werden, sobald viel Strom im Netz vorhanden ist. Die neuen Messgeräte sind eine sinnvolle Innovation, um den Energieverbrauch mit finanziellen Anreizen (Strompreis) steuern zu können. Das ist viel besser als mittels Pumpspeicherwerken den Strom insgesamt zu verteuern und unsere Bergwelt mit riesigen überdimensionierten Becken zu verschandeln. Es muss aber natürlich auch ins Gesetz geschrieben werden, dass die erhobenen Daten nur für die Stromabrechnung verwendet und nicht weitergegeben werden dürfen. Diese Problematik ist schon lange bekannt und wird sicherlich nicht von der Gesetzgebung vergessen werden.

Albert Orterer Wackersberg

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